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Paint Club Battle Tour in Lahr: Ein Bild dauert 90 Minuten

Die Regeln sind einfach: Zwei Künstlerduos haben jeweils 90 Minuten Zeit, um eine Leinwand mit Markern und Pinseln nach einem Motto zu bemalen. Das zu illustrierende Thema wird vorher aus einem Kartenstapel gezogen. Nach Ablauf der Zeit wird das Gewinnerteam per Lautstärkemessung des Publikums ermittelt. Mit diesem Konzept tourt die „Paint Club Battle Tour“ derzeit durch Europa und machte am Wochenende auch in Lahr im der Galerie K31 halt.

Am Eingang der Galerie K31 steht ein großer Banner der Paint Club Battle Tour, oben aufgeführt sind die 13 europäischen Städte, durch welche die Tour innerhalb von 20 Tagen führt. Berlin, Budapest, Bratislava, Wien, Zürich, Amsterdam und eben auch Lahr. Was sich in dieser Reihenfolge noch als komischer Austragungsort liest, kehrt sich beim Eintritt ins Gegenteil um. Die Galerie K31 genießt in der urbanen Kunstszene weltweit ein großes Ansehen. Sie gehört zu Jürgen Feuersteins Unternehmen Molotow, das weltweit als Referenz in der Sprühdosenbranche anerkannt ist. Vor allem die urbane Künstler- und Graffitiszene identifiziert sich mit der Marke und deren Entwicklungen. Und so tut es auch Jürgen Feuerstein selbst.

Der 45-Jährige Lahrer trägt an diesem Abend abgewetzte Sneakers, Jeans und ein schwarzes Shirt. „Ich sehe mich nicht als Galerist. Ich bin Präsentator“, erzählt er in einem der in weiß gehaltenen Räume, die behängt sind mit unzähligen Artworks und Leinwänden. „Mir geht es darum, eine Plattform für kreative Leute zu schaffen. Die Menschen sollen sich selbst ein Bild von dieser Szene machen und nicht von vornherein Graffiti als Vandalismus abstempeln. Diese Zeiten sind doch vorbei. Hier findet Ausdruck und Kreativität statt“, sagt er. Kreativität, immer wieder benutzt er dieses Wort. Darum, „Grenzen zu sprengen“, gehe es ihm.

Etwa 150 Menschen sind an diesem Abend in der Galerie. Vom kleinen Grundschüler, der auf dem Boden hockt, bis zum Geschäftsmann im Anzug am Stehtisch. Auch der Lahrer Oberbürgermeister und der kanadische Botschafter, der gerade in der Stadt weilt, schauen kurz vorbei und lassen sich von Feuerstein herumführen.

Derweil pumpen laut aber dennoch im Hintergrund 90er-Jahre-Rap-Beats, während Andreas Schanzenbach erklärt, worum es beim Paint Club gehe. Der 30-Jährige Dresdner ist einer der Organisatoren. Das gesamte Team auf Tour besteht aus sechs Leuten. „Wir wollen mit diesem Projekt eine internationale Plattform für urbane Künstler schaffen. Urban Art bedeutet in diesem Zusammenhang jegliche Form von Kunst, die man ohne Hindernisse zu überwinden im öffentlichen Raum sehen kann. Wir wollen die gesamte Bandbreite abdecken. Von Illustratoren, Grafikern, Comiczeichnern und natürlich Street Artists. Alle erhalten die Möglichkeit, sich einen Namen in der Szene zu machen und in den interkulturellen Austausch mit anderen Künstlern zu treten“, so Schanzenbach.

An diesem Abend treten die beiden Künstlerduos „Orbit 119“ aus Frankreich und „Burning Saxony“ aus Sachsen gegeneinander an. Als Thema wird „Mafia“ gezogen. Was die beiden Teams aus der weißen Leinwand von etwa 2x3 Metern Größe mit Hilfe von Markern und Pinseln veranstalten, ist komplett unterschiedlich.



Die beiden schrill gekleideten Franzosen - einer trägt eine kurze Jeanshose kombiniert mit Cowboystiefel und pinkem Hut, der andere eine Ringelstrumpfhose, Jackett und Skibrille – streichen scheinbar wild und expressionistisch die Pinsel quer über die Leinwand und malen mehr als dass sie zeichnen, während sie immer wieder laut aufschreien. Am Ende kommt ein Totenschädel mit Zylinder und Dollar-Zeichen darauf dabei heraus, überall und eingetrocknete verlaufene Farbe.

Die beiden ruhigen Sachsen dagegen üben sich im Graffiti-Style und benutzen fast ausschließlich den Marker. Sie erstellen eine Szenerie mit fiesem Character unter dem Motto „We Run The Streets“. Immer wieder wird zwischendurch die verbleibende Zeit durchgesagt. Das Publikum steht während der gesamten Dauer direkt vor den Wänden und beobachtet die Szenerie.




Nach 90 Minuten und der Lautstärkemessung steht das Ergebnis fest. 112 Dezibel für Burning Saxony, 114 Dezibel für das Duo namens Orbit 119. Gut möglich, dass die zwei Dezibel Unterschied in den Kehlen der Franzosen selbst gesteckt haben, die lauthals mitschreien.
Anschließend werden beide Bilder zur Unterstützung eines Urban-Art-Festivals in Halle versteigert. Für 650 Euro geht das zweitplatzierte Bild weg, während das Siegerbild nach fast endloser Bieterschlacht satte 1000 Euro erzielt. Grenzen wurden gesprengt.

„Wow“, so das Fazit des Veranstalters. „Ein sehr schöner Abend“, so Jürgen Feuerstein.



 
Foto-Galerie: Daniel Weber

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 3
Montag, 27.09.10 14:45
 

herr weber, die 20 € von der bz-spitzelkasse sind wie immer verdient ;-) :-D

+om
Dienstag, 28.09.10 12:39
 

also gab es nur zwei team, eins aus frankreich und eins aus sachsen? das is wohl n witz oder? dafür mussten viele regionale auf die teilnahme verzichten? und die bilder sind auch irgendwie nicht unbeding highclass!!! naja, jeder so wie er kann....

Montag, 04.10.10 02:34
 

highclass scheiße sind die bilder!!!

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