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Das Gemüseabo: Karotten frei Haus

Für Gemüsefans gibt es in Freiburg eine bequeme Alternative zu Discounter, Bioladen und Münstermarkt: das Gemüseabo. Per Fahrrad kann man sich frisches Gemüse einmal in der Woche nach Hause liefern lassen. Till und Florina waren bei einem Gemüseaboanbieter in Gundelfingen und haben eine WG besucht, die so ein Abo nutzt.

Gemüseabo

Aus einer kleinen Halle im Industriegebiet Gundelfingen dringt geschäftiges Klappern. Autotüren schlagen, etwa 15 Männer und Frauen laden Kartons mit Obst aus einem Transporter aus und hieven große rote Kisten in einen Anhänger vor der Halle. „Gemüse im Abo“ steht auf der roten Anhängerplane. In den Kisten darunter stapeln sich Papiertüten mit Obst und Gemüse, Salatblätter ragen bis über den Kistenrand hinaus – eine geballte Packung Vitamine.

Der Clou: Was hier gepackt wird, wurde gerade auf dem nahen Klosterhof in Gundelfingen frisch geerntet. Das Gemüse steht schon in wenigen Stunden vor der Haustür der Abonnenten, geliefert von einem Gemüsekurier.

Ursula Weigmann

Ursula Weigmann, die Chefin von „Gemüse im Abo“, hat diese Idee 1996 aus ihrer norddeutschen Heimat nach Freiburg gebracht. In Zusammenarbeit mit dem Klosterhof baute sie einen Gemüsevertrieb in Gundelfingen auf. Heute wird sie von einem 20köpfigen Team unterstützt. 800 Kisten pro Woche packen sie, die Hälfte davon wird mit dem Fahrrad ausgeliefert, die andere mit dem Auto – eine logistische Meisterleistung, denn das Gemüseabo garantiert vor allem eines: Frische. Gemüse, das am Morgen geerntet wird, kann schon am Abend im Kochtopf brodeln.

Gemüse satt mit Überraschungsfaktor

"Das Grundmodell ist, sich für eine Kistengröße zu entscheiden, die sogenannte Singlekiste, Familienkiste oder unsere große Klosterhofkiste. Und da wird von uns eine Überraschungskiste zusammengestellt“, erklärt Weigmann. Wobei der Überraschungsfaktor eingegrenzt werden kann: Denn anders als bei einem Zeitungsabo zum Beispiel, bei dem der Leser nicht aussuchen kann, was in der Zeitung steht, kann der Kunde bei der Gemüsekiste sagen, was er nicht mag.

So wird jede Gemüsekiste nach individuellen Wünschen und dem saisonalen Angebot von den Kistenpackern zusammengestellt, kann aber auch jederzeit kurzfristig wieder abbestellt werden. Von A wie Aprikosen bis Z wie Zwiebeln reicht das Angebot und richtet sich danach, was auf heimischen Böden produziert wird.

Die Gärtnerei Klosterhof in Gundelfingen baut nach den Bioland-Richtlinien an. Das heißt, dass der gesamte Hof ausschließlich Bioprodukte produziert. Neben Obst und Gemüse bietet Ursula Weigmann auch ein breites Zusatzangebot wie Brot, Eier oder selbstgemachte Marmeladen an. Dabei lautet die Devise: regional und saisonal.

In der Region wohnen auch Weigmanns Kunden: in und um Freiburg, im Hochschwarzwald bis hin ins grenznahe Frankreich. Rund ein Drittel sind Stammkunden, darunter viele Familien. Doch auch für Wohngemeinschaften ist die Gemüsekiste eine Alternative. „Bioqualität im Supermarkt ist einfach deutlich teurer.“, findet Felix. Die Singlekiste des Klosterhofs kostet pro gelieferter Kiste 11 Euro, die Familienkiste 16 Euro, die Klosterhofkiste 22 Euro.


Gemüseabo

Felix sitzt am großen Tisch einer gemütlichen Wohnküche und schneidet Zwiebeln. Seine siebenköpfige WG – viele sind Vegetarier – bestellt gleich zwei Kisten Gemüse pro Woche, von verschiedenen Anbietern. Das hat einen einfachen Grund. Die einen liefern dienstags, die anderen freitags: So ist immer frisches Obst und Gemüse im Haus und nicht immer das Gleiche auf dem Teller.

Gemüseabo


Kürbis, Kardonen, Knollengemüse

„Die Gärtnereien sind hier sehr einfallsreich und suchen immer was Neues.“, sagt Felix (Bild unten: Mitte). So sei zum Beispiel der Kürbis vor einigen Jahren wieder salonfähig gemacht worden. Doch was tun, wenn Knollengemüse (zum Beispiel Topinambur) oder Kardonen (eine distelartige Gemüseartischocke) geliefert werden? „Es stehen zum Glück auf den Rechnungen hinten Rezepte drauf für diese sehr unüblichen Gemüsesorten.“, erklärt Frauke (Bild oben), eine Mitbewohnerin.

Inzwischen ist auch Mercedes (Bild unten: links) in die Küche gekommen. Sie deutet auf eine Gemüsekiste. „Es ist bequem, weil man die Sachen direkt nach Hause geliefert bekommt. Es ist experimentell, weil man sich mit Gemüse auseinandersetzen muss, das man nicht standardmäßig in einem Supermarkt kauft.“, sagt sie. Mercedes hat das Projekt Gemüsekiste im Abo in der WG initiiert. „Man beschäftigt sich mehr mit dem Thema ökologisch leben, ökologisch kochen und mit einer regionaleren Zukunft.“


Gemüseabo

Und sie betont: „Mir ist der regionale Aspekt fast noch wichtiger als der biologische.“ Oft hätten regionale Bauern gar nicht die Mittel, ihre Produkte zu zertifizieren, obwohl sie biologisch angebaut werden.

Mercedes sieht aber auch die Grenzen des Abonnements. Das Gemüse und Obst selbst aussuchen wie im Supermarkt kann sie nicht. Beim Auspacken der Abokiste sieht sie die Früchte genau durch – und verzieht über den Erdbeeren das Gesicht. „Eine schimmlig und einige noch unreif.“ So hätte sie die Schale im Supermarkt nicht gekauft. Mercedes wünscht sich außerdem für ihr Gemüseabo eine WG-Kiste. „Die fehlt noch in Freiburg, auch wenn es durchaus verschiedene Größen gibt.“

Es rappelt auch mal in der Kiste: In der WG kommt es immer wieder zu Diskussionen über das Gemüseabo – was wird bestellt und was nicht? Lohnt es sich eher, eine kleine Kiste zu nehmen, damit nichts verschimmelt? Was muss dann trotzdem unbedingt drin sein? Nur in einem sind sich alle einig: Sie wollen rund ums Jahr regionales Biogemüse geliefert bekommen.

Gemüseabo Selbst wenn die Felder und Obstbäume im Herbst abgeerntet sind, bleibt die Vielfalt in der Kiste groß. „Man kann auch regional durch den Winter kommen.“, erklärt Ursula Weigmann. „Es gibt da die Kohlvielfalt, wahnsinnig viele Rüben, Lauch...“ Weigmann kauft auch Bio-Obst hinzu. Ökologisch kann sie das so vertreten: Zugekauft wird nur, was heimische Böden nicht hervorbringen, wie Ananas und Maracuja.

Übrigens: Geheimtipps in der Gemüsekiste sind momentan Zuckerschoten und frische Erbsen. Die gibt es im Frühsommer nur wenige Wochen.



Gemüsebringdienste in der Region:





Die Autoren: Florina German (23) und Till Neumann (26) studieren Deutsch-Französische Journalistik am Frankreichzentrum in Freiburg. Dieser Beitrag entstand im Rahmen eines Seminars über die Grundlagen des Online-Journalismus.


Mehr dazu 
Foto-Galerie: Florina German & Till Neumann


Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eines der Fotos (Thumbnail) klickt und dann auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 18
Coa
Freitag, 16.07.10 12:07
 

Gibts das auch in Fleisch?

Ex-Moskito
Freitag, 16.07.10 13:31
 

Also am Klosterhof hab ich als 4-jähriger als Milch geholt, da hießen sie noch Müller (das ist aber schon verdammt lange her!).
Ansonsten, vielleicht keine schlechte Idee, aber für mich persönlich geht nichts über einen ausgedehnten Einkauf auf dem Münstermarkt.

Freitag, 16.07.10 14:04
 

Das Gemüse-Abo ist sehr empfehlenswert! Wir sind schon seit Jahren dabei. Man hat immer was im Kühlschrank und muss nicht im Voraus planen wenn dazu noch die üblichen Grundnahrungsmittel vorhanden sind. Die Qualität ist sehr gut. Und es gibt hin und wieder auch Gemüsesorten die man vorher nicht kannte, sonst niemals gekauft hätte oder die im Supermarkt gar nicht angeboten werden.

Facebook-User
Freitag, 16.07.10 18:47
 

Ah, Freiburger Super-Ökos. Volles Klischee.

FRAUKE? FRAUKE! Huahuahuahua.

"Es stehen zum Glück auf den Rechnungen hinten Rezepte drauf für diese sehr unüblichen Gemüsesorten.“, erklärt Frauke"

Psssst! Es gibt da eine neue Erfindung: INTERNET!

Freitag, 16.07.10 19:00
 

Gute Sache!

Freitag, 16.07.10 20:58
 

Mercedes sei gesagt, jeder der biologisch produziert bzw Bio-Produkte egal ob Demeter, Bioland, EU-Zertifikat usw verarbeitet, wird sich zertifizieren lassen müssen! Sonst lohnt sich der Mehraufwand gar nicht bzw darf nichtmal verbal Bio genannt werden...
Keiner baut Bio an und sagt es nicht. Im Vergleich zum konventionellen Ackerbau bring ein Biofeld je nach Saat zwischen 20 und 80 % weniger Ertrag. Da wäre man doch dumm, sich nicht entsprechend zu vermarkten.
Wenn jemand Bio kaufen will, dann schaut bitte auf Demeter bzw Bioland zertifizierte Betriebe. Das EU-Zertifikat ist kein 100% Bioprodukt. Diesen Produkten werden konventionelle Methoden zugestanden.

Freitag, 16.07.10 21:06
 

(Ich habe KEINEN der obigen Kommentare gelesehen.)

Meine Meinung zu den Gemüse-Abos ist deutlich POSITIV.
ich hab die selbst schon in einer WG mit den Mitgenossen gehabt:
Die Demeterhöfe BRAUCHEN unsere Unterstützung und das Essen schmeckt DEUTLICH BESSER als der Fraß aus den hiesigen Ketten-Geschäften.

Wer heute noch Obst und Gemüse aus Spanien kauft, hat es sowieso nicht besser verdient, als das Ihm und den Nachkömmlingen 3 Augen und ein Schwanz hintenraus wächst !
Das ist schon fast kein Gemüse mehr, sondern PESTIZIDE in Früchteform gepresst - aber die dummen Deutschen fressen ja bekanntlich alles, wie Vieh.


Es gibt hierzu nur zwei Meinungen: Meine und die Falsche.

Freitag, 16.07.10 23:19
 

Produkte des Bioland-Verbands kaufe auch ich, vor allem im Bereich der tierischen Waren. Einerseits, weil sie mir besser schmecken und andererseits, weil ich dann weiss, dass die Tiere über die gesetzlichen Normen heraus artgerecht gehalten werden.

Warum kaufe ich keine Demeter-Produkte? Weil ich diese antroposophischen Ansätze für pseudowissenschaftlichen Unsinn halte. Es gibt einige wenige Studien, die diesem biologisch-dynamischen Landbau positive Auswirkungen auf beispielsweise die Bodenqualität bescheinigen, aber noch viel mehr Studien, die aussagen, dass die Antroposophie im Einklang mit anderem esoterischem Quatsch keine messbar positiven Auswirkungen auf die Qualität landwirtschaftlicher Erzeugnisse haben, vergleicht man diese mit Erzeugnissen aus normal-ökologischem Anbau.

Nichtsdestotrotz sollten man sich auch dessen bewusst sein, dass es sich nicht jeder leisten kann, ökologisch erzeugte Produkte zu kaufen. Zudem wäre es von den Kapazitäten her schon gar nicht möglich, die Weltbevölkerung auf diese Art und Weise zu versorgen.

Was lokal erzeugte und saisonale Produkte betrifft, kann aber jeder - unabhängig davon, ob diese ökologisch oder konventionell erzeugt wurden - unnötigen Transportwegen und der damit einhergehenden Umweltbelastung entgegenwirken und das, ohne viel mehr Geld auszugeben.

Tatsächlich wäre ich aber auch an einem solchen Abo interessiert, wenn in diesem Abo nicht nur Gemüse, sondern auch frisches, ökologisch erzeugtes Fleisch angeboten werden würde, obwohl es aufgrund der Kühlkette logistisch natürlich schwieriger wäre ;).


menti hat den Kommentar am 16.07.2010 um 23:24 bearbeitet
Samstag, 17.07.10 00:07
 

Bei uns liegt hin und wieder ein Zettel bei, der Fleisch und Wurstwaren von der Hochburg per Vorbestellung anbietet. Wie das in FR ist, weiß ich nicht.

Ex-Moskito
Samstag, 17.07.10 09:19
 

@tatoocheck

"Sonst lohnt sich der Mehraufwand gar nicht bzw darf nichtmal verbal Bio genannt werden...
Keiner baut Bio an und sagt es nicht. Im Vergleich zum konventionellen Ackerbau bring ein Biofeld je nach Saat zwischen 20 und 80 % weniger Ertrag. Da wäre man doch dumm, sich nicht entsprechend zu vermarkten."

Stimmt so auf keinen Fall!

Bei regionalen Halbnebenerwerbsbauern kommt es durchaus vor, dass sie mehr oder weniger auf Bioniveau produzieren, aber nicht zertifiziert sind (wird aber natürlich auch nicht kontrolliert, ist dann reine Vertrauenssache). Bei hochprofessionellen Nahrungsmittelproduzenten sieht dass aber natürlich anders aus.

Samstag, 17.07.10 10:47
 

meine erzeuger sind kunde bei der http://www.distelkiste.de - feine sache !!!

gruß

LEGO

Samstag, 17.07.10 10:57
 

@lego


weisst du, wo ich den honig der imkerei schelinger alm bekomme ?


igitt hat den Kommentar am 17.07.2010 um 10:57 bearbeitet
Samstag, 17.07.10 11:23
 

nein, sorry.

ich stehe auf den honig von konrad czapiewski aus endingen.

auch lecker.

Samstag, 17.07.10 11:51
 

Ok.

Nachweislich ungezuckert, der Honig des Herrn ? Wenn ja,- in Frbrg. zu kaufen ?

Samstag, 17.07.10 21:30
 

Das Abo mag ne gute Sache sein.
Etwas übel aufgestossen ist mir neulich einer dieser roten Kisten die bei 38,5 Grad vor der Nachbrstür vor sich hingammelte !!! Der Salat sah zu Fürchten aus.
Nix gegen die LEbensmittel, die sind sicher erstklassig, aber der Vertriebsweg ist furchtbar. Wie kann man bei einem Hitzetag die bestellten Lebensmittel vor einer Tür abstellen wenn der Empfänger nicht da ist. Besser wäre es nen Zettel dazulassen und den schönen Salat wieder mitzunehmen und am nächsten Tag nochmal vorbei bringen (gegen Aufpreis versteht sich).
Oder halt beim Nachbarn klingeln und fragen ob er die Kiste im kühlen verwahrt.

Als Empfänger jedenfalls hätte ich diese Kiste nicht mehr angenommen. Die Post jedenfalls läßt Lebensmittel nicht in praller Sonne stehen (Pakete von Gourmondo und Co landeten immer in Hausgang oder beim Nachbarn weil LEbensmittel drauf stand).

Ansonsten würd ich den Lieferservice schon mal probieren, da es das Einkaufen erspart, was mir eh lästig ist ;)

Sonntag, 18.07.10 12:43
 

Bei Abwesenheit und Sommerhitze legt man ein feuchtes Handtuch in die leere Kiste, das deckt der Lieferant dann über das Gemüse, so bleibt es trotzdem frisch.

Sonntag, 18.07.10 19:32
 

o.k. das wusste ich ned. Da hat also der Käufer gepennt.

Montag, 19.07.10 02:57
 

Bio-Gemüse regelmässig frei Haus ?
Klingt gut.
Sollte man ausprobieren.

Aber kann man den Abo-Vertrag auch kündigen oder unterbrechen z.B. wenn man mal länger Urlaub macht ?

Wie sind da eure Erfahrungen ?

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