
Neu bei Twitter – und schon im Dialog mit einem Star. So geschehen bei Twitter-Neuling
Patrick. Zehn Tage ist sein Account erst jung, da antwortet er mit einem Artikel über verbesserte Schulkantinen in Chicago auf einen Beitrag des britischen Starkochs
Jamie Oliver, der Twitter nutzt, um auf seine Foodrevolution in Amerika aufmerksam zu machen.
Oliver liest wiederum den Beitrag von Patrick, findet ihn informativ und verbreitet ihn daraufhin in seiner
Twitter-Gemeinde.
Nur eine kleine Twitter-Anekdote, aber sie zeigt, wie grundsätzlich sich das Verhältnis zwischen
Stars und Fans verändert hat. Der Microblogging-Dienst Twitter basiert auf der simplen Frage „Was passiert gerade?“ Und unter den 105 Millionen Nutzern gehören Prominente zu den eifrigsten Autoren.

Internationale Stars wie
Ashton Kutcher, Demi Moore, Lindsay Lohan oder
Lily Allen, aber auch nationale Berühmtheiten wie
Lukas Podolski, Ingolf Lück oder Peter Maffay nutzen die Textnachrichten mit 140 Zeichen Länge, um ihre Fans und Freunde zu informieren – rund um die Uhr. Sie zeigen sich dabei
ganz privat. Sie posten Bilder von sich beim Frühstück, im Stau, beim Zähneputzen – und das völlig freiwillig.
So verkündet Lily Allen, dass sie im britischen Wahlkampf die Labour-Partei unterstützt und
Jessica Simpson teilt ihren Mitlesern (Followern) mit, wie glücklich sie mit ihrem neuen
Haarschnitt ist. Ganz privat, ganz persönlich.

Und das ist neu. Denn in Vor-Twitter-Zeiten erfuhr man solche und andere Nebensächlichkeiten nur aus den
einschlägigen Zeitschriften. Und deren Spekulationen darüber, welche Hollywood-Ehe zu Bruch gegangen sei und welches Starlet sich derzeit mit Magersuchtsproblemen herumschlage, sind legendär falsch.
Diesen Schritt gibt es in der Twitter-Welt nicht mehr. Seit die Stars das Twittern für sich entdeckt haben, fällt der Zwischenmann in Form der Klatschpresse weg – und
Lindsay Lohans 561000 Follower können somit direkt von ihr erfahren, was sie zu Gerüchten über diverse
Schönheits-OPs zu sagen hat.
Der Mikro-Blog eröffnet den Prominenten einen ganz neuen, persönlichen Draht zum Fan. Sie haben selbst in der Hand, was sie der Öffentlichkeit mitteilen möchten und werden somit zu
Redakteuren ihrer eigenen Presse. Eine weiterer Vorteil für die twitternden Stars ist die Übermittlung der Informationen in Echtzeit. Dank des Mikro-Blogs können die Leser nun sofort erfahren, was der berühmte Autor gerade so macht.

„Ich schaue gerade meiner Frau zu, wie sie meinen Anzug in einem Bikini bügelt. Ich liebe Gott!“ US-Schauspieler
Ashton Kutcher machte vor einem Jahr mit diesem Blog Furore. Als Nutzer „aplusk“ veröffentlicht er auf Twitter ein paar Minuten später zu seinem Eintrag ein Foto vom Hinterteil seiner Frau
Demi Moore. Damit entzückte er nicht nur die rund vier Millionen Leser seines Blogs, sondern lenkte auch den Blick der Öffentlichkeit auf seine Twitter-Tätigkeiten.
Kutcher gilt als der
ungekrönte Twitter-König. Er war einer der ersten Prominenten, der vom Twitter-Fieber angesteckt wurde und wettete im April vergangenen Jahres sogar, dass er bei Twitter schneller auf eine Millionen Mitleser komme als der
Nachrichtensender CNN. Kutcher gewann die Wette und zeigte damit, dass ein einziger Mensch online
mehr Macht haben kann als ein ganzes Medienunternehmen. Positiver Nebeneffekt: Die 100.000 Dollar, die er bei der Wette gewann, spendete Kutcher für ein Malaria-Projekt von Unicef. Inzwischen hat er fast
fünf Millionen Mitleser und berichtet beinahe stündlich über Dinge, die ihn in seinem Star-Kosmos so beschäftigen. Und bringt Websites, auf die er in seinen Tweets verlinkt, mit der Aufmerksamkeit seiner Follower zum Zusammenbruch.
Twitter hat die Kommunikation zwischen Promis und ihren Fans unmittelbarer, direkter, zeitunabhängiger und vor allem
persönlicher gemacht. Denn wie in allen sozialen Netzwerken geht es auch bei Twitter um die wechselseitige Kommunikation zwischen den einzelnen Teilnehmern. Fans
abonnieren die Nachrichten der Prominenten. Sie sind von ihren Vorbildern nur noch einen Tweet entfernt.
Sogenannte
ReTweets bezeichnen das referenzierte Wiederholen eines Beitrags und ermöglichen, dass Eilmeldungen schneller verbreitet werden. Als im Dezember 2009 US-Schauspielerin
Brittany Murphy plötzlich verstarb, breitete sich die Meldung wie ein Lauffeuer aus.

Die Reihe der twitternden internationalen Stars hat die Anwendung noch populärer gemacht. Aber auch deutsche Berühmtheiten bedienen sich des Mikroblogs. Kick-Dampfplauderer
Reiner Calmund schwört auf seiner Seite, der „echte“ Calli zu sein. Auch Smudo von den Fantastischen Vier, MTV-Moderator
Markus Kavka oder Comedian
Oliver Pocher haben das Twittern für sich entdeckt. Schließlich ermöglicht Twitter nicht nur den direkten Austausch mit den Fans, das Mikroblogging hat sich auch zu einer neuen Form der
Vermarktung entwickelt.
Bestes Beispiel:
Amanda Palmer von den Dresden Dolls. Die US-amerikanische Sängerin nahm in einem Monat 19 000 US-Dollar ein, weil sie Twitter zu ihren Gunsten zu nutzen wusste, unter anderem einen
Twitter-Donation-Gig organisierte, T-Shirts signierte und über Twitter verkaufte. Im selben Monat verdiente sie durch
30 000 verkaufte CDs rein gar nichts.
Was ist nochmal Twitter?
Twitter gehört wie Facebook, StudiVZ oder MySpace zur Gruppe der
sozialen Netzwerke. Angemeldete Nutzer können Kurznachrichten mit 140 Zeichen Länge veröffentlichen. Diese Beiträge sind für die Follower eines Nutzers lesbar. Ein
Follower (englisch: follow = folgen) ist ein Mitleser oder Abonnent eines Twitter-Nutzers. Das Schreiben auf Twitter wird umgangssprachlich als „twittern“ bezeichnet. Die Twitter-Beiträge heißen
Tweets (englisch: tweet = zwitschern). Beiträge können von den Lesern kommentiert werden. Wird der Beitrag einer anderen Person von einem Nutzer wiederholt, spricht man von einem
ReTweet. Twitter wird von Privatpersonen, Unternehmen, Politikern, Prominenten und vielen weiteren genutzt.
[Fotos: dpa]