Der Mann, der Hartmut Biesen im Januar 2009 auf dem Schlossberg mit einem Stein erschlug, leidet unter einer paranoiden Schizophrenie und wurde vom Gericht gestern als schuldunfähig eingestuft. Philip berichtet von der Urteilsverkündung im Landgericht und den Details des Tathergangs.





Na, bei dem Text tritt das zentrale Problem der Gerichtsreporterei zu Tage: Der Schreiber muss sich als Dolmetscher zwischen der Juristensprache und dem Straßendeutsch verstehen. Hier gelingt das ganz und gar nicht: Die Sätze sind wortgleich von den Juristen übernommen, das Stück lies sich langweilig und ist fad. Bitte überarbeitet den Text nochmal und baut ein wenig mehr Leben ein - wozu war der Kollege denn vor Ort dabei...?
Hä??? Hier geht es doch einfach um die Vermittlung von Informationen, nicht um den Aufbau eines Spannungsbogens. Und auf unverständliches Juristendeutsch bin ich hier auch nicht gestoßen.
@ Borchi
Da sind wir anderer Meinung, sonst hätten wir den Text nicht so online gestellt. Wir finden, dass Philip die Balance zwischen den juristischen Details, die nötig sind, damit der Text nicht oberflächlich rüberkommt einerseits und Nachzeichnung der Biographie des Angeklagten andererseits gelungen ist.
das erleben einer urteilsverkündung lässt nach meinem dafürhalten gar nichts anderes zu als einen neutral-sachlichen tatsachenbericht dieser art. wer schöpferische dichtungskraft und künstlerisch aufbereitete juristische sachverhalte lesen und "nacherleben" möchte, soll zu romanen eines edwardson oder einer holt greifen.
Zitat:
Bitte überarbeitet den Text nochmal und baut ein wenig mehr Leben ein - wozu war der Kollege denn vor Ort dabei...?
aha, vielleicht mit einem Schwank über halluzinogene Drogen aus der eigenen Jugend?
die "Sache" ist schon trauig genug.
@borchi
ich habe eine menge details mitgeschrieben bei denen ich mich dann bewußt dagegen entschieden habe sie in den artikel mit aufzunehmen. das ist weil ich der meinung war, und immer noch bin, dass sie nicht in google-suchbarer version für immer und ewig ins internet gehören: aus rücksicht auf den täter, aus rücksicht auf die menschenwürde des opfers und auch aus rücksicht auf die gefühle ihrer jeweiligen angehörigen.
beste grüße
philip
"Der Schreiber muss sich als Dolmetscher zwischen der Juristensprache und dem Straßendeutsch verstehen."
der letzte teil auf unpräzisem strassendeutsch:
"der mörder ist auf dem kanonanplatz gehockt und ihm war voll kalt und hunger hat er auch gehabt. und medizin, weil er verrückt ist, hat er auch nicht dabei gehabt. das opfer hat ihn dort getroffen und dann angeblich total schwul angemacht. der mörder hat das voll scheisse gefunden.
der mörder, wo ja, weil er verrückt ist, eh immer meint, dass ihn wer verfolgt oder anmacht, ist wegen der anmache voll ausgetickt und hat dem opfer mit einem stein auf den kopf gehauen, damit der aufhört und ihn in ruhe lässt.
das gericht hat den mörder deswegen nicht wegen mord sondern wegen körperverletzung mit todesfolge verurteilt. der mörder wird jetzt in der klapse weggesperrt."
Folgende juristische Begriffe, von denen aber einige auch oder sogar hauptsächlich in anderen Zusammenhängen verwendet werden, konnte ich im Text entdecken:
\"Beschuldigter\", \"Staatsanwaltschaft\", \"Verteidiger\", \"Körperverletzung\", \"Beleidigung\", \"Gericht\", \"Auflage\", \"Drohung\", \"Opfer\", \"Arbeitsverhältnis\", \"Wohnsitz\", \"Tathergang\", \"Tathergang\", \"Aussage\", \"Zeuge\", \"Gutachter\", \"Tat\", \"Körperverletzung mit Todesfolge\".
Ich denke da ist nichts dabei, was irgendjemanden überfordern sollte. Ich finde den Text sprachlich sehr solide und absolut verständlich.
"Zur Klärung des genauen Tathergangs musste sich das Gericht weitgehend auf die Aussagen den Angeklagten als einzigen Zeugen verlassen." -> des angeklagten...
"das erleben einer urteilsverkündung lässt nach meinem dafürhalten gar nichts anderes zu als einen neutral-sachlichen tatsachenbericht dieser art. wer schöpferische dichtungskraft und künstlerisch aufbereitete juristische sachverhalte lesen und "nacherleben" möchte, soll zu romanen eines edwardson oder einer holt greifen."
... oder zur BILD-Zeitung ;-)