
Der Händedruck von
Manfred Carsten ist fest und irgendwie ganz anders, als man es erwarten würde, wenn man sich die filigranen Modelle seiner getuneten Autos anschaut. Im Maßstab
1:18 kopiert er, was andere an echten Autos verbreitern, tiefer legen und mit ordentlich Blingbling versehen.
"Ich habe vor Jahren mein erstes Modellauto bekommen, aber die wirkliche Leidenschaft begann erst 2003." Vor gut fünf Jahren ging dann seine Homepage
Tuningmodelle.de online, wo er zusammen mit seinem besten Freund Robert Havar vorstellt, wofür sich die beiden Freunde begeistern: Spielzeug. Zumindest auf den ersten Blick.
Für Spielzeug würde allerdings niemand solchen Aufwand betreiben. "Diese Felgen stellt mir ein Freund mit seiner CNC-Fräse her, die kommen auf 64 Euro." Er deutet auf vier Aluminium-Felgen, die mit Gummi bezogen sind. Es sind Maßanfertigungen. "Teile bekommt man über Foren im Internet von anderen Sammlern. Oder man trifft Leute auf Messen und Ausstellungen. Ich bin sogar in einem Forum aus Singapur. Die Leute da haben zwar von Modellbau keine Ahnung, aber sammeln die wirklichen Autos." Er lacht.
Tuningmodelle.de war die erste Webseite, die sich dem Thema angenommen haben. "Es sind sowieso nur eine Handvoll Menschen, die sich mit dem Thema beschäftigen. Und nur ganz wenige verdienen tatsächlich Geld damit, dass sie originalgetreue Modelle herstellen und verkaufen." Manfred gehört nicht dazu, für ihn ist es eine
Leidenschaft. Gerade versucht er sich am Modell eines BMW 2002. Ein Freund hat das Original getuned und ihn gebeten, ein Modell davon anzufertigen.
"Ich musste hier die Zierleisten abmachen, abschleifen, neu lackieren. Hier ist der Überrollbügel." Er zeigt ein kleines Metallgestell. "Das war eine furchtbare Frickelei, auch die Sitze. Die Schalen sind aus Plastik, das beflockt wurde. Die Gurte sind aus echtem Stoff." Wenn er sich erstmal in Fahrt geredet hat, ist er kaum zu bremsen.

"Mein absoluter Schatz ist das hier", sagt er und zeigt Bilder von einem
Ferrari 250 GTB. Das Modell sieht täuschend echt aus. Es ist aber nicht das einzige Auto, dass Manfred sein Eigen nennen kann. "Inzwischen sind es rund 200 Modelle. Leider kann ich die nicht alle hier unterbringen." Das kleine Zimmer in der StuSi quillt sowieso schon über. "Ich hab die bei meiner Mama untergebracht. Die hütet meinen Schatz gut."
Freund Robert beschäftigt sich eher mit "hood-rides", Scheunenfunden. Innen sind die Autos mit der gleichen Präzision und Treue zum Detail erstellt, außen dagegen bekommen sie eine Sonderbehandlung, die sie verrostet wirken lässt. "Schau mal hier", er klickt durch ein paar Fotos. "Robbie macht das echt gut." Allerdings gibt er auch unumwunden zu, dass er selbst das nicht so sehr mag. "Das ist Robbies Spezialität. Bei mir muss es glänzen und poliert sein."
Um nicht durcheinander zu kommen, hat er dem Freund für dessen Scheunenfunde mit
pimp-ridez.de auch eine eigene Homepage gebastelt, die etwas weniger ambitioniert als seine eigene ist. "Mal sehen, wie es sich entwickelt, aber ich hoffe, dass es irgendwann die größte Datenbank auf dem Gebiet werden wird." Auto-Tuner sind oft Proleten, was sind Modellbau-Tuner? Freaks? Manfred nickt. Das könne schon sein. Dann grinst er und man merkt, dass ihm das eigentlich ziemlich egal ist.

Nicht ganz so egal ist der andere Zeitvertreib in seinem Leben. Der 28-jährige lernt gerade für sein Examen in
Jura. Auch das ist eine merkwürdige Fügung. "Eigentlich wollte ich Industriedesign studieren. Ich hatte an der Schule Kunst-LK, habe Preise gewonnen." Er zeigt Bücher mit Zeichnungen von ihm, die erahnen lassen, wo die Liebe zum Detail bei den Modellautos herkommt.
An der Designschule wurde er abgelehnt. "Die haben mir gesagt: 'Ihre Mappe ist zu gut, wir können Ihnen nichts mehr beibringen'." Der große Sprung zu Jura war nur ein kleiner Schritt. "Ich habe dann bei einem Bekannten in der Anwaltskanzlei ein Praktikum gemacht und hatte sehr viel Spaß. Da war mir klar: wenn nicht Kunst, dann Jura." Auch bei dem Thema kann er sich in Fahrt reden.
"Im Augenblick lasse ich mir von einer Freundin einen Lernplan erstellen. Ich bin ein bisschen unkoordiniert und mache zu viel gleichzeitig. Und jetzt, während der Examensvorbereitung, würde ich lieber den ganzen Tag mit den Modellen verbringen." Der Lerndruck nimmt ihm ein bisschen die Freude an Jura. "Aber ich studiere jetzt schon 13 Semester. Da sollte ich mal fertig werden."
Schnell wendet er sich wieder den getuneten Modellen zu. Seine Augen leuchten, als er einen schwarzen Käfer vorführt, bei dem selbst die Bremsscheiben beleuchtet sind. "Eigentlich", meint er, "sind wir Autotuner gar nicht so schlimm. Du solltest dich mal bei den Modelleisenbahnen umschauen. Die Jungs sind noch viel krasser drauf."
Das zu glauben, ist gar nicht so einfach.

[Fotos: CMS; Manfred Carsten]
Foto-Galerie: Manfred Carsten
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