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Darf ich meinen Lehrer bei Facebook als Freund hinzufügen?

Nicolas (16) aus Freiburg fragt: "Liebe Betül, ich verstehe mich mit meinem Klassenlehrer sehr gut. Er ist ein netter und junger Typ, der mit mir und anderen Schülern ein fast freundschaftliches Verhältnis pflegt. Ich habe neulich sein Profil bei Facebook entdeckt: Meinst du, ich kann ihn als Freund hinzufügen?"



Lieber Nicolas,

theoretisch darfst du natürlich jeden anderen Nutzer bei Facebook als deinen Freund hinzufügen, und Lehrer sind nicht selten, wie in deinem Fall auch, nette Zeitgenossen. Wenn Jugendliche das entsprechende Alter erreicht haben, gehen manche Lehrer mit ihnen mal ein Bier trinken, sie investieren teilweise viel Zeit in ihre Klassen und planen beispielsweise außerschulische Veranstaltungen und Unternehmungen. Manche Lehrer können auch gute Ratgeber für Fragen sein, die nicht im Lehrplan stehen. Wenn der Lehrer dann noch ein Facebook-Profil hat: Warum nicht ihn oder sie als Freund hinzufügen? Vielleicht wirkt sich die gute Beziehung ja sogar positiv auf die Noten aus?

Ich möchte dir allerdings grundsätzlich davon abraten, deine Lehrer im Privatleben als Freunde zu betrachten. Das hat zwei Gründe: Erstens werden deine Kontakte bei Facebook auch von deinen anderen Freunden eingesehen und wahrscheinlich sind viele Schulkameraden darunter. Wenn du deinen Lehrer als deinen Freund ansiehst, kannst du innerhalb der Klassengemeinschaft ganz schnell zum Schleimer degradiert werden. Die meisten Schüler wünschen sich nämlich eine strikte Trennung zwischen Klassenunternehmungen und Cliquentreffen – und die Freundschaften auf Facebook sind eindeutig keine Klassenunternehmungen.

Zweitens sollte zwischen Lehrer und Schüler eine gewisse Distanz gewahrt werden. Das äußert sich zum Beispiel darin, dass man Lehrer grundsätzlich mit "Sie" anspricht. Ab dem 16. Lebensjahr kommt nicht selten auch das Angebot vieler Lehrer, die Schüler von nun an ebenfalls zu Siezen. Wenn du den Lehrer trotzdem unbedingt als Freund hinzufügen möchtest, dann solltest du zunächst überprüfen, ob der Kontakt überhaupt erwünscht ist. Du kannst ihn ja in der Schule ansprechen und ihm erzählen, dass du sein Profil bei Facebook entdeckt hast. Wenn er verlegen ist oder sogar ausweicht, dann solltest du das als "abgelehnte Freundschaftanfrage" interpretieren. Vielleicht macht er dir aber auch von sich aus das Angebot, ihn als Freund hinzuzufügen.

Liebe Grüße

Deine Betül




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 16
Romina
Montag, 29.09.08 09:41
 

Och Betül, jetzt aber bitte.

Soo getrennt ist das Verhätlnis zwischen Lehrern und Schülern heutzutage auch nicht mehr, zumindest bei den älteren Schülern und wenn man sich gut mit dem Lehrer versteht, sehe ich - und viele andere übrigens auch - dagegen nichts einzuwenden.
Im studiVZ und Facebook sind auch 2-3 ehemalige Lehrer unter meinen Freunden (ich glaube, unser gesamter damaliger Jahrgang hat sie in der Freundesliste) und es ist ab und zu mal ganz nett, mitzuteilen, was man jetzt so macht...
Zumindest "Schleimen"

Und nicht zuletzt war mein Deutschlehrer ein sehr cooler Typ - ich kannte keinen anderen, der mit seinen Schülern ins Samstags ins Crash ging....

Montag, 29.09.08 09:42
 

Ja klar und bei der Gelegenheit habe ich gleich mein ehemaliges Kindermädchen, meinen Bewährungshelfer, den Gerichtsvollzieher und meinen Lieblings DJ als Freunde geadded. Hauptsache ich hab mehr Freunde als wie mein Nachbar...

Montag, 29.09.08 10:40
 

Freundschaft ok, aber vielleicht erst, wenn man mit der Schule fertig ist oder den Lehrer nicht mehr hat. Fände ich sonst irgendwie seltsam.

k_c
Montag, 29.09.08 10:54
 

pff, was ist schon eine facebook-verlinkung?
mittlerweile added man dort doch eh haufenweise leute, die man kaum kennt, oder die zumindest keine echten freunde sind;

Montag, 29.09.08 12:23
 

Ich sehs ähnlich wie anne-julie, man kann den Lehrer hinzufügen, wenn man seinen Abschluss hat und sich dann weiterhin gut versteht (meistens wird ja das Verhältnis nochmal kumpelhafter bzw. mehr von "Gleich zu Gleich", wenn man im letzten Schuljahr ist).
Klar fügt man nicht nur seine echten Freunde bei Facebook u. ä. hinzu, aber der Lehrer ist eben doch nochmal jemand, zu dem man ein spezielles Verhältnis haben sollte. Vielleicht entwickelt sich die Sache mit den sozialen Netzwerken noch weiter, so dass sich auch ältere Leute mehr und mehr anmelden bzw. dass so gut wie jeder dort ein Profil hat, dann kann man ja Listen mit wirklich allen Bekannten anlegen, aber noch würde ich auch nicht dazu raten.

Montag, 29.09.08 14:53
 

Darüberhinaus wirft es auch kein allzu tolles Licht auf den Lehrer, der das Freundschaftsangebot annimmt. Internet-Kontak mit Schülern zu haben, finde ich nämlich auch irgendwie schleimig... Es gibt wirklich andere Wege, ein gutes verhältnis zu seinen Schülern aufzubauen und zu pflegen.
Und wie sollen sich die anderen Lehrer verhalten, die selbst keine Internet-Freundschaften mit Schülern eingehen, aber mit deinem Lehrer befreundet sind? Kaffee-Verabredungen per Pinnwand, ade.
Und außerdem: Was hast du davon? Selber witzige Nachrichten auf seiner Pinnwand hinterlassen? Naja.. Seine Verlinkungen sehen? Ja, es ist zugegebenermaßen sehr interessant, den Lehrer auch mal entspannt auf Urlaubsfotos zu sehen, aber wenn er eh schon so cool drauf ist, wird das keine total neuen Erkenntnisse bringen. Wie seine Freundin aussieht oder was er abends mit seinen Jungs macht, geht dich eh nichts an (im Zweifelsfall müsste er verstärkt darauf achten, dass er nur auf repräsentativen Fotos zu sehen ist -> Freiheitseinschränkung).
Ich denke: Es tut dem Verhältnis zum Lehrer nur gut, wenn man mit der zufälligen Nutzung der gleichen Internetplattform "professionell" umgeht. So komisch es klingt, das wirkt für mich freundschaftlicher, als eine Facebook-Verbindung, von der dann keiner genau weiß, wie er mit ihr umgehen soll. Ein wirklich gutes Verhältnis hat sowas "nicht nötig".

Thorsten A.
Montag, 29.09.08 16:23
 

Interessanter Bericht - erst in den letzten Tagen hatte ich es mit Freunden davon ob sowas in Ordnung und professionell ist oder nicht.
Wie ist die Situation bei Chefs? Soll man diese annehmen in seiner "Freundeliste" bei Studi-VZ usw. hinzufügen oder eher nicht?!?

Montag, 29.09.08 16:26
 

Also ich kann mir so etwas auch nicht vorstellen.
Nicht zur Schulzeit und auch heute nicht.

In der Schulzeit hatte ich zwar zumindest am schluß einen wirklich Klasse Lehrer, aber in meiner freizeit wollt ich ihn dann doch nicht sehen. Jetzt liegt die Schulzeit lange in meiner Vergangenheit und ist damit abgeschlossen also auch der Kontakt zum Lehrer.
Irgendwie hätte ich ständig das Gefühl meine Rechtschreibung prüfen zu müssen und zu beweisen das ich noch etwas dazu gelernt habe.

Einzigstes was mich vielleicht heute daran reizen würde, wäre festzustellen ob ich inzwischen meinem Lehrer etwas beibringen kann was er nicht kann / weiß*g*

Montag, 29.09.08 16:43
 

diese frage stellt sich nicht.

Montag, 29.09.08 16:45
 

Hier mal aus der Sicht eines Lehrers:

http://teacher.twoday.net/stories/5200383/


übrigens ein interessanter Blog.

Montag, 29.09.08 17:32
 

@macsorzist
ein netter link. sehr interessant mal zu sehen wie kontrovers die lehrer das selbst untereinander diskutieren.

als angehender lehrer muss ich sagen, das ich niemals eine frendschaftseinladung eines aktuellen schülers annehmen würde. ein gewisser absatnd im leher-schüler verhältnis muss auf jeden fall gewart bleiben. auf jedenfall würde ich dei privatsphäreneinstellung so wählen, dass nur meine freunde meine seite sehen können. alles andere wird ganz schnell nach hinten los gehen. zwecks bildern, gruppen, zitaten usw. um mit eheamligen schülern in kontakt zu bleiben kann das durchaus ein gutes mittel sein. ich hatte selbst nach dem abi noch kontakt zu manchen lehrern. auch von der lehrerseite aus betrachtet ist es sicher interessant mit zuverfolgen wie sich die schützlinge so entwickeln im richtigen leben. naja füher wäre man einfah in 5 jahren zum klassentreffen gegangen. aber so kanns schon interessanter sein.

BvK
Montag, 29.09.08 18:32
 

Die Frage ist ganz einfach. Wenn ich mich als Lehrer bei Facebook - einer Plattform für Schüler und Studenten - anmelde, dann begebe ich mich quasi auf die Ebene der Schüler und Studenten und muss dann auch damit rechnen, dass ich von denen geaddet werde. Wenn ich als Lehrer solchen Kontakt nicht haben möchte, dann habe ich auch nichts in solchen "Freundschafts"-Netzwerken verloren.

Montag, 29.09.08 23:05
 

@keep-it-deep, worauf beziehst du das jetzt??

Zitat:
_______________________
diese frage stellt sich nicht.
_______________________

Auf das?
_______________________
Irgendwie hätte ich ständig das Gefühl meine Rechtschreibung prüfen zu müssen und zu beweisen das ich noch etwas dazu gelernt habe.
_______________________

Oder auf das ?
_______________________

Einzigstes was mich vielleicht heute daran reizen würde, wäre festzustellen ob ich inzwischen meinem Lehrer etwas beibringen kann was er nicht kann / weiß*g*
_______________________

Zu eins:

Danke, guter Junge=:O)

Zu zwei:

umdrehn gibt A-öh- Popo...tritt=;OP

Montag, 29.09.08 23:50
 

Eine sehr gute Analyse von Betül, finde ich!


Und BvK bringt es auf den Punkt:

**************************************************

BvK: "Die Frage ist ganz einfach. Wenn ich mich als Lehrer bei Facebook - einer Plattform für Schüler und Studenten - anmelde, dann begebe ich mich quasi auf die Ebene der Schüler und Studenten und muss dann auch damit rechnen, dass ich von denen geaddet werde. Wenn ich als Lehrer solchen Kontakt nicht haben möchte, dann habe ich auch nichts in solchen "Freundschafts"-Netzwerken verloren."

**************************************************


Das Problem, wenn man es als solches ansehen möchte, ist hausgemacht:

Manche Lehrer und Lehrerinnen glauben, sich einerseits öffentlich in Duz-Foren mit Klarnamen präsentieren zu können oder gar zu müssen, um ja nicht den Anschluss zu verlieren.

Und Schüler und Schülerinnen sind absolut im Recht, wenn sie die Lehrer dann auch "adden", benoten oder sonst wie vergoogeln.


Es gibt allerdings noch eine Kehrseite:

Eine Grenze ist meiner Ansicht nach da zu ziehen, wo Lehrer (genau wie Schüler) sich eben nicht in derartigen Foren präsentieren.

Es gibt keinen Grund, warum alle Welt im Internet erfahren muss, dass der Lehrer (oder Schüler) XY ein ganz Süßer oder ein Arschloch ist, solange seine Unfähigkeit oder sein Fehlverhalten nicht kriminell oder aus sonstigen schwerwiegenden Gründen für Außenstehende von Interesse ist.

Jeder hat das Recht, selbst zu bestimmen, in welchen Kreisen er kommuniziert oder kommuniziert werden will.

Wer in die Schule geht - sei es als Lehrer oder als Schüler - muss sich sicher sein können, dass dieser Kommunikationsraum gegen Dritte geschützt ist.

Deshalb halte ich auch entsprechende anderslautende Gerichtsentscheidungen - zumindest was Lehrer und Schüler angeht, bei Hochschulehrern könnten die Interessen anders zu gewichten sein - für falsch.


Wer sich aber freiwillig außerhalb dieses Schutzraums begibt, muss sich entsprechende Behandlung gefallen lassen.




Dienstag, 30.09.08 03:50
 

@ mutti: auf die eingangs gestellte frage "darf ich meinen lehrer...." hatte deinen kommentar gar nicht gelesen...!

Dienstag, 30.09.08 10:13
 

Das dacht ich mir zwar, aber es passte so schön*g*
Da konnt ich das spassige Foppen natürlich nicht lassen.

Aber nun bin ich neugierig, warum stellt sich die Frage für dich erst gar nicht? Also gesetzten Fall dein Lehrer wäre auf so einer Plattform und du auch wie ist deine Einstellung dazu?

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