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Coming Out auf dem Dorf

Schwul sein, das ist heute in der Gesellschaft akzeptiert. Politiker sind schwul, in jeder Daily Soap gibt es ein schwules oder lesbisches Pärchen, es gibt das Lebenspartnerschaftsgesetz und überhaupt ist das doch kein Thema mehr, oder? Doch, natürlich ist es das. Denn wenn man als Teenie merkt, dass man schwul oder lesbisch ist, ist es für einen Selbst – zumindest eine zeitlang – zwangsläufig Thema Nummer Eins. Und wenn man, wie Jonas Schneider, 17, auf dem Dorf wohnt, ist es manchmal doppelt schwer.



"Jonas, sag mal willst Du uns nicht etwas erzählen?“
Jonas (Name von der Redaktion geändert) und seine Mutter sitzen zusammen im Wohnzimmer und gucken Fernsehen, als seine Mutter ihm diese Frage stellt. Dann ist erst einmal Stille, nur der Fernseher läuft.

„Ich hab mich zuerst gefragt, ob ich irgendwas kaputt gemacht habe“, sagt Jonas heute, gut eineinhalb Jahre später. „Aber dann hab ich schon von ihrem Gesichtsausdruck gedacht, dass sie darauf hinaus will, ob ich schwul bin."

Jonas ist sich zu diesem Zeitpunkt seit einigen Monaten sicher, dass er schwul ist. Erst hatte er sich nicht mehr nur in die Mädchen in seiner Klasse verliebt, sondern auch in die Jungs. „Am Anfang habe ich noch gedacht, okay ich bin vielleicht bi, aber dann hat es sich immer mehr gefestigt.“ Aber das seiner Mutter das erzählen? Jetzt? Jonas Mutter fragt nach, druckst herum. Dem damals 16-Jährigen wird die Situation zu blöd, er geht aus dem Zimmer. „Ich war einfach noch nicht bereit für mein Coming Out“, sagt Jonas heute.

Einen Monat später macht seine Mutter einen zweiten Versuch, nach einem Grillabend im Kreis der Familie. „Für uns ist es kein Problem, wenn du schwul bist“, sagt sie an diesem Abend, nachdem Jonas' Geschwister vom Tisch aufgestanden sind. Diesmal läuft Jonas nicht weg und weicht auch nicht aus: „Ja, ich bin schwul“, sagt er.

Ja, ich bin schwul

Kurz darauf erzählt Jonas es auch seinem besten Freund. Aber sonst niemandem, nicht seinen Klassenkameraden, mit denen er in Lörrach zur Schule geht, nicht der Verwandtschaft, nicht den Leuten in der Nachbarschaft. „Ich hab schon überlegt, es mehr Leuten zu sagen, aber ich hab keinen Drang dazu, in die Welt zu schreien  ’Hurra, ich bin schwul.’ Schwulsein ist doch ganz normal. Wenn es jemand herausfinden oder mitkriegen sollte, dann ist das halt so.“

Das sagt sich allerdings leichter, als es sich lebt. Denn Jonas wohnt in einem kleinen Dorf in Südbaden, 500 Einwohner, viel Vieh und viele Reben. Es ist idyllisch – und klein. Andere Schwule? Statistisch gesehen müsste es sie geben, nicht nur in seinem Dorf, sondern auch in seiner Schulklasse in Lörrach. Hier ist das Nicht-Out-Sein ein Nachteil. „Denn er sagt nix, ich sag nix – ist ja klar, dass man da nicht zueinander findet.“

Stattdessen findet man im Internet zueinander. Jonas entdeckt beim Googlen dbna.de – Du bist nicht allein (DBNA) – ein Coming Out-Portal des schwullesbischen Jugendnetzwerks Lambda.

„DBNA eine echte Community für schwule und bisexuelle Jungs“, sagt Jonas.   „Hier kann man Leute kennenlernen, auch wenn man auf dem Dorf lebt.“ Zuerst verbringt er ganze Nachmittage im DBNA-Forum, tauscht sich endlich mit anderen jungen Schwulen aus. Und es sind Jungs aus Südbaden dabei. Einer erzählt Jonas von den Rainbow Stars, Lörrachs Schwullesbischen Verein.

„Ich hatte bis dahin noch nie was von denen gehört und bin dann mit jemandem aus dem DBNA-Forum dorthin gegangen.“ Durch die Rainbow Stars entdeckt Jonas auch die Rosekids, die schwule Jugendgruppe in Freiburg. Die trifft sich jeden Mittwoch und jeden Freitag in den Räumen der Rosa Hilfe auf dem Grether Gelände.

Freiheit in Freiburg


An einem Freitagabend im September, kurz nach 20 Uhr, sind rund 40 Jungs und Mädchen beim Rosekids-Treffen. Das Durchschnittsalter ist vielleicht 21, es ist wuselig und laut. Manche spielen Brettspiele, andere hocken im Hof, rauchen und reden. Dort sitzt auch Jonas, zusammen mit seinem Freund.

Die Rosekids-Treffen am Freitag sind ein fester Bestandteil seiner Woche geworden. „Meine Mutter fährt mich Freitags immer an den Bahnhof, und dann bleibe ich das ganze Wochenende in Freiburg, entweder bei meinem Freund oder bei anderen Freunden.“Freiburg ist der Ort, an dem Jonas – im Gegensatz zum Heimatort, offen schwul lebt.

„Hier kann ich mehr ich selbst sein“, sagt er. „Selbst in Lörrach würd’ ich zum Beispiel nie Händchen haltend durch die Straßen laufen, denn dort begegnen mir immer Leute, die ich kenne. Freiburg ist so groß, da wird man in der Masse auch mal übersehen.“

Jonas glaubt, dass es auch in seinem Dorf bald anders werden dürfte. „Dass Schwulsein irgendwann wirklich ganz normal wird, ist nicht aufzuhalten. So hart wie das auch klingt, die Teile, die noch Probleme damit haben, sterben irgendwann aus . Das Alte geht, das Neue kommt.“




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 28
Mittwoch, 17.09.08 09:36
 

ein schöner artikel! hut ab vor allen jungs und mädels, die sich nicht (mehr) verstecken!

k_c
Mittwoch, 17.09.08 11:52
 

"Freiburg ist so groß, da wird man in der Masse auch mal übersehen."

das kann wirklich nur jemand sagen, der aus einem 500-seelen-dorf kommt^^

marcel
Mittwoch, 17.09.08 12:28
 

danke für dieses thema! ist immer wieder wichtig!

bin gespannt, ob es zu ähnlichen "aussetzern" in den kommentaren kommen wird wie bei der ankündigung der schwulen filmwoche.
denn das ist die andere seite des ach so tollen, liberalen freiburgs ...

Mittwoch, 17.09.08 14:08
 

Gelungener Artikel über ein trotz der offenen Zeit, noch oft ausgegrenztes Thema.

Positiv finde ich die Unterstützung durch seine Familie die er hat.
In der Gesellschaft haben Schwule und Lesben es oft noch schwer genug, aber was ist schlimmer als die Ablehnung innerhalb der Familie. Dort wo eigentlich Vertrauen, Verständnis und Zusammenhalt erwartet wird.

Ich glaube zu so eine outing gehört wirklich viel Mut und das alleine schon sollte Leuten die den schwulen und Lesben das Leben schwer machen zu denken geben. Nur jemand der sich seiner Neigung 100% sicher ist wird den Weg des Outings gehen, von daher sollte man dieser Offenbarung auch offen entgegen kommen und es jemanden nicht unnötig erschweren.

Mittwoch, 17.09.08 14:41
 

...und ein hübsches Foto habt ihr da gefunden!

Ist das heut auch in der BZ?

Anu
Mittwoch, 17.09.08 15:58
 

Sehr netter und gutgemachter Artikel *applaus*

naja ich stamme auch aus einem dorf.. und man geht hier um einiges mehr unter^^

Ich war als ich noch dort in der Nähe wohnte mitglied der Rainbowstars und kanns ollche gruppen nur begrüssen!
Man wird meist freundlich aufgenommen es entsteht wahnsinnig schnell ein gefühl von gemeinschaft...

und das ist soooo wichtig weil man oft (zumindest denkt man das) auf ablenung stösst!

Vielen dank für den Bericht!

Mittwoch, 17.09.08 18:18
 

Wobei man leider immer wieder feststellen muss - langsam sind die "Alten" oft toleranter als der Teenienachwuchs. Gilt für viele Dinge, auch für die Akzeptanz von Schwulen und Lesben. Als ich jung war, dachte ich immer, das ist umgekehrt :-)

Mittwoch, 17.09.08 18:35
 

Ich bemerke, dass in manchen Kreisen zum Beispiel "schwul" und "behindert" immer noch als Ausdrücke mit negativer Konnotation benutzt werden, und zwar ohne dass sich diese Leute darüber bewusst sind was sie damit anrichten.

Ach ja, immer wieder schön zu sehen dass doch noch jemand nach den ordentlichen, schon bei Opa bewährten Kriterien wie sexuelle Orientierung, Religion, Herkunft, Hautfarbe und Geschlecht bewertet; diesen neumodischen Quatsch mit der freien Persönlichkeitsentfaltung kann doch eh keiner mehr hören.




(das war ironisch)

Mittwoch, 17.09.08 18:51
 

@Nik: Was für'n schwuler, behinderter Kommentar!

;-)

Mittwoch, 17.09.08 19:01
 

so nette augen, was soll die sonnen brille?

und wer ist der typ im hintergrund auf dem bild ohne brille? kennt denn jemand ? ;-)

Mittwoch, 17.09.08 19:03
 

mir ist nicht klar wie der kommentar hier hin gekommen ist...! bitte löschen danke...!

Mittwoch, 17.09.08 19:56
 

yep traditionelle männlichkeitsvorstellungen werden wieder wichtiger für jugendliche, d.h. sie fühlen sich von schwulen "zur frau gemacht" und sehen das als etwas negatives. ich hab von leuten, die mit real- und hauptschüler arbeiten krasse geschichten gehört.

manche sind auch einfach ein bißchen minderbemittelt (reaktion: "du bist schwul?? spinnst du, dann kommst du in die hölle!!) man könnte drüber lachen wenns nicht so traurig wäre

Mittwoch, 17.09.08 22:13
 

@lalala - schön ist auch der Satz "Geh doch mal zum Arzt, vielleicht gibts da ein Mittel". Immer wieder ein Schenkelklopfer, besonders wenn es im Brustton der Überzeugung vorgetragen wird.

Mittwoch, 17.09.08 22:29
 

Als ich die Überschrift gesehen habe, habe ich nur gedacht "Schade, dass man so was immer wieder erwähnen muss." Ob das mal irgendwann einfach zur Normalität gehört?! Schön wäre es zumindest...

Mittwoch, 17.09.08 23:17
 

ich hab beim kochen noch ein bißchen über das thema nachgedacht. man könnte vielleicht mal untersuchen ob das problem tatsächlich das ist dass die leute nicht "aus der (durch heterosexualität definierten) männerrolle" "in die frauenrolle gedrängt" werden wollen, dem problem also letztlich misogynie zugrundeliegt, oder ob sie erschrecken, wenn sie zum sexualobjekt für einen mann werden, was letztlich und zusätzlich tragischerweise eine form von selbsthaß bzw. zumindest kritik am eigenen verhalten frauen gegenüber wäre.

spamwort: nagel lol

Mittwoch, 17.09.08 23:49
 

@ froschkönigin: ich denke gerade solche berichte tragen dazu bei, dass es irgendwann mal zur normalität wird. wir sind auf jeden fall auf den weg dahin, auch wenn die homophobie bei jugendlichen wieder zunimmt.

@lala: ich denke was auch ein großes problem darstellt, ist dieses schubladendenken, was uns schon vom kindergarten an anerzogen wird. normal ist "vater, mutter, kind", das wird von klein auf gelernt, später auch in der schule und im sexualkundeunterricht, sowie in der erziehung. es wird jedoch nicht gelehrt, dass es auch homosexuelle gibt. und diese werte persönlich aufzubrechen, wenn man merkt, dass man nicht dieser "norm" entspricht, ist ein teil des coming out und fällt einem anfangs sehr schwer, denn man will so sein wie die anderen. dieses klischee mit der frauenrolle rührt denke ich auch daher, dass schwul sein auch mit "verweichlicht" gleichgestellt wird, weil schwule oft ihre gefühle zeigen und nicht den harten macho markieren, eben auch dieses typische denken, dass ein mann hart sein muss und über allem steht.

Donnerstag, 18.09.08 00:16
 

Puh Schweiß abwisch..zum Glück gehöre ich nicht in die Schubladendenkerfraktion...

Ich hab 3 Töchter und 2 Söhne, die inzwischen erwachsenen sind offen erzogen worden, die kleinen werden offen mit dem Wissen (ausser das Baby*g*) erzogen das es auch Partnerschaften zwichen gleichen Geschlechtern gibt.

Ich mach das Bildlich.
1+2 = M+F
1+1 = M+M
2+2 = F+F

Es ist für sie zwar etwas das man selten auf der Straße sieht, aber wenn sie gleichgeschlechtliche Paare sehen ist es etwas das Ok für sie ist.
Sollte eines meiner Kinder bemerken schwul oder lesbisch zu sein, dann soll es sich niemals verstecken müssen und hätten all meine Unterstützung.

Aber ich denke stefzi liegt da schon richtig, viel liegt es mit Sicherheit an der heute noch sehr oft konservativen Erziehung und Aufklärung.

Donnerstag, 18.09.08 02:07
 

@stefzi

ehrlich gesagt gehts mir inzwischen oft umgekehrt, ich assoziiere eher extreme männlichkeit mit homosexualität, sehe also eher die lederszene und pralle muskeln als typisch, oder der riesenschwanzfetisch in schwulen kontaktanzeigen - was ist männlicher als riesige muskeln und riesige schwänze :)

ist aber natürlich immer auch zufall welchen aspekt man typisch findet, die schwulen die ich persönlich kenne sind gar nicht so, genauso wie es ein spektrum an möglichen heteroverhaltensweisen gibt - eher promisk/eher monogam, eher gleichberechtigte/eher hierarchische beziehungsstruktur... man denke mal an den unterschied zwischen x, der jedes zweite wochenende ausm club eine abschleppt, und y, der seit nem halben jahr seine auserwählte umsorgt um in nem weiteren halben jahr evtl. mal mit ihr zusammenzukommen.

ich denke dass schwule ein bißchen mehr als heteros dazu neigen, rollenzuschreibungen spielerisch auf die spitze zu treiben aber natürlich sind heteros nicht so stark durchkulturiert so daß das nicht weiter überraschend ist. meine lieblingsgruppe sind die bären:

http://de.wikipedia.org/wiki/Bear_Community

ein heteromann hat halt gelernt dass er "aggressiv" sein muß um eine abzuschleppen, aber dann "einfühlsam" wenn er in einer beziehung ist etc. und pendelt dann je nach temperament mehr zur einen oder mehr zur anderen seite.

ich tu ehrlich gesagt einfach immer so als seien schwule heteros die halt auf männer stehen das klappt eigentlich ganz gut. alles andere überschreitet meine kompetenz :)

Donnerstag, 18.09.08 11:59
 

@lalala: *lach* das stimmt wohl mit den muskeln und dem größeren geschlechtsteil, aber ist das nicht auch der wunsch jeder frau... zumindest die muskeln ;-)

@Mutti: wow, finde ich klasse!! du solltest ins kultusministerium berufen werden und den lehrplan mit aufstellen.
wobei man leider sagen muss, dass bawü einfach sehr konservativ ist... um es mal blumig auszudrücken.

Anu
Donnerstag, 18.09.08 17:12
 

Hmmm... Bawü sehr konservativ...
nun in einigen gegenden mag das stimmen...

wobei ich feststellen musste, dass es sehr lustig ist, dass die "dorfregionen" (speziel da wo ich herkomm^^) beinahe schon, bei manchen themen (z.B. Menschen die Homosexuell sind oder immer schwarztragen^^ ) aufgeschlossener und toleranter sind als "Städter". zumindest habe ich es so erlebt.

sie reden vielleicht nicht wirklich offen darüber sondern sind meist (vor allem ältere) eher peinlichberührt. Es wird aber trotz allem nicht tot geschwiegen. man weis es und aktzeptiert es.

zumindest wurde ich so erzogen.

sabrina
Donnerstag, 18.09.08 18:51
 

Hut ab! Jonas ist richtig Mutig und hat aber auch eine Super Familie. Ich würd mir das nie trauen und werde wahrscheinlich nie wirklich so sein, wie ich eigentlich bin.

Freitag, 19.09.08 07:09
 

@Muti - sollte Erziehung nicht immer so laufen? Den Kids vermitteln, wie die Welt wirklich ist? Das eben außer schwarz und weiss, Schublade zu und offen, noch mehr Dinge im Universum vorkommen? Meine Patenkids sind da erfreulicherweise ganz anders erzogen, denen "predigen" wir schon, jeden nach seiner Fasson selig werden zu lassen. Und das klappt prima. Bei meinem bunten Freundeskreis spielt weder Multikulti, Religion oder "Liebesglück" eine Rolle - zumindest nicht in dem Sinne dass es über dazugehören oder nicht entscheidet. Wer das normal lebt, der hat auch kein Problem mit intoleranten Kids. Meine Erfahrung jedenfalls.

Freitag, 19.09.08 09:45
 

guter Artikel ! Gefällt mir.

zum ZITAT: "So hart wie das auch klingt, die Teile, die noch Probleme damit haben, sterben irgendwann aus . Das Alte geht, das Neue kommt."

muss ich allerdings anmerken, dass das Alte NICHT von alleine weggeht! Und schon garnicht auf dem Dorf!

Jeder Schwule MUSS Öffentlichkeitsarbeit leisten und seine Sexualität offen zeigen bzw. in der Öffentlichkeit Sich-Selbst sein.

Nur so wird es zur akzeptierten Normalität.

Nur so wird es eine neue Generation von Menschen geben, die das Schwul-Sein als etwas alltägliches, immer präsentes und normales begreifen.


FAZIT: "Das Alte" ist das falsche Wort! Mann müsste eigentlich "Die Unwissenden" sagen.

Freitag, 19.09.08 10:57
 

@Holzi immer so laufen sollte es, aber das ist leider bei weitem noch lange nicht der Fall.

Ich komme ja durch meine Kinder viel mit anderen Eltern zusammen und Sexuelalität allgemein ist auch in der heutigen Zeit noch in sehr vielen Familien ein Tabu - Thema.

Nun ist aber Fortplanzung eine natürliche Sache und auch die Sexualität. Sichert sie doch den Fortbestand der Menschheit und ist ein natürlicher Vogang. Dazu gehört auch das Thema gleichgeschlechtliche Sexualität, die zwar keine nachkomen hervorbringt, aber unter allen Lebewesen vorkommt und somit auch etwas natürliches ist, was in die Aufklärung einfach mit rein gehört.

Nun ist eigentlich Aufklärung im altersgerechtem Rahmen unverzichtbar, allein deswegen weil Aufklärung auch Schutz vor Übergriffen im Kindesalter bedeutet.
Wann fängt Missbrauch an, wie erkennt man Missbrauch. Ein Kind kann doch z.b. nur merken das etwas was nicht in Ordnung, wenn es überhaupt weiß was da passiert.
Auch kann ein Kind sich nur vertraulich an jemanden wenden wenn es gelernt hat offen über Sexualität zu reden.
Es also weiß das es Sexualität überhaupt gibt (kleinere Kinder) und es nicht glaubt das es etwas böses, heimliches, verstecktes ist worüber man niemals spricht (überwiegend ältere Kinder)

Deshalb verstehe ich Eltern gar nicht, die auch heute noch das Ammenmärchen vom kinder bringendem Storch erzählen. Mir wurde es auch erzählt, aber ich hatte Zweifel, da ich einfach keine Erklärung dafür finden konnte wie der Storch ein Menschenkind tragen konnte. Als ich irgendwann kapiert hab wie das wirklich ist, fühlte ich mich von meinen Eltern belogen und hatte kein Vertrauen mehr meine Fragen bezüglich Sexualität mit ihnen zu besprechen.

Es gibt ganz tolle Bücher schon für Kinder ab 2 Jahren die das Thema Sexualität aufgreifen. Dahingehend hat sich viel getan um der Tabuisierung von Sexualität entgegen zu wirken. Bereits im Kindergarten wird schon mit solchen Büchern aufgeklärt. Was bei vielen Eltern für Entsetzen sorgt.
Allerdings grenzen selbst Bücher für ältere Kinder leider meist gleichgeschlechtliche Beziehungen aus.

Ich selbst musste mich auch schon böse Kritik sagen lassen, wenn meine kleinen Kinder bei der Frage nach den Babys Kinder die vom Stroch erzählen berichtigen. Ich frag mich was ich mir von Konservativen Eltern anhören muß, wenn meine Kinder mal berichtigen das es Liebe nicht nur zwischen Mann und Frau gibt. Hoffentlich verbieten sie dann ihren Kindern nicht mit meinen zu spielen..



Samstag, 20.09.08 12:54
 

super artikel und super kommentare - geht in dir richtige richtung - muss ich fast nichts dazu sagen ;-)

Samstag, 20.09.08 19:13
 

1. Denke ich solche Artikel sind wichtig um unseren Nachwuchs aufzuklären, dass die "normale Konstellation" Mann und Frau veraltet ist.
2. Ich denke JEDER hat das Recht frei zu entscheiden wen er liebt - sei es Frau und Frau oder Mann und Frau oder Dreier usw..
3. Ich finde die Gesellschaft sowieso zu dogmatisch mit ihren ganzen Vorstellungen mit Ehe und Kinder und Wohnen. Jeder sollte so akzeptiert werden wie er fühlt und denkt und nicht verurteilt werden.
4. Wie würde es denn der lieben ach so konvensionellen Gesellschaft gefallen, wenn man ihr vorschreiben würde jedes Jahr ein Kind zu bekommen o.ä.. - Ganz schön kaputte Welt und die Liebe die die Welt noch in sich biergt wird zerredet oder vernichtet. Schade.

Samstag, 20.09.08 19:23
 

Das habe ich doch alles vor zwanzig Jahren schon mal gehört...

Dienstag, 12.05.09 13:10
 

Ob andere das "schwul sein" akzeptieren oder nicht ist mir eigentich recht s*egal. Wäre zwar schön wenn es akzeptiert wird, aber ich kann auch damit Leben, wenn es nicht akzeptiert werden würde. Solange man deshalb keine Freiheitsstrafe verhängt bekommt :D

Denn ich habe und werde nie verheimlichen, dass ich schwul bin. Aber an die große Glocken hängen werde ich es auch nicht.

Heterosexuelle Männer schreien ja schließlich auch nicht umher "Juhu, ich steh' auf Frauen!", oder?

Denn das ist eigentlich selbstverständlich. Und genau so selbstverständlich sollte das "schwul sein" werden!

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