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Doktoranden forschen (9): Was tun gegen Internetkriminalität?

Phishing, Kinderpornographie, Kreditkartenbetrug: Das Internet ist längst Plattform für organisierte Kriminalität. Häufig können Staatsanwaltschaften nur wenig dagegen tun. Wie sich die Strafverfolgung in der digitalen Welt gestaltet und welche Probleme dabei auftauchen, untersucht derzeit Jan Spoenle im Rahmen seiner Doktorarbeit.



Jan Spoenle (27) hat an der Uni Freiburg Jura studiert und kommt ursprünglich aus Obersulm bei Heilbronn. Momentan forscht er am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg zur Strafverfolgung von Internetkriminalität.

Thema der Arbeit

Meine Arbeit untersucht die Strafverfolgung von Internetkriminalität, konkret die Probleme bei der Ermittlung von Delikten wie Phishing, Verbreitung von Kinderpornographie oder der Vermietung von Botnetz-Infrastrukturen. Das rasante Wachstum der zumeist organisierten Internetkriminalität ist besorgniserregend und wirft die Frage nach der Reaktion der Strafverfolgungsbehörden auf.

Die Untersuchung soll mit Hilfe von Expertengesprächen und der Auswertung einschlägiger Fachliteratur klären, welche spezifischen rechtlichen und rechtstatsächlichen Probleme sich bei der Strafverfolgung im digitalen Umfeld stellen. Durch die Analyse der so lokalisierten Ermittlungshindernisse sowie von Rechtsprechung und Literatur sollen Lösungsvorschläge für eine effektivere Bekämpfung dieses neuartigen Kriminalitätsbereichs erarbeitet werden.

Wie erläuterst du das Thema einem Fachmann?


Etwas ausführlicher, gespickt mit juristischen Fachtermini. Nein, da kommt es ganz auf den jeweiligen Wissensstand an. Viele Juristen haben nur wenig ausgeprägte Kenntnisse über die technischen Sachverhalte, an die man anknüpfen muss. IT-Fachleute hingegen kennen sich damit aus, wissen aber wenig über strafprozessuale Prinzipien und Dogmatik oder über die verfassungsrechtlichen Fragen, die sich bei Eingriffen im Rahmen neuer Ermittlungsmaßnahmen wie der Online-Durchsuchung stellen. Typische Juristen-Antwort also: Kommt darauf an.

Wie erklärst du das Thema deiner Mutter?


Gar nicht mal so viel anders, denn sie verfügt durchaus über einiges an Hintergrundwissen, da mein Vater als Kriminalhauptkommissar viel mit Internetkriminalität zu tun hat. Grundsätzlich ist es aber äußerst wichtig, immer wieder komplexe rechtliche Fragestellungen gegenüber Nicht-Juristen verständlich darzustellen. So bekommt man ein ganz anderes Feedback als von Fachkollegen, das einen auf neue Ideen bringt. Und letztlich gehört es zum Berufsbild jedes Juristen, zwischen der abstrakten Sprachwelt der Gesetze und dem normalen Sprachgebrauch zu übersetzen.

Was macht dein Thema besonders?


Besonders ist vielleicht der falsche Begriff; ein Promotionsthema muss ja zum einen ohnehin neu sein, und zum anderen hat das Thema natürlich viel Aktualität: Mittlerweile hat fast jeder schon einmal von den Gefahren gehört, die im Internet lauern, und über die heimliche Überwachung von IT-Systemen diskutiert man derzeit auch überall. Dazu kommt, dass sich mein Thema mit den territorialen und funktionalen Grenzen des Strafrechts beschäftigt und sich damit gut ins Forschungsprogramm des Max-Planck-Instituts einfügt.

Hast du einen persönlichen Bezug zu deinem Thema?


Wie schon gesagt, arbeitet mein Vater im Bereich der Strafverfolgung, und das Interesse an IT- und Kommunikationstechnik liegt sozusagen auch in der Familie.

Welche Probleme musstest du lösen, wo gab es Schwierigkeiten?


Was heißt hier musstest? Noch bin ich nicht fertig. Im Ernst: Die Experten-Interviews waren dank langer Bahnfahrten und teils schwieriger Terminabsprachen harte Arbeit, die sich aber sehr gelohnt hat.

Warum wird unsere Erde durch deine Arbeit eine bessere Welt?


Vielleicht kann sie dazu beitragen, dass zumindest die virtuelle Welt ein besserer Ort wird.

Wie bist du auf dieses Thema gekommen?


Das Referat für Informationsrecht und Rechtsinformatik hier am MPI beschäftigt sich schon lange mit Cybercrime und Internetkriminalität. In den letzten Jahren hat sich immer deutlicher gezeigt, dass es dabei nicht mehr um Streiche von übermotivierten Computerfreaks geht, sondern um handfeste finanzielle Interessen – siehe etwa die Professionalisierung des Phishing-Phänomens. Andererseits hört man häufig, dass Polizei und Staatsanwaltschaften wenig dagegen tun können. Mich hat interessiert, warum das so ist und wie man diese Probleme lösen kann.

Und wie läuft's?


So weit ganz gut, danke der Nachfrage.

Was tust du gegen Denkblockaden?


Zigarettenpause, Kaffee, gelegentlich Eis oder Schokolade. Und Gespräche mit Kollegen und Bekannten, die mir manchmal Ansätze aufzeigen können, die ich im Eifer des Gefechts übersehen habe.

Mein Antrieb als Forscher ist...


Ich habe schon als Kind ständig Fragen gestellt und pausenlos geredet – hat man mir zumindest erzählt. Insofern ist da wohl irgendwo ein Drang, genau bescheid zu wissen und das Ergebnis der „Erforschung“ von interessanten Sachverhalten anderen zu vermitteln.

Mein Forscher-Idol

  Als Angestellter der MPG sollte ich hier vielleicht Max Planck nennen, aber der war Naturwissenschaftler, während wir Juristen ja ganz anders arbeiten. Auf Anhieb fällt mir da leider niemand ein, wobei ich natürlich die Arbeit mancher Größen unter den Rechtswissenschaftlern sehr bewundere.







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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 7
Nichtraucher
Freitag, 04.07.08 11:38
 

"Was tust du gegen Denkblockaden? Zigarettenpause,..."

Ob das die Denkblockade löst bezweifele ich. Ein Spaziergang an der frischen Luft wäre sicherlich besser.

der Schecker
Freitag, 04.07.08 12:56
 

manno diese Augenringe - Nacht`s immer am Computer - und dann noch solche Themen - mein lieber Scholli der Nichtraucher hat Recht - DR. Schecker sagt daher: 2-4 mal in der Woche ab in`s Schwimmbad - aber los jetzt

tara
Freitag, 04.07.08 13:08
 

oooh... (sorry, unqualifizierter beitrag, aber...)
es gibt ja scheinbar doch interessante männliche wesen in Freiburg =))

some dude
Freitag, 04.07.08 20:26
 

oha, die nase war ja in meinem semester o.0
auch bei prof. bloy eingepennt?

wie passend, svw: qualen

Pharmer
Samstag, 05.07.08 21:50
 

Der Jan war als Zuhörer in meinem Seminar am MPI.
Danke für die Rückendeckung, als mich ein übereifriger RA in der anschließenden Diskussion in die Mangel genommen hat und natürlich viel Erfolg mit der Doktorarbeit!!

Sven Meyer
Montag, 22.09.08 07:05
 

Interessant wären ein paar Beispiele gewesen, welche Möglichkeiten es gibt zum einen vorzubeugen und zum anderen die schon bestehenden Gesetze auch einmal anzuwenden.

Derzeit scheint das internet noch das ungeliebte Kinde vieler Beamten zu sein.

Und das es an Gesetzen mangelt glaube ich fast gar nicht - die Delikte sind immerhin in beiden Welten vorhanden

Samstag, 08.11.08 08:04
 

@der schecker. manno diese Augenringe - Nacht`s immer am Computer - und dann noch solche Themen

Sorry, das sind keine Augenringe, sondern Tränensäcke.
Bei manchen Menschen sind die halt etwas ausgeprägter.

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