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Die coolsten Webcomics der Welt

Supertechnologisierte Nanosoldaten, kartenspielende Skelette und Strichmännchen, die freiwillig ihren Bauchnabel scannen. Die Welt der Webcomics ist skurril und verrückt. Philip Hehn stellt euch die besten Werke der Onlinezeichner vor.



Anders Loves Maria, gezeichnet von der Schwedin Rene Engström, erzählt anrührend von der Liebesbeziehung zwischen Anders und Maria. Der Comic verfolgt die Probleme mit dem Älterwerden ab 25, dem Schwangersein und Fremdgehen. Seine Helden sind ganz normale Menschen mit ganz normalen Schwächen. Mal möchte man die beiden knuddeln, um sie gleich darauf zu verprügeln. Die Art und Weise, mit der Engström ihre Figuren zum Leben erweckt und ihnen Tiefe verleiht, ist nicht nur für Comics beeindruckend.

Kukuburi

Ganz anders beeindruckt Kukuburi von Ramòn Perèz. Die Comic-Kreuzung zwischen Alice im Wunderland und Das siebente Siegel erzählt von der Paketbotin Nadia, die beim Durchschreiten eines Gartentores eine fremdartige Welt betritt. Dort begegnet Nadia einem sprechenden Skelett, das sie zu einer Partie Schiffeversenken auffordert.

Nadia weiß nicht, um welchen Einsatz sie gerade spielt. Die schnelle Eingreiftruppe La Brigade de Chapeau bricht zusammen mit Nadias Chamäleon Mr. Bojangles zu ihrer Rettung auf. Aber wer rettet hier eigentlich wen? Perèz entwirft in riesigen, detailreichen Bildern eine atemberaubend schräge Welt.

Raumschlachten mit Supersoldaten

Action treibt auch Schlock Mercenary von Howard Tayler an. Der Comic begleitet eine Söldnertruppe im Jahr 3000, für die schon die Befolgung des simplen Grundsatzes „Erst plündern, dann brandschatzen“ einige Zurückhaltung erfordert. Von Raumschlachten zwischen Schiffen von der Größe Long Islands bis hin zu Nahkämpfen zwischen nanotechnologischen Supersoldaten spielt der Comic alle SciFi-Actionstandards durch.

Weder die Geschichte noch der theoretische Hintergrund kommen dabei zu kurz. Etwa als Tayler erklärt, warum Raumschiffe mit den aus Star Trek bekannten Schutzschilden eigentlich unsichtbar sein müssten. Ein Comic für Science-Fiction-, Physik- und Actionliebhaber.



American Elf


Dagegen ist American Elf von James Kochalka sehr leise und ruhig. Der amerikanische Schriftsteller, Comiczeichner und Musiker stellt seit 2002 jeden Tag eine kleine, schnell gezeichnete autobiografische Skizze ins Internet. Das kann eine Szene aus einer Lesung sein, in dem Kochalka mitgeteilt wird, dass auch das Kaninchen eines Lesers sein Buch schätzt. Oder eine Darstellung der Probleme, die auftreten, wenn Kochalka sein Kleinkind füttert. American Elf staunt auf entspannend unangestrengte Weise über den ganz normalen Alltag.



Erfworld

Parson Gotti ist ein Versager, dem nichts lieber wäre, als diesem Alltag zu entfliehen. Er flüchtet sich in die Phantasiewelt seiner ausgeklügelten Strategiespiele. Eines Tages, als Parson gerade ein neues Spiel beginnen will, verschwindet er vor den Augen seiner Freunde und findet sich in Erfworld (Autor: Rob Balder, Zeichner: Jamie Noguchi) wieder – einer Welt, die seinem Strategiespiel verdächtig ähnelt. Seine Aufgabe: er soll die Armeen von Lord Stanley, der ihn herbeigerufen hat, zum Sieg führen.

Erfworld oszilliert auf surreale Weise zwischen der realen Welt und der fiktiven. Die verfeindeten Armeen bestehen aus niedlichen Stofftieren und sprechen Internetslang. Flüche werden in Schriftsprache weggepiepst. Parson hat jetzt eine Menge neue Probleme. Die feindlichen Armeen sind weit überlegen, er steht auf der Seite der Bösen und weiß nicht, ob er sich nur in einem Komatraum befindet oder ob ihm sein Wunsch nach einem anderen Leben erfüllt wurde. Der Comic ist ein postmodernes Erzählexperiment, vielleicht auch eine schräge Satire. Unterhaltsam ist er auf jeden Fall.



Minus

Fiktion und Realität verschwimmen auch bei Ryan Armands Minus. Die Titelheldin, ein kleines Mädchen, hat gottgleiche Kräfte. Es gibt keinen Aspekt in ihrer Umwelt, inklusive der Zeit, den sie nicht beeinflussen kann. In einigen Comics stirbt sie sogar, ohne sich davon stören zu lassen. Diese Macht nutzt sie auf teils niedliche, teils erschreckende Weise und macht sich damit zur Außenseiterin. Allein die wunderschönen Aquarellillustrationen des Comics sind einen Blick wert. Seine facettenreiche Darstellung von Minus' Welt macht ihn aber außergewöhnlich.

Perfider Kinderbuchstil

Ebenso außergewöhnlich sind die Comics von Nicholas Gurewich. Sein Perry Bible Fellowship ist einer der bekanntesten Webcomics überhaupt und wird in über 30 Zeitungen abgedruckt. Die Strips verbindet keine durchgehende Handlung. Sie spielen aber eindeutig in derselben Welt. in der sich hinter jeder harmlosen Szene Boshaftigkeit verbirgt, Liebe unweigerlich in der Katastrophe endet und von Herzen kommende Kinderwünsche auf zuverlässig unerfreuliche Weise in Erfüllung gehen.

Man erschrickt erstmal ein bisschen, lacht dann aber doch. Das verstärkt die erschreckende Wirkung des einfachen, kinderbuchartigen Zeichenstils noch. Gurewich ist ein sehr vielseitiger Künstler, der seinen Stil mühelos an jeden Inhalt anpasst.



In einer ganz anderen Welt spielt Kazu Kibuishis Copper. Der Comic, der auch als Buch erschienen ist, hat zwei feste Protagonisten: den Jungen Copper und dessen sprechenden Hund Fred. Er besteht aus lose zusammenhängenden, eine Seite umfassenden Geschichten.

Meist reisen Copper und sein Begleiter durch wunderschön gezeichnete Landschaften, ohne dass man genau sagen könnte, warum und wohin sie unterwegs sind. Auf jeder Etappe lernen die beiden etwas über sich und ihre Freundschaft. Die Vertrautheit und Sicherheit der beiden spiegeln sich in den Szenerien wieder, die eine idyllische Ruhe verströmen.

Monthy Python im Holzstich

Überhaupt nicht ruhig geht es in David Malkis Wondermark zu. Der Comic besticht durch seinen bizarren, vulgären und völlig albernen Humor – und durch Malkis ungewöhnliche Technik: Der Autor verwendet Stiche und Illustrationen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, die er neu zusammenstellt und dann mit Sprechblasen ergänzt.

Neurotische Katzen, ängstliche Motorkutschen und tanzende Zwerge schreien sich gegenseitig an. Wer die Animationssequenzen bei Monthy Python lustig fand, wird diesen Comic lieben.

Achewood - Meister der Webcomics

Der ungekrönte König der Onlinecomics ist Achewood von Chris Onstads. Die völlig bizarren Erlebnisse einer Clique von menschenförmigen Tieren und Robotern in der fiktiven Stadt Achewater haben es bis ins Time Magazine geschafft. Weshalb, ist etwas schwerer zu verstehen. Die Strips haben keine Handlung, enden auch nicht mit einer Pointe.

Stattdessen stolpern die skurrilen Charaktere in immer skurrilere Situationen: Ray entdeckt Spyware auf seinem Computer, während sein Freund Roast Beef seinen Bauchnabel scannt. Dazu kommen nachdenkliche Momente: Ray und Roast Beef sprechen im Auto über Sex, Theodore erinnert sich an seine Kindheit.

Seit ihrer Erstveröffentlichung im Jahr 2001 haben die Charaktere von Achewood eine beachtliche Tiefe bekommen. Onstad hat eine genaue Vorstellung von den Eigenschaften seiner Charaktere; er schreibt sogar Blogs für sie, in denen er ihre Persönlichkeiten weiter ausbaut.




Über den Autor und die Auswahlkriterien

Philip Hehn ist 27 und Student. Seine Liebe zu Trash, seine betrüblich kurze Aufmerksamkeitsspanne und der unwiderstehliche Reiz, den bunte Dinge auf ihn ausüben, haben ihn irgendwann auf Comics gebracht. Für fudder wühlte sich Philip tagelang durch Webcomic-Archive und hat dabei folgende Auswahlkriterien berücksichtigt:

Gute Comiczeichner haben eine enorme Bandbreite an Stilen und Inhalten. Das heißt im Idealfall: Jeder Leser findet sofort einen interessanten Einstiegs-Comic, den er versteht und lustig findet. Comics mit zuviel Insiderwissen und Expertengeschwafel sind langweilig und selten witzig. Deshalb hat Philip bei der Zusammenstellung auf Webcomics verzichtet, die einschlägiges Expertenwissen voraussetzen. Deshalb findet sich hier auch kein Comic aus der der Videospiel- und Pen-and-Paper-Rollenspiel-Szene.







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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 4
fanboi
Montag, 28.01.08 13:41
 

"Comics mit zuviel Insiderwissen und Expertengeschwafel sind langweilig und selten witzig"

was auf userfriendly zutrifft, aber kein grund ist "xkcd - a webcomic of romance, sarcasm, math and language" zu verschweigen. sicherlich genügt er nicht dem anspruch einer enormen bandbreite des zeichenstils, im verhältnis 1:2 sind die strips jedoch ohne hintergrundwissen zugänglich. meistens dann wenn randall munroe das 'romance' bearbeitet. xkcd.com/300

im strengen sinn keine webcomics sind die karikaturen und cartoons auf die der perlentaucher in einer eigenen kategorie fast täglich verlinkt. erspart die sammelarbeit.

maqz
Montag, 28.01.08 15:29
 

Coole Deutsche Web-Comics?

Wo?

Hier:

http://www.zwarwald.de
http://www.der-flix.de
http://www.ruthe.de
http://www.nichtlustig.de
http://www.wir2comics.de
[..] internationale Liste:
http://www.comicradioshow.com/Article2457.html

Und das alles ganz ohne Expertenwissen! ;-)

skully
Dienstag, 29.01.08 14:53
 

The Order of the Stick, http://www.giantitp.com , ist zwar im Prinzip ein P&P-Comic, aber dennoch so großartig, dass man es ruhig hier erwähnen könnte... Vor allem, da Erfworld auf der giantitp-Seite veröffentlicht wird!
Ich finde die Auswahlkriterien hier etwas zu harsch. Ebenfalls großartig: http://www.drmcninja.com

philip
Sonntag, 03.02.08 22:52
 

so, sorry, ich war im urlaub.

die zeile mit dem wenig witzig ist etwas zu hart formuliert, ich lese persönlich giantitp und penny arcade regelmäßig. ich fand sie aber für die hypothetische allgemeinheit zu speziell, insbesondere giantitp mit den vielen witzen über das d&d-regelwerk.

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