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Warum Metal?

Es gibt Menschen, die den Klang stark verzerrter E-Gitarren mögen, die harte Riffs lieben und denen beim Namen "Immortal" das Herz aufgeht. Ein subjektiver Erklärungsversuch zur Frage, warum Heavy Metal zur Leidenschaft werden kann und wie die Umwelt darauf reagiert.

cc:flickr.com/photos/csbelgium/1964191998/

Innerself

„Das hätte ich jetzt nicht von dir gedacht!“ Es ist erstaunlich, welche Reaktionen man mit einem Sepultura-T-Shirt hervorrufen kann. Ich bin zu fröhlich, zu klein und zu niedlich, als dass Leute mir Metal als bevorzugte Musikrichtung zuordnen würden. Schließlich ist Metal böse, dunkel und aggressiv. Und männlich.

Es fing in der siebten Klasse an. Mein Bruder beeinflusste mich. Er zeigte mir, was Headbanging ist, überspielte mir Metallica, Guns’n’Roses und Megadeth auf Kassette und schwärmte mir vom Metallicakonzert in Hannover vor. Als ich alt genug war, ging ich mit ihm in den Lindenhof, eine liebenswerte, niedersächsische Dorf-Metaldisko. Meine Freundinnen hörten Pur und Bon Jovi. Ich konnte sie nicht mehr überzeugen, es war zu spät.

Heute gibt es den Lindenhof längst nicht mehr und ich bin vom metallastigen Norden in den metalarmen Süden der Republik gezogen, weit weg von meinem liebsten Musiklieferanten.

Meine hiesigen Freundinnen stehen auf Xavier Naidoo, Manu Chao und Äl Jawala. Wenn eine von ihnen zu Besuch kommt, mache ich das Radio an. Oder gar keine Musik. Bis vor kurzem wohnte ich in einer Dreier-WG. Meine Mitbewohnerinnen freuten sich stets, wenn ich die Musik wieder ausmachte. „Danke“, sagten sie dann lächelnd. „Schon okay“, sagte ich. Und wartete, bis sie wieder weg waren.

cc:flickr.com/photos/eggybird/110685068/

Prowler

Wenn ich am Wochenende weggehe, dann gern ins Cräsh. Das ist die einzige Disko, in der ab und zu nach meiner Definition richtiger Metal läuft. Allerdings auch nur ein paar Lieder. Eine zeitlang probierten die Betreiber regelmäßige Metalnächte unter der Woche aus. Es kamen nur wenige, die Themenabende  wurden seltener. Die nächste pure Metaldisko befindet sich in Ludwigsburg, und das ist mir zu weit weg für einen Abend.

In den Kneipen sieht es hingegen ganz gut aus. Eimer, MyWay. Und im Walfisch kann es durchaus passieren, dass mal einen Abend lang Klassiker aus den Boxen dröhnen.

cc:flickr.com/photos/eggybird/59066827/

Mighty Ravendark

Dennoch, wer Metal hört, ist in der Minderheit. Er wird regelmäßig mit Unverständnis und Intoleranz konfrontiert. Andere Menschen können nicht verstehen, dass hämmernde, düstere Eintönigkeit, gepaart mit rabenartigem Gesang (zum Beispiel bei Immortal) eine wunderschöne Musik beim Kochen sein kann, dass man zu nichts besser joggen kann als zu Ministry und dass skandinavischer Vikingmetal zum Frühstück ein perfekter Start in den Tag ist.

Umgekehrt kann sie durchaus ebenfalls dazu verhelfen, sich in Aggression oder Depressivität hineinzusteigern.

Die Bandbreite des Metal ist so vielfältig, dass wohl kaum ein Fan dieser Stilrichtung alles gut finden kann, was sich hinter diesem Begriff verbirgt. In jedem Fall ist es für einen Metalhead ziemlich hart, wenn er über längere Zeit Dancefloor ertragen muss.

Aber Metalfans sind gutmütige Menschen, die Geduld haben, bis eben endlich wieder ein gutes Lied kommt. Dann rotten sie sich zusammen, schütteln ihre Haare und schmelzen dahin.

Gerade, weil sie ständig in der Minderheit sind, freuen sie sich ungemein, wenn sie einen Gleichgesinnten treffen. „Ach schau an, du warst auch auf dem Wacken!“ Am Armband erkennen sich diejenigen, die regelmäßig auf das Riesen-Festival fahren. Wer gar jemanden trifft, der das T-Shirt der eigenen Lieblingsband trägt, hat gleich einen guten Gesprächspartner.

cc:flickr.com/photos/midness/1074478868/

Coma of Souls

Nur einmal im Jahr, wenn die Straßen des kleinen Dorfes Wacken in Schleswig-Holstein von schwarz gekleideten Langhaarigen gesäumt sind, ändert sich das Mengenverhältnis. Die Metalfans, die vom Festivalgelände aus in die Dorfstraßen und ins örtliche Schwimmbad strömen, sind plötzlich in der Mehrheit. Manchmal verirren sich Dorfbewohner auf das eigentliche Festivalgelände, sammeln Pfandflaschen und werden von den Festivalbesuchern angestarrt.

Ein Phänomen, das die Regisseurin Cho Sung-hyung in ihrem preisgekrönten Dokumentarfilm Full Metal Village gezeigt hat.

cc:www.flickr.com/photos/apeshit/261306997/

Eine schöne Symbiose der Kulturen ist zu beobachten, wenn die Wackener Feuerwehrkapelle für die Metalgemeinde aufspielt. Zu Humptata tanzen die Metaller vor der kleinen Biergarten-Bühne Polonaise, während im Hintergrund der Metal dunkel dröhnt.

Ich möchte meiner Musik an dieser Stelle nicht bedingungslos huldigen, denn es gibt durchaus Dinge, denen ich skeptisch gegenüber stehe. Ich gerate hin und wieder in das Dilemma, dass ich eine Band musikalisch fantastisch finde, die Texte aber verabscheuenswert. Liedzeilen, die den Teufel und die Unterwelt zelebrieren, kann ich nicht ohne Skrupel mitsingen, sofern es da überhaupt etwas zu singen gibt. Rammstein haben einen schlüpfrigen Text über die Vagina gedichtet. Das Lied heißt „Fellfrosch“ und ich finde es ziemlich widerwärtig. Trotzdem höre ich es mir gerne an, denn abgesehen vom Text gefällt es mir.

Altars of Madness

Ein häufiger Vorwurf dem Metal gegenüber ist der Satanismus. Es ist ungerecht, diesen Vorwurf zu verallgemeinern. Fakt ist aber, dass viele und vor allem Black Metal Bands damit spielen oder ernsthaft hinter ihrem satanistischen Image stehen. Wenn ich auf einem Konzert blutbesudelte Monster vor mir auf der Bühne stehen habe, bin ich hin- und hergerissen zwischen Faszination und Skepsis. Ich bin in einer christlichen Familie aufgewachsen und habe für Satanismus kein Verständnis.

Auf Konzerten passen jedoch Teufel und Musik zusammen und der Gesamteindruck ist mitreißend. Weiß-blaues Flackerlicht, rasend schnelle Drums und Riffs, krächzender Gesang und Synchron-Headbanging auf und vor der Bühne verfehlen ihre Wirkung nicht. Dabei bleibt der Text zu großen Teilen unverständlich. Aber man versteht auch ohne Worte, worum es geht: Um Teufel, Tod und Verderben.

flickr.com/photos/midness/1073622843/

Def Metal

Wer aber glaubt, dass solche Texte die gute Laune verderben können, liegt falsch. Mir gibt ein gutes Konzert noch Tage später positive Energie, sei sie nun hervorgerufen durch eine fröhliche Power Metal Band oder eine schwere Black Metal Band.

Die regelmäßige Vorfreude auf das Wacken-Open-Air ist auch nach vielen Jahren nicht geschmälert. Sie beginnt mit dem ersten Tag nach Festivalende und steigert sich im Verlauf des Jahres, bis es wieder soweit ist. Bleibt zu hoffen, dass die Technik der Hörgeräte weit fortgeschritten ist, wenn ich einmal im Alter der Schwerhörigkeit angekommen bin. Das ist meine einzige Sorge.




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 32
Headbanger
Freitag, 18.01.08 09:25
 

Schöner Artikel ! :-)

Nordstädter
Freitag, 18.01.08 09:29
 

bis auf ein paar kleine Fehler ein netter Bericht. Vor allem Guns’n’Roses ist alles (vor allem schlecht) nur kein Metal ;~)

Wer dieses Jahr nicht nach Wacken will oder kann, aber trotzdem gerne die NWoBHM-Götter Iron Maiden sehen und hören will, kann dies am 14.08.08 in der St. Jakobshalle in Basel tun. Der Sound in dieser Halle ist zwar grottig ohne Ende, aber der Mann an den Reglern wird das schon richten :~)

DerOnkel
Freitag, 18.01.08 09:33
 

@ Nordstädter: Schlechter Sound und alkoholfreies Bier: die Kombi geht einfach gar nicht, nichtmal für Maiden...

Jochen
Freitag, 18.01.08 09:36
 

Cooler Artikel. Merci dafür; er hat mir den Morgen verschönert.
Heavy Metal ist die einzige Musikrichtung die ich kenne, bei der jedes einzelne Bandmitglied immer 100% geben kann. Egal ob Gitarre, Bass, Gesang, Schlagzeug oder Keyboard - Du bist immer motiviert Dein Instrument besser und besser zu beherrschen und damit auf der Bühne so viel Einsatz wie möglich zu Bringen. Egal ob Du auf der Bühne stehst oder ob Du vor der Bühne stehst: Metal ist dabei eine Lebenseinstellung!

Kapöllmeista
Freitag, 18.01.08 09:43
 

Der Artikel müsste doch eigentlich sofort den guten Herrn Miehling auf den Plan rufen.


maik
Freitag, 18.01.08 09:43
 

in den norden: das war doch auch nur auf des bruders mixtape ... jeder fängt mal klein an.

moskito
Freitag, 18.01.08 10:00
 

Schöner Artikel, ehrlich, Danke, auch wenn ich mit der Musik gar nix anfangen kann.
P.S. Ludwigsburg, meinst Du den Rockpalast, gibt's den etwa noch? Da war ich einmal, aber wirklich nur einmal, um 2 haben die da Sperrholzgitarren rausgerückt und dann ging's los mit Luftgitarre spielen, aber Hallo, und ich musste ständig meine Lachattacken verbergen, sonst hätten die mich wohl alle gemacht

Rechnungsstelle
Freitag, 18.01.08 10:06
 

RockFABRIK - den Rockpalast gibts im TV. ;)

Nordstädter
Freitag, 18.01.08 10:06
 

@maik: kein Thema. Nur wenn ich schon den Namen dieser sog. Band nur schon lese sehe ich rot ;~)

@Onkel: in Sachen Sound soll es dort auch schon akzeptable Vorstellungen gegeben haben. Das alkfreie Bier gibts wohl immer dort oder hängt das vom Veranstalter ab? Vielleicht wird, wenn die Show bald ausverkauft sein sollte, aus dem Hallenkonzert eine Open Air gemacht. Wäre nicht das 1. Mal. So oder so werde ich mich einfach überraschen lassen, denn mind. einmal im Jahr sollte Maiden sein. Paris wäre eine Alternative gewesen aber terminlich sehr ungeschickt. Metallische Grüße!

Jupp
Freitag, 18.01.08 10:12
 

Klasse Artikel! Im Schuppen in Calmbach (bei Pforzheim) gab es früher einen Luftgitarrenverleih :-) Saugeile Idee... wir haben uns immer ewig angestellt. Ein geiles Ritual war das. Und im Piccadilly gibt es übrigens auch keinen Abend ohne Maiden.

DerOnkel
Freitag, 18.01.08 10:12
 

"...and the devil sends the beast with wrath..." ;-))

moskito
Freitag, 18.01.08 10:23
 

@rechnungsstelle
Klar, pardon, Rockfabrik. Die gibt's also noch, wie mir Google grad erklärt hat, danke für den Hinweis.

der der
Freitag, 18.01.08 11:14
 

Schöner film ist auch:

Metal- a headbangers journey.....

auch für nicht metalheads.

Gruss der der

Nordstädter
Freitag, 18.01.08 12:00
 

kenn eigentlich noch jemand die legendären Metal-Donnerstage in der Arche Waldkirch? Eine Weile ist es schon her ;~)

At-Mensch
Freitag, 18.01.08 12:34
 

@Norstädter: au ja, das waren noch geile Zeiten !

Ansonsten gibts noch das Atlantis in Herbolzheim, da läuft Freitags immer Metal (auch mal der "derberen" Art). Wundert mich das das hier noch nicht erwähnt wurde !

Part-time Pakeha
Freitag, 18.01.08 13:06
 

Man sollte auch das Metalcafé der Metalmaniacs alle zwei Wochen im SAK Wasserwerk in Lörrach nicht vergessen. Hauptsächlich für Freunde der härteren Gangart.
Und zum vormerken: Am 12. Juli veranstalten die gleichen Leute im Landschaftspark Grütt in Lörrach zum vierten Mal das "Baden in Blut". Das Festival lohnt sich auf jeden Fall! Es spielen Destruction, God Dethroned, End of Green, Mystic Prophecy, Stormlord, Deadlock, Wolfchant,... Mehr Infos auf der Homepage (einfach mal Baden im Blut googeln)

Ralph
Freitag, 18.01.08 13:18
 

Diese Metallfreunde, sind doch nur Leute, die ihrer Haarpflege nicht regelmäßig nachkommen können- wollen, oder sollen.
Die gehen dann auf diese Partys und schütteln sich die Siff aus den Haaren mit dem Rumgezappel.
baaaaaaaaaaaaaaaaaa




SvW. affig

lalala
Freitag, 18.01.08 14:26
 

provokante these

lalala
Freitag, 18.01.08 14:31
 

@verfasserin

ich würde auch dringend in erwägung ziehen mir neue freundinnen zu suchen weil du meine fresse

im übrigen: drone > stoner rock > metal

die zähne müssen vibrieren und der darminhalt sich verdichten, dann stimmt der sound.

Ralph
Freitag, 18.01.08 15:41
 

wenn die Zähne vibrieren und der darminhalt sich verichtet äh verdichtet, dann kriegen die wenigstens keinen Durchfall, und machen in das Gebüsch an der Deutschen Bank an der Eisenbahnstrasse, das stinkts immer so.





Svw: fasst

Ralph
Freitag, 18.01.08 15:41
 

wenn die Zähne vibrieren und der darminhalt sich verichtet äh verdichtet, dann kriegen die wenigstens keinen Durchfall, und machen in das Gebüsch an der Deutschen Bank an der Eisenbahnstrasse, das stinkts immer so.





Svw: fasst

lalala
Freitag, 18.01.08 15:59
 

@ralph

mein hut ist ab und mein arsch bleibt geschlossen.

Ralph
Freitag, 18.01.08 16:07
 

klingt wie eine Weiterentwicklung wie Heimscheixxer aus dieser Blaagenkomödie.....wie Apfelkuchen....

Wuschel
Freitag, 18.01.08 17:46
 


Diesen Samstag gibts in der KTS Metal. Fünf Bands.

Ralph
Freitag, 18.01.08 18:41
 

Jetzt weis ichs, warum da immer was los ist. Das sind alles Dummys Blutgedopt. Versuchskanickel der Sportmedizin
spei..........................





SvW:babys---------------------------------------------sk babys lolll

Andrés
Freitag, 18.01.08 21:22
 

in grauer vorzeit gabs in der merianstrasse mal so nen metalschuppen, hiess glaub ich santana.
da hab ich mein erstes bier bestellt. ;-)

Nordstädter
Freitag, 18.01.08 22:07
 

die Mehlwaage gab' es auch mal. Das Musicland ebenso. Der Fundus dürfte dann bald erschöpft sein, oder...? ;~)

SVW: Datum *lol*

WarApple
Freitag, 18.01.08 23:05
 

Der Bericht trifft mit ein Parr kleinen Änderungen auf jede Musikrichtung zu. "Warum Rock?" "Warum Rap?" ... Warum überhaupt Musik?

dom
Sonntag, 20.01.08 14:26
 

Metal Fans sind konservative intollerante langweilige spieser.
und vor allem keine minderheit. hallo ? schaut euch doch mal die verkaufszahlen an.
mein onkel hört sepultura, er ist ü50 und banker in frankfurt.

Metalzwerg
Sonntag, 20.01.08 18:20
 

Hell yeah, ein guter Artikel über Dein subjektives Empfinden zum Metal.

Ist der Süden wirklich so Metalarm im Vergleich zum Norden? Also zumindest in Meiner Gegend (grob Karlsruhe / Bruchsal) gibt es genug Metalheads. ;)

Sarah
Dienstag, 05.02.08 14:22
 

Crash ohne ä *find*

Jemand der
Dienstag, 08.04.08 22:01
 

echt guter text
wow also hmm du hast dir meinermeinung nach echt arbeit gemacht sowas wie du wollt ich schon imma mal sagen nur (ich bin zu faul) ^^

dieses jahr wacken juhuuuu ich freu mich XDxD

ach ich wohn anner hollandsgrenze in weeze (habt ta wahrscheinlich nie gehört^^) und bin einer der wenigen metallern da in weeze gibbet knapp 10 metaller die ich kenn (10 000 einwohner) aba dafür kenn ich sie gut har har

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