
Wenn man Leute über das Internet kennen lernt, dann macht man sich über ihre Worte, Texte, Kommentare, Photos und Videos ein Bild von Ihnen.
Mediale Persönlichkeit nennen Medientheoretiker dieses Bild.
Robert Scobles Mediale Persönlichkeit ist so facettenreich wie das weniger Blogger.
Unter den amerikanischen Webloggern ist er ein
Star, ein
Guru, ein
technical Evangelist und von der US-Techie-Blogger-Szene gleichermaßen verhasst (immerhin hat er auf der dunklen Seite, bei Microsoft gearbeitet) und verehrt (denn er hat trotzdem Apple-Produkte gelobt).
Vergangenen Montagabend sitzt Robert Scoble mit seiner Ehefrau Maryam
Ghaemmaghami Scoble, seiner Tante aus Weill am Rhein und den fünf Freiburger und Basler Bloggern, die rechtzeitig vom Termin gehört haben, im Freiburger
Martinsbräu. Auf seinem T-Shirt steht 'Web 2.0 has crashed. Please upgrade to Web 2.2. Click ok to continue.' und er lächelt eigentlich andauernd, wenn er nicht gerade schnell redet. Auf den ersten, zweiten und dritten Eindruck hin ist er kein Blog-Guru, sondern vor allem eins: Ein verdammt netter, schlauer Mann, der zu fast allem eine Meinung hat.
Robert lässt sich von jedem der Anwesenden erzählen, was sie machen, und stellt interessiert
genau die richtigen, schwierigen Fragen. "Wo siehst Du die größten Probleme Deiner Geschäfts-Idee?" "Meinst Du, die Mainstream-Medien in Deutschland haben das Internet verstanden?" "Was hälst Du von Pay-per-Post?".
Angeregt wird rund drei Stunden diskutiert, und zwar nicht nur über akute
Geek-Schlagzeilen, das Image von Google, Mapping, Start-Ups, Coole Demos und HD-Fernsehen, sondern vor allem auch darüber, wie Technik das Leben verändert,
wie das Leben Online das Leben Offline beeinflusst und wie toll der europäische Bahnverkehr ist.
Währenddessen erklärt Blogger Sebastian Grünwaldt Roberts Tante ihren Web.de-Account, denn dafür hatte Robert noch keine Zeit. Roberts Tante findet es offensichtlich sehr interessant, aber ein wenig seltsam, dass ihr Neffe an einem Ort, an dem er noch nie war, diese fremden Menschen trifft, die er noch nie kennen gelernt hat, und diese zudem auch noch sein Buch 'Naked Conversations' dabei haben.
Am Ende des Abends filmt Robert eine Episode seiner Video-Podcast-Sendung
ScobleShow mit den Freiburger Bloggern, und vielleicht ist genau das das Beste an Robert Scoble und seiner Medialen und tatsächlichen Persönlichkeit:
Er nimmt nicht nur die Technik, sondern auch die Menschen die sie nutzen sehr ernst. Ihn interessieren die Ansichten einer handvoll Blogger einer deutschen Kleinstadt genau so wie die Ansichten seines früheren Arbeitgebers Bill Gates, mit dem er vor wenigen Wochen
ebenfalls eine ScobleShow gemacht hat.
Klasse.