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Der Mongolei-Filmer

Der 26-jährige Freiburger Dokumentarfilmer Tobias Wulff zeigt in seinen Filmen Bilder, die wenige Menschen zuvor gesehen haben. Wulff dokumentiert die faszinierenden Landschaften der Mongolei. Auf fudder berichtet Tobias euch von seiner Reise durch verlassene Steppen und unwirtliche Sümpfe - und von einem Schamanentreffen an einem magischen See (mit Video-Trailer).

Tobias Wulff

Es war April 2002.

Wie fast jeden Tag saß ich im Büro einer Werbeagentur. Es war das erste von drei Lehrjahren der kaufmännischen Ausbildung bei der Stadt Freiburg. Genauer gesagt, eine Tochterfirma der Stadt Freiburg, die sich die Vermarktung & das Management der Stadt zur Aufgabe gemacht hat. Ganz genau weiß ich auch nicht, was mich in die kaufmännische Sparte getrieben hat, es muss wohl der Zivildienst in der Verwaltung des DRK gewesen sein, der meinen beruflichen Werdegang prägen sollte. Schon damals befasste ich mich mit der Materie Musik- und Filmproduktion, zwar nur als Hobby, dies aber immer mit reichlich viel Spaß. Im Alter von 14 Jahren begann ich mit dem Aufbau meines eigenen Tonstudios. Mit 17 fing ich an, Musik für Diskotheken zu produzieren (darunter auch Platz 1 beim Remix-Contest der “Fantastischen Vier”). Das war damals.

Der Kontakt in die Mongolei kam durch meinen Vater Bernhard Wulff. Er ist der Initiator des internationalen Musikfestivals “Roaring Hooves” in der Wüste Gobi. Ein Festival für die Nomaden der Steppe. Zwar berichtete er nach jeder seiner Rückkehr aus der Mongolei mit voller Begeisterung von dem wunderschönen Land (das Festival gibt es seit 1998), doch noch konnte ich diese Begeisterung nicht mit ihm teilen, da ich ja noch nie zuvor dort gewesen war. Es war eigentlich eine spontane Entscheidung, dass er und die Festivalorganisatoren im April 2002 mich baten, eine Filmdokumentation über “Roaring Hooves” zu erstellen, welche dann auch der Sponsorenaquise für dieses nicht-kommerzielle Festival dienen sollte. Von hier an sollte sich mein Leben verändern.


SansarNicht wissend, was mich filmisch in der Mongolei erwarten wird, reiste ich also hin, hielt mit der Kamera überall drauf; Innerhalb einer Woche entstand an 13 Konzerten an 13 Orten reichlich Filmaterial, welches es letztendlich auf ca. 30 Minuten zu kürzen, bzw. zu schneiden galt. So kam es, dass ich in dieser einen Woche auch meine Frau Sansar (links) kennen lernte. In das Musikfestival ist jedes Jahr auch eine Modenschau integriert; Sansar war eines der Models. Seither bereisen wir alljährlich die Mongolei. Durch meine beiden ersten Mongolei-Dokumentationen aus den Jahren 2002 und 2003 konnte ich sehr viele Erfahrungen sammeln. Filmisch konnte ich nun geplanter an die Sache gehen.

2005 sollte es ein großes Projekt geben; zwei komplette Dokumentarfilme sollten in nur zwei Wochen abgedreht werden. Das in zwei Regionen der Mongolei, wie sie geographisch nicht weiter hätten auseinander liegen können: In der Südgobi, nahe der chinesischen Grenze und im nördlichsten Teil der Mongolei, an der Grenze zu Sibirien. Auch klimatisch waren es komplett andere Bedingungen; Während man im Glutofen der Gobi aufpassen muß, dass der mikrofeine Wüstensand nicht die Bandmaschinen der Kameras beschädigt, fanden im Norden der Mongolei die Dreharbeiten mit Daunenjacke statt. Übrigens: Noch heute findet sich von meinem ersten Mongolei-Besuch im Jahr 2002 noch feiner Wüstensand auf und in der Kamera, er ist einfach nicht weg zu kriegen.

Mit den Spektakulären Inlandsflügen in einer Antonow, war ich ja bereits aus den Vorjahren vertraut, doch dies würde hier zu weit führen?

Ein Grundsätzlich wichtiger und stets zu beachtender Punkt bei Dreharbeiten in der Mongolei ist die Stromversorgung. Wie das nun mal so ist, sind die Akku-Betriebszeiten sehr begrenzt. Aufgeladen wurde über Nacht mittels Stromgenerator. Sowohl in der Südgobi, als auch im Norden der Mongolei.


Film 1: "Tuurain Tuvurguun"

Inhaltlich haben die beiden Dokumentarfilme überhaupt nichts miteinander zu tun. Der Film in der Südgobi hat den Mongolischen Titel: “Tuurain Tuvurguun”, das bedeutet soviel wie “Aufbruch und Bewegung” oder “Dröhnende Hufe”, so der deutsche Titel des Festivals. “Aufbruch und Bewegung”, ein durchaus treffender Titel für ein Festival in einem für uns weit entfernten und unbekannten Land im Wandel von einer alten Nomadentradition zu den globalen Veränderungen und Angeboten der heutigen Zeit. Diesmal ist es zwar wie bereits 2002 auch ein Film über das Festival, nun aber in richtiger Dokumentarfilm-Struktur.

Meine Erfahrungen aus den Vorjahren konnte ich bereits im Vorfeld mit in die Planung des Films einfließen lassen. Neben dem Musikfestival erzählt und zeigt er auch viel vom Land, den Menschen, den Tieren. Spannend ist, dass ich die Organisatoren schon vor dem Festival begleitet habe. So ist der Zuschauer hautnah bei der Organisation, über die Pressekonferenz bis hin zum Klavier auf der Sanddüne mit dabei.


 
Film 2: Vom blauen Himmel

Mongoleifilmposter Anders war die Planung zu den Dreharbeiten in der Nordmongolei zu “Vom blauen Himmel”. Ein Film über den mongolischen Schamanismus; Erstmals in der Geschichte der Mongolei soll ein Treffen verschiedener Schamanen verschiedener Minoritäten des Landes im Rahmen des Roaring Hooves Festivals stattfinden.

Schon im Vorfeld machten sich die Festivalorganisatoren auf den langen, nicht ungefährlichen Weg über tausende Kilometer quer durch das Land und das Altai-Gebirge, um auch in den verwinkelsten Plätzen die Schamanen ausfindig zu machen, welche im Sommer 2005 alle erstmals aufeinander treffen sollten.

Nicht nur infrastrukturell ein schwieriges Unterfangen; ein Schamane hat in der Regel keine Veranlassung, einen anderen Schamanen aufzusuchen, jeder ist nach eigener Einschätzung das Zentrum der Welt. Bei der Auswahl der Schamanen, die alle erstmals am Khuvsgul-See (unten) im Sommer aufeinander treffen sollen, war daher oberste Vorsicht geboten.

Mongolei

Die unter den Schamanen herrschende Konkurrenz kann sich in den so genannten psychorealen Schamanenkämpfen manifestieren, bei denen nicht selten einer der beiden Schamanen stirbt. So machte sich das Expeditionsteam auf seinen Weg, wenn es mit dem Auto nicht mehr ging, musste auf Pferde umgesattelt werden, durch die Wälder Tuwas, durch Sümpfe, stets mit der eiseskälte im Gesicht.

Die jeweiligen Schamanen wussten nichts von dem Besuch des Komitees. Ein Expeditionsteilnehmer - es war der Fahrer- hat seine Kamera mit dabei gehabt und eindrucksvolle Szenen festgehalten, wie sie noch nie zuvor zu sehen waren. Diese Szenen bilden eine filmische Klammer und somit einen sehr wichtigen Bestandteil des ganzen Films.

  Mongolei

Meine eigentliche Arbeit begann vier Wochen später am Khuvsgul-See, nicht zu unrecht von den Mongolen auch “Ozean” genannt; er ist 136 Kilometer lang, 36 Kilometer breit, hat eine Tiefe von 262 Metern und liegt 1.645 Meter über dem Meeresspiegel. Ein riesiges Wasserreservoir, das drei Prozent des weltweiten Frischwassers bewahrt.

In der nördlichsten Provinz der Mongolei gelegen, ist er der größte und tiefste See des Landes, der kleine Bruder vom Baikal-See. Von Januar bis Mai trägt er einen Eismantel der in dieser Zeit als wichtigste Transitstrecke für tonnenschwere LKWs von und nach Sibirien herhalten muss. Bis auf durchschnittlich eine Ausnahme im Jahr, steht er das auch durch. Uns sagte man, dass bis kurz vor unserer Ankunft noch die letzten Eisschollen auf dem See schwammen.

Alle Schamanen, denen im Vorfeld mühsam die Einladungen überbracht wurden und welche tausende Kilometer voneinander entfernt leben, trafen hier erstmals aufeinander. In einer Art Schamanenkonferenz tauschten Sie sich aus über Ihre Riten und Bräuche, erzählten über Ihre Vergangenheit und ihren Werdegang. In nächtlichen Zeremonien traten Sie mit der Geisterwelt in Kontakt, wobei stets ein Schamane im Mittelpunkt stand und zeitgleich ihm die anderen Schamanen assistierend zur Seite standen. Schamanismus ist ein sehr sensibles Thema, so mussten wir uns bei den Drehaufnahmen immer sehr zurück halten.

Grundsätzlich sind während einer Schamanenzeremonie keinerlei Film- und Fotoaufnahmen gestattet, wir bekamen jedoch die freundliche Erlaubnis zu filmen, doch dies natürlich auch mit Einschränkungen und unter stetiger Beobachtung. Da keinerlei zusätzliches Licht verwendet wurde, mussten wir zum Teil mit Nachtsichtgeräten arbeiten. Bei einigen Schamanen war absolutes Filmverbot. Diese Sequenzen haben wir dann im Schnitt mit Standbildern überbrücken können.
  Mongoleifilmposter “Doch was genau ist Schamanismus? Eine wichtige Frage, da der Begriff “Schamane” in den verschiedensten esoterischen Auslegungen Eingang in unser Modernes Leben gefunden hat, welche nichts mehr mit dem ursprünglichen Schamanismus mehr zu tun haben. "Vom Blauen Himmel" ist eine Dokumentation über ein bedeutendes Schamanentreffen in der Mongolei, wie es in dieser Form bisher nicht stattfand und enthält authentische Informationen über eine ganz besondere Kultur der Schamanen verschiedener Minoritäten des Landes.

Jeder Betrachter wird für sich selber die Kostbarkeiten dieser Kultur entdecken und auch verstehen, was ursprünglicher Schamanismus bedeuten kann.”




Mehr dazu   Gewinnspiel

Anlässlich des 800-jährigen Staatsjubiläums der Mongolei verlost Mongoleifilm.de zwei DVDs von "Vom blauen Himmel". Das Gewinnspiel, die DVD, Filminfos, sowie die Spieltermine sind zu finden unter Mongoleifilm.de    

Nächste Vorführungen
  • Mittwoch, 11.10.2006 Freiburg, Mongoleizentrum (Schwarzwaldstrasse 88), 16.00 Uhr
  • Mittwoch, 18.10.2006 Freiburg, Mongoleizentrum (Schwarzwaldstrasse 88), 16.00 Uhr
  • Donnerstag 19.10.2006 Freiburg, Jos Fritz Café, 20.30 Uhr
  • Alle Vorführungen: klick

Trailer  

Video anschauen:




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von Tobias Wulff | 11.10.06, 14:17 | Kommentare (4)
Weitere Artikel zu: Filme, Mongolei, Freiburg, Video, Dokumentarfilm, Schamanismus, gewinnen, -Tobias Wulff



Kommentare
Anzahl der Kommentare: 4
Andy
Mittwoch, 11.10.06 22:12
 

Hallo Tobias,

schoner bericht, ist schon mal was von dir zu lesen.

Grüsse aus der Schweiz, von deinem ehemaligen Arbeitskollegen aus dem KH.

Indalosia - Barbara
Donnerstag, 12.10.06 17:49
 

Lieber Tobias,
es ist wirklich sooo eine Bereicherung zu lesen, wie sehr du das Leben und die Aufgaben der Schamanen in der Mongolei zu deiner Lebensaufgabe mit Kamera und Film, gemacht hast.
Wäre es nicht gigantisch- wenn man die Schamanen aus der Mongolei mit den Schamanen und Priester aus den indigenen Völkern der Maya-Kulturen z.B. und andere mal zu einem einzig artigen Treffen einladen könnte.
Was für eine Vision !
Ganz liebe Grüße
und dir weiterhin alles Glück und Power für deine zukünftigen Projekte.
In Lak'ech
INDALOSIA-BARBARA

milfs
Freitag, 16.03.07 10:36
 

hot
Freitag, 16.03.07 10:47
 

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