App-Check: Ist Vero das bessere soziale Netzwerk?

Theresa Ogando

Viele Influencer preisen gerade die App Vero an. Das soziale Netzwerk verspricht, keine Werbung und keine Algorithmen zu verwenden. Ist es damit eine Alternative zu Instagram, Facebook und Co? Theresa Ogando hat die App getestet.

Erfahren habe ich von Vero lustigerweise durch Instagram. Eine Bloggerin hat die neue App in ihrer Story wärmstens empfohlen. Nach einer kurzen Google-Suche sehe ich: Es existiert ein richtiger Hype um diese App, verschiedene Zeitungen schreiben, es sei das neue Instagram.


Den Trend möchte ich ausprobieren und öffne den App-Store, um Vero zu downloaden. Dort hat die App 623 Bewertungen und nur zwei von fünf Sternen - ein ernüchterndes Ergebnis. Momentan ist Vero umsonst, soll aber später durch Mitgliederbeiträge anstelle von Werbung und Datenverkauf finanziert werden. Die ersten Millionen Downloader bekommen die App lebenslang umsonst - vielleicht bin ich da sogar noch dabei. In der App-Beschreibung im App-Store steht "Teile deine Inhalte realer". Aber was soll das bedeuten?

Vero hat ein schickes Design

Es bedeutet schlicht und einfach folgendes: Man kann bei jedem Post entscheiden, ob enge Freunde, Freunde, Bekannte oder die Öffentlichkeit den Post zu sehen bekommen - ist das realer? Es klingt zumindest praktisch, ist aber auch bei Facebook schon lange möglich. Das Design der App ist sehr schick, das Dreieck als App-Symbol wirkt modern.

So weit so gut, ich melde mich an. Dazu muss ich Namen, E-Mail-Adresse und Handynummer angeben. Dann geht es los. Ich verbinde die App mit meinen Kontakten - nur eine Person, die ich kenne, benutzt Vero. Das ist ein Problem, mit wem soll ich meine Posts teilen, wenn kaum jemand die App hat? Vero gibt es zwar schon seit 2015, ist aber erst diesen diesem Monat bekannt geworden. Vielleicht kommen die Nutzer ja noch.

Teilen von Inhalten ist so einfach wie in den anderen sozialen Netzwerken

Wie bei Facebook kann man Verbindungsanfragen an Freunde schicken oder Bloggern folgen. Ich frage mich, ob Leuten angezeigt wird, ob ich sie als enge Freunde oder Bekannte einspeichere. Um das zu testen, überrede ich eine Freundin die App zu installieren. Ich füge sie hinzu und kann auswählen, ob wir Freunde, Bekannte oder enge Freunde sind. Angezeigt wird ihr das nicht.

Alle geteilten Inhalte werden in "Collections" kategorisiert. Man kann Fotos/Videos, Links, Musik, Filme, Bücher oder Orte teilen. Als erstes empfehle ich eine Serie. Man kann zwischen "sehe ich an", "habe ich gesehen", "möchte ich sehen", "empfehle ich" oder "empfehle ich nicht" auswählen. Leider kann ich mich nur für eine Option entscheiden, obwohl ich gerne "empfehle ich" und "sehe ich an" gleichzeitig auswählen wollte. Dazu kann man einen kleinen Text verfassen und die Reichweite (Freunde, Bekannte...) einstellen.

Es fehlt: Die beliebte Story-Funktion

Posts kann man wie bei Instagram auch mit Hashtags versehen, sodass auch Fremde meine Inhalte entdecken können. Eine Story mit witzigen Bildchen und Filtern fürs Gesicht gibt es leider nicht. Videos teilen kann man trotzdem. Außerdem gibt es eine Chatfunktion mit der man Nachrichten und Bilder verschicken kann.

Viele Vero-Nutzer klagen darüber, dass die App überlastet ist und deswegen hängt, so auch meine Freundin, die die App hat. Ich habe kein Problem damit und empfehle nun einen Song. Vero ist mit Itunes verbunden und so könnten meine Follower (meine eine Followerin!) den Song umsonst anhören - coole Funktion!

Vero ordnet die Posts noch chronologisch

Der Grund für den Hype um Vero könnte an der Unzufriedenheit mit dem neuen Algorithmus bei Instagram zusammen hängen. Viele User vermissen die chronologische Ordnung in der App. Bei Vero werden Posts chronologisch geordnet und in Kategorien eingeteilt. Dass die App kein Data-Mining betreibt, also keine systematische, statistische Analyse der Daten vornimmt, finde ich auch sehr attraktiv. Auf der Webseite steht, dass Daten nur weitergegeben werden, wenn man das autorisiert. Das rechtfertigt meiner Meinung nach den zukünftigen Mitgliederbeitrag, dessen Höhe noch nicht bekannt gegeben wurde.

Die App will eine authentischere Social-Media-Plattform bieten. Dass soll wohl nur durch ein Feature passieren: Man kann die eigenen Posts in der Reichweite beschränken. Da der Social-Media-Gigant Facebook dasselbe Feature anbietet, revolutioniert die App die Branche nicht wirklich. Der Ansatz keine Werbung und keine systematischen Datenanalysen zu verwenden, macht die App meiner Meinung nach trotzdem zu einer ernsthaften Konkurrenz für Instagram und Facebook. Wenn mehr meiner Freunde Vero installieren, werde ich es definitiv weiterverwenden.

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