App-Check: Drugsmeter sagt, ob dein Drogen-Konsum noch normal ist

Savera Kang

Wie viel ist zu viel? Mit der App Drugsmeter kannst du deinen Drogenkonsum mit dem anderer User vergleichen. Wie viel Stoff benötigen andere Kiffer deiner Altersgruppe im Durchschnitt? Was die App alles weiß:



Drogenkonsum gilt als Tabu: Man bewegt sich mit dem Gebrauch der meisten Substanzen in der Illegalität, schadet der eigenen Gesundheit und verhält sich schlimmstenfalls anders, als man es ohne Zutun der Rauschmittel getan hätte. Soweit das Klischee. Zwischen einem Junkie-Dasein und völligem Verzicht liegt jedoch eine breite Grauzone.


Diese Gelegenheits-User möchte nun die Global Drug Survey ansprechen und ihr Nutzungsverhalten mittels Umfrage abbilden. Basierend auf den bereits gesammelten Daten haben die Macher das Drugs Meter entwickelt: Eine Anwendung, die den Nutzerinnen und Nutzern dabei helfen soll, den eigenen Konsum besser einzuschätzen und Gefahren zu erkennen.

Die Idee dahinter: Menschen, die nur hin und wieder zu Drogen greifen, erreichen Hilfsangebote nur selten – man hat entweder kein Problem oder ist schon ein Fall für die Entzugsklinik. Doch bei welchen Mengen bewegt man sich noch in einem Bereich, der als "normal" gilt und ab wann muss von Substanzmissbrauch gesprochen werden?

Die App, die ohne vorherige Anmeldung direkt im Browser genutzt werden kann, stellt zur Einnahme verschiedener Drogen – zu denen auch Alkohol und Tabak gezählt werden – Fragen und Antworten der Vergleichsgruppe anhand bunter Diagramme dar. Sind drei Bier vor dem Einschlafen wirklich nicht der Rede wert und ist die wochenendliche Nase Kokain noch im Rahmen?

Abgefragt werden neben den Mengen und Häufigkeiten auch die sexuelle Orientierung (warum eigentlich?), sowie die körperliche und geistige Verfassung. Dadurch sollen Teilnehmende ihr eigenes Konsumverhalten besser einschätzen können und durch den Vergleich mit anderen Gelegenheitskonsumierenden ein Bewusstsein für ein bis dahin womöglich unterschätztes Risiko bekommen.



Erik* (31) kifft jeden Tag. Nach dem Aufstehen, vor dem Schlafengehen und in den Stunden dazwischen. Er hat für fudder den Test gemacht: Die Aufmachung der Seite spricht ihn an - "Das sieht edel aus, das ist wow!" Er beantwortet die Fragen zu seinem Cannabisgebrauch ehrlich und kommt über das Jahr gerechnet – das erledigt die App für einen – auf eine beachtliche Menge.

Als der Bildschirm ihm die Zahlen präsentiert, spürt er einen erhobenen Zeigefinger. Trotzdem: "Ich werde an meinem Verhalten nichts ändern." Der Fragebogen ist für Erik ein netter Zeitvertreib, vergleichbar mit einem Online-Psychotest. Er bezweifelt, dass Leute, die Drogen nehmen, sich von den Zahlen beeindrucken lassen werden: "Diejenigen, die es anspricht, wissen eh, was Sache ist."

Auch Christoph Weber von der Freiburger Drogenhilfe DROBS findet die Idee hinter dem Drugs Meter zwar gut, doch ein Vergleich verschiedener Drogenkonsumierenden untereinander sei letztlich nicht sehr aufschlussreich, es komme vor allem auf die individuelle Situation und jeweilige Lebensphase der Nutzerinnen und Nutzer an.

Außerdem würden in vielen Fällen mehrere Substanzen parallel konsumiert, die App berücksichtigt dies jedoch nicht, obwohl Mischkonsum besonders risikoreich ist. Weber erzählt von einem aktuellen Fall, in dem eine Hilfesuchende bereits nach dem zweiten Gebrauch von LSD psychiatrische Unterstützung benötigen wird. Dass sie eine Gelegenheitskonsumentin ist, hat sie nicht vor den Nebenwirkungen bewahrt. "Ich find's auf der anderen Seite aber auch gut, dass man die Möglichkeit hat, relativ seriös Infos zu bekommen", fügt er hinzu.

Mehr dazu:

* Name geändert, der Redaktion bekannt

[Foto 1: dpa, Foto 2: Konstantin Görlich]