Streetart

Anwohner wollen illegales Graffitihaus in der Wiehre retten

Johannes Tran

Das Baurechtsamt der Stadt Freiburg bleibt dabei: Ein großflächiges Wandbild des Künstlers Tom Brane in der Wiehre soll entfernt werden. Anwohner haben eine Unterschriftenaktion zur Rettung gestartet.

Im Konflikt um das Haus in der Wiehre, das mit einem großflächigen Wandgemälde aus Graffiti besprüht wurde, hat nun das Baurechtsamt reagiert. Das Amt verteidigte seine Entscheidung vom Dienstag, die Arbeit des Graffiti-Künstlers Tom Brane kurz vor dem Ende unverzüglich einstellen zu lassen (Fotos bei fudder). Anwohner warten indessen mit einer Unterschriften-Initiative auf und haben bereits mehr als 100 Stimmen für die Erhaltung des Kunstwerks gesammelt.


"Wir gehen im Moment davon aus, dass das Graffito eine erhebliche Beeinträchtigung des Denkmals darstellt." Holger Ratzel, Baurechtsamt
Es ist bemerkenswert, wie weit die Meinungen über das Kunstwerk von Tom Brane auseinandergehen. Holger Ratzel, stellvertretender Leiter des Baurechtsamts, findet deutliche Worte für das Wandgemälde, das die komplette vordere Fassade eines Eckhauses an der Kirchstraße ziert: "Wir gehen im Moment davon aus, dass das Graffito eine erhebliche Beeinträchtigung des Denkmals darstellt."

Seine Behörde hatte das Verschönerungsprojekt mit Verweis auf den Denkmalschutz gestoppt, nachdem sie dem Hinweis eines Anwohners nachgegangen war. Bei dem Haus handele es sich um ein Gebäude, das seit 1982 in der Liste der denkmalgeschützten Bauwerke geführt werde, so Ratzel. Das neue Wandgemälde zerstöre womöglich den Charakter des Denkmals, dessen Fassade im typischen Stil des Historismus um 1870 erbaut worden sei.

Hausbesitzerin nahm wohl an, dass kein Denkmalschutz bestünde

Laut Baurechtsamt ist die Hausbesitzerin davon ausgegangen, dass ihr Haus nicht unter den Denkmalschutz fällt – stimmt aber nicht. Man habe die Künstlerarbeiten abbrechen müssen, "um den jetzigen Status zu sichern". Damit meint Ratzel die Seitenfassade des Gebäudes, die ebenfalls besprüht werden sollte.

Ganz andere Worte finden zahlreiche Anwohner, die sich am Mittwoch vor dem Haus versammeln, um Unterstützer für ihre Unterschriftenkampagne zur "Weiterführung der Bemalungen der Hausfassade" zu gewinnen. "Ich glaube, die Stimmung in der Bevölkerung ist eindeutig", sagt Max Trommsdorff, Initiator der Kampagne. Das Kunstwerk von Tom Brane sei "eine ästhetische Bereicherung für das Stadtviertel".

Ratzel weist den Vorwurf einiger Anwohner zurück, das Baurechtsamt sei in all den vorherigen Jahren, in denen das Haus wiederholt durch Schmierereien verunstaltet wurde, kein einziges Mal im Sinne des Denkmalschutzes tätig geworden: "Ganz so fürchterlich scheint das Haus aus meiner Sicht nicht ausgesehen zu haben".

Auf der Suche nach Einigung

Die Besitzerin des betroffenen Hauses wollte sich auf BZ-Anfrage nicht äußern, da sie vor einem juristischen Prozess stehe. Das Baurechtsamt hofft indes, dass es gar nicht so weit kommen muss: Man strebe eine einvernehmliche Lösung an, so Ratzel. Inzwischen hat sich auch die Gemeinderatsfraktion der Grünen gemeldet und den Baubürgermeister aufgefordert, das Graffito vollenden zu lassen und dann zu tolerieren: es sei, vor allem im Vergleich zum vorherigen verwahrlosten Zustand, ein "Hingucker".

Nichtsdestotrotz, sagt Ratzel, sei es eine Option, das Graffito zwangsweise zu übermalen, und zwar mit einer "denkmalgerechten Farbgebung und Farbqualität". Nach einer inhaltlichen Überprüfung des Falls werde sein Amt voraussichtlich im Laufe der nächsten Woche über die weitere Vorgehensweise entscheiden. "Wir stehen ganz am Anfang eines langen Prozesses", sagt Ratzel.

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