Anokato: Eine Freiburger Band ist auf Twitter der Hit

Franziska Kiedaisch

Anokato? Selbst Leute, die sich in der Freiburger Bandszene einigermaßen auskennen, kennen diesen Bandnamen meist nicht. Dabei ist das Freiburger Quintett erfolgreich. Aber (noch) nicht auf den Bühnen dieser Stadt, sondern auf Twitter. Anokato nutzen das Social Network zum Vertrieb ihrer EP - und das klappt erstaunlich gut.

Schon mal auf einem Konzert von Anokato gewesen? Nein? Keine Sorge, das ist kein Anzeichen für Unachtsamkeit in der örtlichen Musikszene – die Alternative Rock-Band verfolgt nämlich momentan ein erstaunliches Konzept: Promotion über Twitter.


Nur wer der Band auf Twitter folgt, erhält ihre EP kostenlos. Der Gegenwert: Eine Werbe-Nachricht auf dem eigenen Account und die Zwitscher-Freundschaft mit Anokato. Und das scheint zu funktionieren: bis jetzt haben sie schon über 7.000 Follower. „Es ist schon lustig, was so ein Twitter-Auftritt bewirken kann. Avril Lavigne hat uns zum Beispiel geschrieben“, sagt Schlagzeuger Nico. „Wir experimentieren eben gerne – auch im Internet", fügt Bassist Thilo hinzu.



„Drunter und drüber“
bedeutet das aus dem Griechischen entlehnte Wort "Anokato"  - und das trifft ziemlich genau den Nagel auf den Kopf. Bereits beim Proberaum der fünfköpfigen Kombo läuft es irgendwie... ja, drunter und drüber. Wasserschäden sind dort unvermeidbar, denn über dem mit Lichterketten und Lavalampen illuminierten Raum im Keller einer Halle auf dem Gelände des Güterbahnhofs tropft es manchmal von der Decke. „Das liegt an den Toiletten, die sich über unserem Proberaum befinden und für verschiedene Events genutzt werden“, sagt Titusz, der bei Anokato singt, Gitarre spielt und die meisten Texte schreibt.

Trotzdem sind die Bandmitglieder mehr als zufrieden mit ihrem Raum, der sie vor fünf Jahren vereint hat. „Ich habe eine Annonce aufgegeben, in der es hieß: Schlagzeuger mit Proberaum sucht Band“, sagt Nico, der eigentlich studiert. „Und Titusz und ich haben einen Schlagzeuger mit Proberaum gesucht“, fügt Thilo grinsend hinzu. Titusz und Thilo kannten sich bereits von der Arbeit, denn sie sind beide im IT-Bereich tätig. Daneben gehören noch zwei weitere Bandmitglieder zu Anokato: Sängerin Lilly, im „normalen Leben“ Redakteurin, und seit ungefähr zwei Jahren dabei ist, und Benjamin, ebenfalls Student, der erst kürzlich – als Ersatz für Dominik – zur Band dazu gestoßen ist. Er singt und spielt außerdem Gitarre, Bass und Keyboard. Die jüngsten Mitglieder sind in den Zwanzigern, die älteren gehen auf die Vierzig zu.

Ihre Songs schreiben sie alle selbst. Dabei heraus kommt ein „ange-waveter Rock“, wie Thilo es formuliert. Höhen und Tiefen, laute und leise Passagen, alles getragen von einer starken Bass-Linie und explodierenden Drums – das ist der Sound von Anokato. Crossover würde man vielleicht in Expertenkreisen sagen, doch da wollen sich die Bandmitglieder nicht festlegen. „Wir experimieren herum und irgendwann fügt sich alles zusammen zu einem roten Faden, zu einem eigenen Stil“, sagt Titusz.



Live ist die Band im Moment nicht unterwegs: sie sich zunächst auf das neue Bandmitglied einstellen. „Durch den Wegfall von Dominik müssen wir uns jetzt erstmal wieder neu formieren. Er war fast von Beginn an dabei“, sagt Titusz. „Eigentlich wollten wir dieses Jahr öfter auftreten – wir hätten sogar auf dem Sziget in Budapest spielen können - aber jetzt steht die Arbeit am zweiten Teil unseres Albums erstmal im Vordergrund“, sagt Titusz. Bis auf das Mixen und Mastern übernehmen die Mitglieder von Anokato da alles selbst. Ab dem Herbst soll das anders werden „Wir haben echt wieder Lust darauf, aufzutreten, Live-Experimente zu wagen. Wir möchten nämlich in erster Linie als Liveband verstanden werden“, sagt Titusz.



Wichtig sei ihnen vor allem der Spaß bei den wöchentlichen Bandproben und der Abstand zum Alltag: „Wir haben keine Visionen, wollen nicht den Olymp erklimmen. Die Musik ist für uns eine Art Therapie vom Alltag“, sagt Titusz. Ehrgeiz sei da vollkommen falsch angebracht, denn es gehe ihnen um die Energie, die freigesetzt würde durch das Musik machen, um den „magischen Moment“, wie Titusz es formuliert. „Niemand ist hier ein perfekter Musiker. Aber darum geht es auch gar nicht, denn was die Leidenschaft betrifft, macht es keinen Unterschied, ob man nun Profi ist oder die Musik als Hobby sieht“, fügt Titusz hinzu.

Die Leidenschaft am Musik-Machen – das ist es, was Anokato wohl am besten beschreibt. Dazu gesellen sich pragmatische Texte, die es den Hörern erlauben, alltägliche Dinge zu hinterfragen und nicht alles für bare Münze zu halten, was vermeintlich normal erscheint. Bis zum Herbst wird sich die Band aber wohl noch auf dem Gelände des Güterbahnhofs versteckt halten, denn: „Wir machen uns gerne rar“, schmunzelt Thilo – nicht ganz ohne Ironie.



DeZombify Yourself - Episode 1 - By Anokato

Quelle: YouTube
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