Am Sonntag spielen Freiburger Schauspielstudenten "Romeo und Julia" - im Crash

Vanja Tadic

"Romeo und Julia" und das Crash - das scheint nicht zu passen. Passt es doch, sagen Markus Schlüter und Hannah Schwegler. Die zwei führen zusammen mit Studenten der Freiburger Schauspielschule Shakespeares Klassiker nämlich genau dort auf - am Sonntagabend:



Markus, was verbindest du mit der Tragödie "Romeo und Julia"?

Markus: Es ist einfach mein Lieblingsstück. Wahnsinnig gut geschrieben und zeitlos, wie das Hauptthema der absoluten Liebe. Was ich daran spannend finde, ist, dass sich die Protagonisten gegen ein bestehendes System wehren, das ihnen auferlegt, wie sie leben sollen. Das sie sich nicht lieben dürfen. Die Frage ist ja: Verknallen sich die beiden nicht genau deswegen? Und ist das überhaupt die tolle große Liebe wie alle meinen?

Und wie kamt ihr auf das Crash?

Hannah: Tatsächlich war das eine spontane Idee. Da wir kein Bühnenbild haben und sich das Stück gut in den Raum einfügt, war das Crash für uns ein spannender Ort. Das Stück spielt auf der Tanzfläche, wo wir die archaischen Säulen haben, die "Romeo und Julia"  etwas mehr Kraft verleihen und eine schöne Kompomente bilden.

Markus: Ich war früher fast jedes Wochenende im Crash und habe es einfach geliebt. Es ist ein einzigartiger Laden. Ich habe in Hamburg, Berlin und anderen Städten gelebt und so einen coolen Laden wie das Crash habe ich nie wieder gefunden. Den gibt es ja auch schon seit dreißig Jahren und das spürt man einfach. Immer, wenn ich dort getanzt habe, dachte ich: 'Hier möchte ich auch mal was aufführen'. Auf der Tanzfläche. Wir haben es umgedreht: Die Leute blicken von der eigentlichen Bühne auf die Schauspieler runter - wie in einer Kampfarena. Der Sound ist natürlich auch großartig.

Warum habt ihr kein Bühnenbild?

Markus: Ich möchte nur das auf der Bühne sehen, was es wirklich braucht. Bei Romeo und Julia, wo es um die Liebe geht, um die Verschmelzung zweier Menschen, da will ich auch nur Menschen sehen und keinen Balkon. Witzig ist ja, dass der Balkon bei Shakespeare im Stück gar nicht drin steht. Alle sprechen immer von der Balkonszene und wörtlich gibt es nur ein Fenster. Außerdem lässt man dem Zuschauer so mehr Fantasie übrig.

Hannah: Für mich ist es im Verlauf dieses Stücks zu einem ästhetischen Mittel geworden. Sowohl die Musik als auch das Schauspiel ist etwas Vergängliches. Du siehst es zwei Stunden und dann ist es weg, du kannst es nicht wiederholen und das unterstützt es, wenn du kein Bühnenbild hast.

Hannah, mit was für Musik begleitest du das Stück?

Hannah: Eine genaue Musikrichtung habe ich nicht, es geht aber viel vom Cello aus. In Bezug auf das "Nicht-Bühnenbild" wollte ich etwas machen, das Atmosphäre schafft. Also habe ich mehr Sound als Musik gemacht, um die Szenen zu unterstützen. Alltagsgeräusche und Beats. Selbst die Schauspieler haben die Musik in manchen Szenen gar nicht gehört. Viel wird über den Sound gelöst, beispielsweise eine Morgenszene mit Vogelgezwitscher und langsam heller werdendem Licht.

Wenn sich jemand das Stück im Januar angesehen hat und jetzt am Sonntag im Crash anschaut, was für einen Unterschied wird er erleben?

Markus: Die Experimentalbühne ist ein schwarzer Raum und jetzt sind wir auf einer Tanzfläche in einer Disco im Keller, wo die Zuschauer von oben zusehen. Das ist ganz anders.

Hannah: Das Crash ist, glaube ich, gut für junge Leute. Es nimmt dem Ganzen diesen Kunsternst.

Mehr dazu:

Was: "Romeo und Julia" von William Shakespeare
Wann: Sonntag, 05.06.2016 um 18 Uhr
Wo: Crash Freiburg, Schnewlinstraße
Eintritt: 15/10 Euro (ermäßigt)
[Foto: Andreas Lörcher/Veranstalter]