Am Samstag eröffnet die Ausstellung Öl, Holz und Knochen in der hilda5

Maleen Thiele

Im Rahmen des Kulturaggregats Freiburg präsentiert die hilda5 ab kommenden Samstag die Gemeinschaftsausstellung Öl, Holz und Knochen. fudder hat mit einem der Künstler, Johannes Baptista Ludwig, über die Ausstellung und seine Skulpturen gesprochen.

Am Samstag eröffnet die Ausstellung Öl, Holz und Knochen. Wie würden Sie die Kunst beschreiben, die dort zu sehen ist?

Johannes Baptista Ludwig: Es sind drei Künstler, die dort ausstellen, Christian Felder, Andreas Pistner und ich. Letztendlich kann man alles zu Urban Arts zählen. Alles ist sehr illustrativ und größtenteils am Comic angelehnt. Die Zuschauer können sich auf Ölmalereien, auf illustratorische Zeichnungen, auf Holz und Knochenskulpturen freuen. Bei allen drei Richtungen geht es um einen surrealistischen, bizarren Moment - also auch ein Erkennungsmerkmal der Urban Arts.

In der Ausstellung stellen Sie Skulpturen aus der Reihe The Boney Toons aus. Welche Themen lassen Sie hierbei einfließen?

Ich habe mir mal irgendwann die Frage gestellt, wie lange meine ehemaligen Comichelden eigentlich leben. Als Comicfigur sind sie ja eigentlich unsterblich, weil sie immerzu neu ausgestrahlt werden. Doch die eigentliche Sterblichkeit, der existentialistische Moment, das ist das, was mich reizt. Normalerweise sehen eine Katze oder eine Maus eben nicht so aus, weil sie ja eigentlich schon dreißig Jahre alt sein sollten. Ich stelle mir dann die Frage, wie sie jetzt aussehen müssten. Und ob ich es schaffe, den Betrachter an diesen Punkt des Lebensendes irgendwie mitzuziehen um dem Ganzen trotzdem mit Humor zu begegnen. Ich möchte die Angst vor dem Endpunkt thematisieren. Dafür habe ich Comicfiguren gewählt, weil sie dieses Thema viel leichter transportieren können.

Sie sagen, die Figuren wurden schon vor langer Zeit von ihren Schöpfern ausgebeutet.

Die Figuren sind schon lange tot und sie müssen nach wie vor ihren Dienst tun. Natürlich haben sie jetzt neue Kollegen, aber sie müssen immer wieder ran und neu auferstehen. Sie müssen sich als animatorische Leichen immer wieder neu aufstellen.

Eine Ihrer Skulpturen trägt den Namen Burnout Mickey. Was hat Sie zu diesem Werk inspiriert?

Burnout Mickey ist für mich eine Figur, die das Voranschreiten illustriert. Hier ist der Materialkontrast der vordergründige Reiz. Und die Figur auf ein kaputtes Kinderfahrrad aus dem 19. Jahrhundert zu setzen hat für mich eine gute Wirkung. Jedoch stellt sich immer die Frage, was der Betrachter sieht. Ich möchte da nicht ganz so viel hineininterpretieren, weil das auch nicht meine Aufgabe ist. Je mehr man hineininterpretiert, desto mehr nimmt man irgendwie weg. Man verliert dann den Spielraum. Vieles beim Schaffen passiert impulsiv, deshalb finde ich die Frage nach der Intention schwierig.

Welche Materialien benutzen Sie?

Für meine Skulpturen benutze ich Materialien aus verschiedenen Bereichen meines Lebens - zum Beispiel zahntechnisches Material oder tierische Knochen. Ich nehme vor allem Materialien, die mich besonders reizen, weil sie von der Verarbeitung relativ kompliziert sind - wie zum Beispiel Gummiringe, aus denen ich die Muskeln baue, die das ganze realistischer aussehen lassen, aber natürlich nicht so leicht zu händeln sind. Häufig weiß ich zu Anfangs nicht, wie ich mit der Materialität umgehen soll und ich versuche mich dann langsam heranzutasten und schaue, wie das Material am besten plastisch einzusetzen ist. Ebenfalls benutze ich Reste wie Papier und Kartonagen. Es geht ja bei den Figuren immer sehr stark um den Verfall. Also um einen existentialistischen Moment, der durch solche Materialien widergespiegelt wird.
Johannes Baptista Ludwig wurde 1975 in Würzburg geboren. Er studierte Kommunikationsdesign an der FH Mainz sowie Animation an der Bezalel Akademie für Kunst und Design in Jerusalem. Mit seinen Arbeiten gewann er internationale Design- und Filmpreise. Seine Werke sind immer wieder in Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen. Ausstellungsorte waren unter anderem in Berlin, München und Granville, Frankreich. Mit seinen Skulpturen aus der Reihe The Boney Toons erweckt er bekannte Cartoonhelden zum Leben, indem er sie Verfallserscheinungen aussetzt.

Was: Ausstellung: Öl, Holz und Knochen

Wann: 10. März bis 4. April 2018, Vernissage: 10. März 2018, um 18 Uhr

Wo: hilda 5, Hildastraße 5

Facebook-Veranstaltung:

Öl, Holz und Knochen - Vernissage