Als Bierzapfer beim Hosen-Konzert: Blutige Hände und Beleidigungen

Bernhard Amelung & Carolin Buchheim

Lange Wartezeiten an den Getränkeständen sorgten beim Konzert der Toten Hosen am vergangenen Wochenende für Unmut bei den Besuchern. Jetzt hat sich ein Bierzapfer zu Wort gemeldet. Wie er das Chaos von der anderen Seite der Theke erlebt hat:



"Am Ende des Abends hatte ich blutige Hände. Naheliegend, wenn man etwa 4000 Getränkeflaschen ohne Handschuhe aufdrehen muss", sagt Michael Moser (Name geändert). Der 24-jährige Student arbeitete am vergangenen Samstag auf dem Toten-Hosen-Open-Air hinter der Theke eines Getränkezelts.


Damit wurde er unfreiwillig zum Frustableiter für alle Konzertbesucher, die eine Stunde und länger anstehen mussten, um sich ein Bier oder Softdrinks kaufen zu können. Er wurde angeschrien, beleidigt und angepöbelt. "Wir trugen Namensschilder. Die aufgebrachten Menschen uns beim Namen riefen. Das war schon schlimm. Es ging drunter und drüber."

Michael bringt langjährige Erfahrung im Bereich Catering und Events mit. Neben seinem Lehramtsstudium hat er schon für verschiedene Caterer und Veranstalter gearbeitet, unter anderem in einer Studentenkneipe in Freiburg. Mit hektischer Betriebsamkeit, Zeitdruck und gereizten Gästen kann er umgehen. An seinem Einsatz an der Neuen Messe bemängelt er vor allem die schlechte Organisation der Bier- und Getränkezelte. "Man braucht kein spezielles Briefing, um etwas zu verkaufen", sagt er.

Der Personaldienstleister, die Freiburger Mehrpunkt GmbH & Co. KG, habe ihr Personal jedoch erst spät über den Einsatz informiert. Michael erfuhr erst am Mittwoch vor dem Konzert, dass er überhaupt gebraucht werde. „Am Dienstagabend erhielt ich eine erste E-Mail. In der stand, dass weitere Informationen zu meinem Arbeitseinsatz folgen werden. Am Mittwochmorgen bekam ich eine zweite, am Mittwochnachmittag eine dritte E-Mail. Dann erst stand fest, dass ich tatsächlich arbeiten soll. Am Donnerstagmorgen folgte eine vierte Nachricht. Das war alles etwas wirr."

Dass sein Arbeitseinsatz in wilder Hektik enden werde, wurde Michael bereits am Samstagnachmittag klar. Er und seine Mitarbeiter sollten sich spätestens um 15 Uhr zum Dienstantritt melden. Arbeitsbeginn war um 16 Uhr. Zur selben Zeit wurden die Konzertbesucher eingelassen. Viele strömten als erstes zu den Getränkezelten. "Ein solcher Ansturm ist bewältigbar, wenn jeder weiß, was er zu tun hat", sagt er. Doch erhielten er und seine Arbeitskollegen nur eine sehr kurze Einweisung.

Auch seien nicht genügend Mitarbeiter vor Ort gewesen, die für einen kontinuierlichen Nachschub mit Material und Getränken hätten sorgen können. So soll es zwar einen sogenannten Zeltverantwortlichen gegeben haben. "Der wurde wahrscheinlich auch nur für diesen Tag angelernt“, vermutet Michael. „Wer in einem der kleinen Zelte gearbeitet hatte, musste Becher und Getränke vom Großzelt selbst holen. Wir haben versucht, uns selbst zu organisieren. Wir sind dauernd hin und her gehetzt."



Erschwerend kam hinzu: jeder Mitarbeiter war für zu viel Thekenlänge zuständig. Dazu kamen auch noch zu viele Aufgaben pro Person. "Im Bierzelt haben welche gleichzeitig gezapft und verkauft. In den kleinen Zelten mussten sie gleichzeitig Sekt ausschenken, Longdrinks mischen und verkaufen. Wir hätten das Doppelte an Personal sein müssen. Das konnte nicht funktionieren", erzählt Michael. Unterstützung bekamen die Bediensteten von Mitarbeitern der Technikfirmen und des Sicherheitsdiensts.

Nach dem Konzert gingen er und viele seiner Kollegen sofort nach Hause. Er schrieb eine Beschwerdemail, bekam darauf jedoch keine Antwort. Erst Tage später entschuldigte sich die Mehrpunkt GmbH & Co. KG in einer E-Mail pauschal für alle Fehler. "Trotzdem würde ich nicht noch einmal für diesen Personaldienstleister arbeiten", sagt Michael.

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[Bild 1: Symbolbild © 2bolinphoto - Fotolia.com; Bild 2: fudders Nightlife-Guru]