Akträume im E-Werk

Helena Barop

Im Januar wird im E-Werk eine besondere Ausstellung eröffnet. Die Studentengruppe der "Zeitgenossen" zeigt Bilder, Tapeten und Performances mit viel nackter Haut. Wir haben die Zeitgenossen bekleidet im E-Werk besucht und durften schon mal ein paar Bilder sehen.



„So, und das ist die Pfeilerhalle“, erklärt Johanna Meier mit leuchtenden Augen. Eine Gruppe von fünf Studenten und einem Künstler betritt eine gewölbeartige Halle im E-Werk. Früher standen hier die Maschinen eines Umspannwerks. Weiße Wände, weiße Pfeiler, ein paar Rundbögen und kleine, sich anschließende Räume.


Fiona Hesse, Sebastian Böhm, Samuel Dangel, Johanna Meier, und Daniel Tischer sind „die Zeitgenossen“. Dass sie heute in der Pfeilerhalle stehen können, ist für sie ein großer Moment. Seit Monaten arbeiten sie darauf hin, haben telefoniert, geredet, gedacht, diskutiert, gekämpft und nebenbei an ihren Abschlüssen gebastelt. Jetzt haben sie ihn: Einen Raum für ihre Ausstellung.



Die fünf wollen mehr aus dem Studium ziehen als Vorlesungen und Hausarbeiten. Sie wollen lernen, erleben und selber machen. Sie wollen etwas zu bieten haben, wenn sie mit ihren Abschlüssen von der Uni gehen, wollen keine Fachidioten werden. Deshalb haben sie in den vergangenen zwei Jahren angefangen, selbst Projekte auf die Beine zu stellen. Am Anfang stand eine Inszenierung des zeitgenössischen Theaterstücks Todesvariationen, das sie im Januar 2007 im Peterhofkeller präsentierten. Anfang dieses Jahres folgte das ct-Festival, bei dem Studenten für eine Viertelstunde mit der Bühne machen konnten, was sie wollten.

Jetzt also eine Ausstellung. Den Künstler Markus Reck haben die Zeitgenossen schon bei ihren Todesvariationen kennengelernt, damals hatte er ein Foto für das Plakat gemacht. Auch er studiert an der Uni Freiburg, hat jedoch schon Bildungsetappen an den Jazz- und Rockschulen Rastatt und Freiburg und eine fototechnische Ausbildung hinter sich.



Seine Aktfotografie in die Pfeilerhalle zu bringen, das ist der Plan der Zeitgenossen. Aber nicht irgendwie, sondern als offizielle Ausstellung mit Vernissage, Finissage, Katalog, begleitenden Performances en passant, kurzen Lesungen und sogar mit eigens für das Projekt komponierter und produzierter Musik, deren Percussions aus Körpergeräuschen bestehen.



Wie viel Arbeit das alles am Ende ist, hatte sich keiner der fünf Studenten richtig vorstellen können. Seit dieser Woche sind die Räume für sie geöffnet und sofort wird konzipiert und gebohrt. Ein Sofa, bezogen mit Aktornamentenstoff, steht schon im Vorraum, Tapeten mit dem gleichen Muster liegen auf dem Boden und sollen an die Wand, die extra für sie noch gezimmert werden muss. Auch die ersten Bilder sind schon da, allerdings noch in Kartons.



Im Vorraum der Halle hämmert und bohrt man. Fiona Hesse, die mit dem Kompetenzbereich Kuration betreut ist, schlendert neben Künstler Reck durch die Halle, alle trinken Kaffee und langsam wird eine Idee Realität. „Man hat so viel im Kopf und es ist so faszinierend zu sehen, wie das dann Wirklichkeit wird. Ich kann mir jetzt erst richtig vorstellen, dass wir eine Ausstellung machen“, sagt Fiona. Jetzt, wo es etwas zum Anfassen gibt. Und einen Raum.



In Zeiten der Finanzkrise saßen die Spenden bei den Freiburger Sponsoren nicht besonders locker. Das aufgetriebene Geld reicht gerade fürs Material. Die Arbeit von Studenten und Künstler wird allein mit dem Gefühl entschädigt, es geschafft zu haben. Doch ohne das großzügige Angebot des E-Werks wäre all das nicht möglich gewesen. Die Zeitgenossen dürfen die Pfeilerhalle kostenlos nutzen, sogar die technische Unterstützung durch hausinterne Profis ist inklusive. Einfach, weil Siegfried Dittler das Projekt gefallen hat.



Ab jetzt ist das also ihre Halle, noch bis Februar. Doch es bleibt wenig Zeit, diesen Triumph zu genießen. Die Hängung der Bilder, die Organisation der Eröffnungsfeier, das Layout des Katalogs, es ist noch so viel zu tun. Ein paar schlaflose Nächte erwarten die Zeitgenossen noch, bis die Ausstellung eröffnet wird. Aber: „Dann ist man nur noch glücklich“, glaubt Sebastian Böhm.

Mehr dazu:

Web: Akträume
Was: Ausstellung "Akträume" von den Zeitgenossen und Markus Reck
Wann: 16. Januar bis 15. Februar 2009
Wo: E-Werk, Pfeilerhalle, Ferdinand-Weiß-Straße 6A