Äl Jawala: Tanzbarer Kulturschock im Spiegelzelt

Dana Hoffmann

Lust auf Orchester, Jazz-Combo oder Punkband? Gestern nicht beim ZMF gewesen? Pech gehabt, denn Äl Jawala haben mal wieder mit ihrer Vielfalt begeistert. Dana berichtet für die Daheimgebliebenen. Und alle anderen.



Niemand weiß so richtig, woher sie auf einmal kam, diese Welle der Begeisterung für orientalisch anmutende Melodien, ohne Gesang, ohne den typischen tschak-bum-Rhythmus.


Freiburg ist auf jeden Fall eines der Epizentren der BalkanBigBeats und mit Schuld daran sind Äl Jawala. Die Freiburger Band hat es in den vergangenen Jahren geschafft, das bis dahin doch recht eintönige Partyleben der Stadt entscheidend mit zu prägen: Balkan-Partys im Jazzhaus und im Waldsee sind schon lange keine Geheimtipps mehr, sondern Publikumsmagneten wie der bewährte „Summer of love“.

Das Publikum vermochte gestern nun nicht, das ganze Spiegelzelt zu füllen. Feiern konnten die Fans aber wie ein ganzes Stadion. Und schwitzen. Fast zwei Stunden lang wurde gehüpft, geklatscht und getanzt, direkt vor der Bühne mit Blickkontakt zu Steffi Schimmer und Krischan Lukanow oder weiter hinten vor der Bar mit Platz und wenigen Abkühlungen durch die offene Eingangstür.



Die waren mitunter auch dringend nötig, Pausen gab es zwischen den Stücken nämlich so gut wie gar nicht. Eher Überblendungen durch hervorragende Soli aller fünf Bandmitglieder wahlweise am Saxophon, Schlagzeug oder Digeridoo. Das sympathische Publikum belohnte die Combo mit frenetischem Applaus und Pfeifkonzerten. Zum Heimspiel der Freiburger waren sowohl alte Fans wie auch neue Freunde auf’s ZMF-Gelände gekommen.

Letztere waren es dann wohl auch, die bereits nach einer Zugabe und der freundlichen Bitte um reichlichen CD- und T-Shirt-Erwerb nach draußen strömten. Einige hatten Glück und bemerkten gerade noch rechtzeitig, dass die Musiker noch mal ansetzten. Die anderen: Dumm gelaufen. Auch das finale Finale war dann nämlich ein Ohrenschmaus, der in die Beine ging. Kaum einen der Gäste, die zu Beginn des Konzerts in den lauschigen Sepparés Platz genommen hatten, konnte es auf den Plüschbänken halten. Auch Balkanbeats-Neulinge zeigten sich angetan von der Musik.



Die hörte sich zwar oft so an, als hätte man die gleiche Melodie vor wenigen Minuten schon mal gehört. Aber irgendwie schafften es die Bandmitglieder immer wieder, die Musik neu zu erfinden. Mit abwechslungsreichen Improvisationen und Soli, Instrumentwechsel und Bühnengebaren konnten die fünf das altersmäßig gemischte Publikum begeistern.

BalkanBigBeats – das verspricht im Fall von Äl Jawala mehr zu sein als nur eine musikalische Modeerscheinung. Immer hat man das Gefühl im Herzen des Balkans zu sein und gleichzeitig auf einer Familienfeier, einer Großstadtdisko, einer Studentenparty. Stilmix, Kreativität und nicht zuletzt Mut zur musikalischen Grenzüberschreitung haben gestern wieder einmal dem großen Erfolg von Äl Jawala Rechnung getragen.

Als dann nach einer Hand voll weiterer Zugaben das Konzert tatsächlich vorbei war, konnte man den ein oder anderen auf dem Weg zum Parkplatz noch mal innehalten und lauschen sehen: Wir wären gern noch weiter gehüpft.

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