Äl Jawala im E-Werk: Balkanbeatekstase

Alexander Ochs

Heimspiel für die Großmeister der Balkan Big Beats: Äl Jawala riefen, alle kamen. Zusammen mit den Beatboxern Acoustic Instinct brachten sie das ausverkaufte E-Werk zum Kochen. Ein buntes Treiben, das zudem für eine DVD gefilmt wurde. Alex war für fudder am Schwitzen.



Kiddies, Studis, Oldies

Filmreif schon die Kulisse: Bestimmt hundert Fans mussten nach Hause geschickt werden. Das E-Werk war restlos ausverkauft. Eine zusammengewürfelte Menge hat sich eingefunden, um den Großmeistern der Balkan Big Beats zu huldigen – von acht, neun Jahre alten Kids am Bühnenrand und einigen Rollstuhlfahrern in der ersten Reihe über Schüler und Studis bis hin zum Gros der Thirtysomethings und sogar weit älteren Semestern um die 60. Äl Jawala – ein generationsübergreifendes Phänomen.

Sex’n’Sax

Kaum hat das Quintett die ersten Takte hingelegt, da kocht der Saal bereits. Zuerst ertönen Drums und Percussions, dann steigen die beiden Saxophone synchron ein. Der Sax-Part startet ruhig, steigert sich stetig, wird lauter und lauter, bis er schließlich in einem fetten Beat aufgeht.

Mit ansteckend guter Laune und bis über beide Ohren vor Freude strahlend bearbeitet Markus Schumacher sein Percussion-Set. Bassist Daniel Verdier lässt sexy Bässe aus den Boxen tropfen und findet immer wieder Zeit, mit den Kids zu spaßen. Beeindruckend auch, wie Steffi Schimmer und Krischan Lukanow über volle zwei Stunden ihr meist synchrones Saxophonspiel fein und druckvoll durchziehen.



Tanzwut

Krischan ist es auch, der die Ansagen übernimmt und den Zuschauern das Stück „Nortwind“ ankündigt. Den hat man im Schweißtreiben des Balkan-Schmelztiegels dringend herbeigesehnt. Wenn Äl Jawala ihre Mixtur aus Gypsy, Klezmer, Manele, orientalischen Einsprengseln – Weltmusik im weitesten Sinne – anrühren und mit Drum’n’Bass und fetten Grooves garnieren, entsteht ein brodelndes Gebräu, das auch überzeugten Nicht-Tänzern die Tanzwut in die Adern pumpt.



Balkanbeatbox

Dabei stand der Höhepunkt des Abends noch aus. Als die Freiburger Beatboxer Acoustic Instinct die Bühne betreten und Paul „Draußen vor dem Tore“ (Rap-Cover von Franz Schuberts "Leiermann", d. Red.) anstimmt, kocht das E-Werk, erstmal ent-elektrifiziert, aber hochgradig elektrisiert, vollends über. Gemeinsam mit den Äl Jawalas schmeißen Teddy, Paul und Julian die Balkanbeatbox an. Eine perfekte Symbiose. Auf Kommando duckt sich jeder im Saal, danach wird hemmungslos gehüpft. Mit tosendem Applaus verschwindet das Trio nach ein paar gemeinsamen Nummern wieder von der Bühne.



Girls on Film

Hinter der Bühne wabern, fein abgestimmt auf die Musik, typische Äl-Jawala-Symbole über die Leinwand. An allen Ecken und Enden wird gefilmt, jeder Zuschauer ist Teil eines mitreißenden Spektakels.

Bei der Zugabe lassen sich die komplett in Schwarz gewandeten Lokalmatadore nicht lange bitten. Sie wissen, was sie ihrem Freiburger Publikum schuldig sind. Eine der Zugaben bestreiten sie mit Didgeridoo, Schlagzeug und Bass, so dass die zuvor auch im dialogischen Wechselspiel begeisternden Saxophonisten endlich zur verdienten Verschnaufpause kommen. Dafür dürfen Acoustic Instinct noch mal eines klarmachen: „All I need/ Is a funky beat!“

Kettenbehangene, langmähnige Frauen drehen in Schlabberhosen und Streifenstrumpfhosen in schwelgerischer Beat-Ekstase unermüdlich ihre selbstvergessenen Tanzrunden. Auch 40-Jährige geraten vollkommen außer Rand und Band bei dieser Band. Das lässt auf eine gelungene Konzert-DVD hoffen.