Adam Green: Kinderlieder im Jazzhaus

Ruben Sakowsky

Der schräge Folk-Musiker Adam Green präsentierte am Donnerstagabend im Jazzhaus seine gewohnt hampelige Bühnenshow, dreckige Texte und eine ordentliche musikalische Performance.



Adam Green
hat angesetzt. Davon kann auch das merkwürdige Outfit des Folk-Musikers nicht ablenken, das der Endzwanziger am Donnerstagabend im Jazzhaus präsentiert. Green betritt gegen 20 nach neun die Bühne mit grünem Stahlhelm und einem dunkelbraunen Langarmshirt, an dessen Armen Flügel aus weißen Fransen angenäht sind.


Green, dessen gepflegtes Bäuchlein unter dem engen Shirt gut zu sehen ist, sieht damit aus wie eine Mischung aus Western-Musiker und pummeligem Hühnchen beim ersten Flugversuch. Diesem Eindruck schafft auch sein Tanzstil keine Abhilfe: Green wedelt heftig mit den beflügelten dünnen Armen und stolpert, torkelt und taumelt derart ungelenk über die Bühne, dass er bei einer Gelegenheit beinahe seinen Bassisten über den Haufen hampelt.

So sehr strengt die zappelige Choreographie den Sänger und Liedermacher an, dass die berühmte Wuschelmähne des New Yorkers bald nur noch ein nasser Lappen ist und sich Green bereits nach den ersten Liedern eine Wasserflasche über den Kopf gießen muss.



Ähnlich kurios wie Greens mittlerweile bekannte Bühnen-Blödelei ist die Kombination der Musiker, die Green um sich versammelt hat. Der Mann am Keyboard mit den gelockten, langen schwarzen Haaren, dem fein geschnittenen Gesicht und dem tiefen V-Ausschnitt würde mit seinem dandyesken Aussehen eher in ein Kaffeehaus als auf die Bühne passen, während der Gittarrist in engen Jeans und Karohemd mit seinem Cowboy-Schnauzer so aussieht, als wäre er dem Coen-Film „No Country for Old Man“ entsprungen.

Einen hübschen Anblick bieten die beiden Background-Sängerinnen, die mit ihrer ruhigen Choreographie nicht nur für einen angenehmen Kontrast zum Zappelphillip Green sorgen, sondern dessen Gesang mit ihren souligen Stimmen überraschend stimmig ergänzen. So genießen die rund 250 Besucher im Jazzhaus eine ordentliche musikalische Performance: Greens volle, tiefe Stimme füllt die Backsteingemäuer des Jazzhauses ohne Probleme aus, ist allerdings teilweise etwas übersteuert. Die Band spielt den gut 70-minütigen Auftritt hindurch sehr solide, lediglich der Schlagzeuger trommelt sich etwas zu stark in den Vordergrund, was besonders bei den ruhigeren Stücken störend wirkt.

 



Die Zusammenstellung der Lieder ist gelungen: Schnelle Songs (bei denen sich der Drummer mal so richtig austoben darf) folgen auf melodische Solo-Einlagen Greens und soulige Stücke. Besonders gut gefallen dem bunt gemischten Publikum der großartige Ohrwurm Dance With Me und der Song Bluebirds, den Green allein mit der Akustik-Gitarre vorträgt.

Unter den zufriedenen Konzertbesuchern befinden sich neben Teenagern und Studenten auch einige ältere Zuschauer: Ein Herr um die 50 mit randloser Brille, Schnauzbart, freundlichem Blick und lichtem Haar hat sich mit seiner etwa 15-jährigen Tochter in die vorderen Reihen gewagt. Diese passt mit ihrem knallroten Top und den weißen Sneakern weit besser zum übrigen Publikum als ihr Vater, der sich ein ironisches schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift „If my music is too loud, you're too old“ über den erkennbaren Bauchansatz gestreift hat. Eigentlich stehe er eher auf Volksmusik, sagt er nach dem Konzert. Adam Green habe ihn aber positiv überrascht.

Jüngster Besucher des Abends ist der zehnjährige Jonathan, der mit seinem Papa hier ist. „Jonathan mag Adam Green, vor allem die Lieder Emily und Musical Ladders“, erzählt Jonathans Vater, „das sind ja auch eher Kinderlieder. Die Texte versteht er ja noch nicht.“ Das ist wohl auch besser so, denn bevor das Konzert endet, hat der für seine schmutzigen Texte bekannte Green freimütig von seiner Liebe zu Drogen, Penis-beißenden Huren und Kinderschändern gesungen.

Nicht schlecht für einen Abend.

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