Geburtstagsparty XXL

900 Jahre Freiburg – 450 Ideen fürs Jubiläum

Simone Lutz

Die Planer des Freiburger Stadtjubiläums haben ein unerwartetes Problem: Es gibt viel zu viele Programmideen. 450 Projekte wurden vorgeschlagen – nicht alle können finanziert werden.

Im Jahr 2020 feiert Freiburg Geburtstag – 900 Jahre wird die Stadt alt. Wie das Jubiläum begangen wird, ist inzwischen in groben Zügen klar. Gefeiert wird das ganze Jahr über, das zentrale Festwochenende ist für Juli geplant – mit viel Programm auf einer großen Bühne am Münsterplatz und auf drei weiteren entlang des Rotteckrings. Ein Problem haben die Organisatoren allerdings: Viel mehr Menschen haben Ideen zum Programm beigesteuert als verwirklicht werden können.


"Anfangs lief es schleppend", sagt Holger Thiemann, "inzwischen hat das Ganze Fahrt aufgenommen." Der Leiter der städtischen Projektgruppe Stadtjubiläum bereitet die große Sause seit April diesen Jahres vor.

Ein Fest von, mit und für alle Freiburgerinnen und Freiburger soll es werden, mit zentralen und dezentralen Veranstaltungen, die das ganze Jahr 2020 über laufen.

Was wird verwirklicht – und was nicht?

Die Freiburger selbst konnten dafür Ideen, Vorschläge und Projekte einreichen. Mehr als 450 kamen zusammen – viel mehr als gedacht und auch viel mehr als finanzierbar. Denn insgesamt belaufen sich die Kosten für alle Projekte auf 15 Millionen Euro, davon wurden 8,8 Millionen Euro als Förderung beantragt. Doch der Etat des Jubiläums gibt nur 1,5 Millionen Euro her, und davon sind bereits 200.000 Euro für Gebühren und ähnliches geblockt. Deshalb heißt es jetzt auswählen: Welche Projekte werden verwirklicht und welche nicht.

"Das wird eine ganz schwierige Aktion", befürchtet Holger Thiemann. Ganz unterschiedlich seien die Ideen, sagt Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach, von einfachen Aktionen bis zu großen Plänen. Der ausgefallenste Vorschlag: Jemand wollte Flugblätter mit Geschichten aus Freiburg aus Häusern werfen. Auswählen wollen die Organisatoren nun möglichst viele unterschiedliche Projekte, die aufs Jubiläum zugeschnitten sind und in irgendeiner Form einen Mehrwert bringen.

Neujahrsempfang XXL

Abgesehen davon gibt es inzwischen einen groben Fahrplan fürs Jubiläumsjahr. So soll eine Ausstellung zu Archäologie im Augustinermuseum bereits ab 22. November 2019 auf das 900-Jährige einstimmen. Offizieller Startschuss ist dann mit dem städtischen Neujahrsempfang am 15. Januar 2020, zu dem viel mehr Bürgerinnen und Bürgern als sonst eingeladen werden sollen und der auf der Messe stattfinden soll. Zum Frühlingsanfang am 20. März soll das Münster illuminiert werden. "Das wird spektakulär", verspricht Holger Thiemann, "mit einer Computersimulation wird die Geschichte des Münsters projiziert."

Das zentrale Festwochenende findet vom 10. bis 14. Juli statt. Auf einer großen Bühne auf dem Münsterplatz spielen unter anderem das Freiburger Barockorchester, das Philharmonische Orchester und das SWR-Symphonieorchester, zwei weitere Open-Air-Acts werden noch gesucht.

Ein Mitternachtstisch quer durch die Altstadt

Am Rotteckring zwischen Uni-Mensa und Fahnenbergplatz sollen sich auf drei Bühnen die Partnerstädte in Szene setzen, die Stadtteile und Ortschaften, die junge Szene und die Festivalszene mit wechselnden Programmen von Blasmusik bis Slam-Poetry. Auch ein Mitternachtstisch quer durch die Altstadt ist geplant. Zum Endspiel der Fußball-Europameisterschaft am 12. Juli soll es Public Viewing geben.

Zum Herbstbeginn am 22. September ist ein Innenstadtprojekt vorgesehen, zum Winterbeginn am 21. Dezember wird das Aktionstheater Pan Optikum open air spielen. Ein weiteres Highlight, so die Organisatoren, sei der Bundeswettbewerb "Jugend musiziert", der im Laufe des Jahres stattfinden werde. Außerdem bemühe sich die Stadtverwaltung, ein deutsch-französisches Gipfeltreffen nach Freiburg zu holen.

"Positive emotionale Grundstimmung"

Um möglichst viele Programmpunkte finanzieren zu können, sollen 1,5 Millionen Euro Sponsorengelder akquiriert werden. Auch Spenden sind willkommen, sagt Bürgermeister von Kirchbach. Im Februar nächsten Jahres soll eine Kampagne starten, mit der 900 Spender gesucht werden, die je 900 Euro spenden; so kämen insgesamt 810 000 Euro zusammen.

"Unsere nächste Aufgabe ist, die richtigen Anträge aus den mehr als 450 Projektideen auszuwählen", so von Kirchbach. Bis Mitte 2019 soll das Jubiläumsprogramm fertig sein. Dann soll auch die Werbekampagne fürs Stadtjubiläum starten mit Merchandising-Produkten wie Jubiläumswein von der Winzergenossenschaft Opfingen, einer eigenen Homepage und Facebook-Auftritt. Von Kirchbach: "Und es geht darum, die positive emotionale Grundstimmung weiterzuverbreiten."

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