9 Freiburger Restaurantbesucher, die mich, den Kellner, so richtig nerven

David Z.

Seit sechs Jahren ist David Z. Kellner in einem bekannten Freiburger Restaurant. Nicht immer sind seine Gäste nett, manche gehen ihm extrem auf den Keks. Nun hat er eine Top-9 der nervigsten Restaurantbesucher Freiburgs aufgestellt. Von Geizkrägen, Gierigen und Großkotzen:



1. Der Ungeduldige

Er tatscht nach der Bedienung, um auf sich aufmerksam zu machen. Er fragt nach drei Minuten, wo denn das Essen bleibe. Er schnippt. Er pfeift. Er ruft. Ich bin dann immer kurz davor zu sagen, dass wir bei uns keine Minutenschnitzel führen und er sich gerne im Aldi bedienen kann. Gut Ding braucht Weile, mein Freund. Und weiter unten erkläre ich auch, warum es manchmal länger dauert. Das liegt nämlich häufig nicht am Kellner - sondern am Gast.

2. Der Geizkragen

Das Thema Trinkgeld ist kompliziert: Wieviel man gibt, hängt von so vielem ab. Was mich aber nervt: Wenn alles perfekt war, ich als Kellner keinen Fehler gemacht habe, der Gast für 100 Euro gegessen hat - und ich dann 50 Cent bekomme.

Noch viel schlimmer ist aber der Mayo-Dieb. Es kommt tatsächlich vor, dass ich offensichtlich wohlhabende Gäste dabei erwische, dass sie in unserem Außenbereich nochmals in die für alle Gäste zugänglichen Mayonnaise- und Ketchup-Packungen greifen, bevor sie dann unsere Anlage verlassen.

3. Der Großkotz

Er denkt, er wäre alleine im Laden und könnte diesen ohne Probleme sein eigen nennen. Er kommandiert, er macht zotige Witze, er duzt das Personal. Er tut das fast immer, um seinen Freunden zu gefallen. Beim Zahlen der Rechnung sollte man beim Großkotz einfach sagen: „Tut mir leid, aber Ihre Kreditkarte funktioniert nicht!“. Ich habe mich das zwar bislang noch nicht getraut, aber irgendwann kommt der Moment - und dann steht der Großkotz schön blöd da. Das wird ein Fest.

4. Der pingelige Öko

Bei allem fragt er nach: Ist das vegan? Ist das glutenfrei? Ist das basisch? Ist das Paläo? Ich finde es grundsätzlich gut, wenn Leute sich gesund ernähren. Aber wenn ihr Schnitzel mit Pommes bestellt, dann ist das Schnitzel mit Pommes - weder vegan, noch glutenfrei, noch Paläo. Wenn ihr bei uns nichts essen könnt, dann geht irgendwo anders hin, ehrlich. Und ob die Kühe glücklich waren, kann ich auch nicht sagen - wurde ich aber schon gefragt.

5. Der Unentschlossene

Er braucht gefühlt zwei Stunden um zu wählen. Drei mal gehe ich hin, dann wieder weg. "Kommen Sie gleich nochmal, ja?", fragt er dann. Und wenn er dann endlich weiß, was er sich zu Leibe führen will, bestellt er noch mals um. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Solche Umbestellungen bringen eine ganze Küche aus dem Tritt, weswegen andere Gäste länger warten müssen. Bitte überlegt vorher was ihr wollt, dann ist vielen geholfen!

6. Der Gierige

Dinge, die der Gierige ständig tut: Drei Mal Extrabrot bestellen. Bier zurück geben, weil sich der Inhalt ein Milimeter unterm Eichstrich befindet. Nach einer großen Portion Nachschlag fordern. Sich übers Essen hermachen, als habe er seit Wochen nichts bekommen. Mit den Fingern Essen von anderen Tellern essen. Ich finde das so eklig. So etwas macht man zuhause - aber nicht vor den Augen anderer Leute. Und was das Bier angeht: Häufig bringe ich reklamierenden Gästen ein Bier, dass genauso voll ist wie das reklamierte: Dann sagen sie nie mehr was.

7. Der Meckerer

An wirklich jeder Situation hat der Meckerer etwas auszusetzen. Gründe, das Essen zurück gehen zu lassen hat er viele: Mal ist es lauwarm, mal schmeckt es nicht, mal ist es zu wenig, mal ist es zu viel, mal ist da was dran, was er nicht essen kann. Wenn dem wirklich so ist, nehme ich das Essen gerne zurück. Mich überkommt jedoch immer häufiger das Gefühl, dass es Menschen gibt, für die Meckern im Restaurant ein Hobby ist. Sie tun es nicht um des Essens, sondern um des Meckerns willen. Warum, frage ich mich, kommt ihr trotzdem immer wieder ins selbe, eurer Meinung nach ja ach so schlechte Restaurant?!

8. Der Redselige

Sie sind eigentlich nette Gäste - sie übertreiben es nur. Ständig finden die Redseligen einen Grund, sich mit dem Kellner zu unterhalten. Der arme Kellner soll arbeiten und gleichzeitig noch seelsorgerisch tätig sein. Manchmal, wenn ich wenig zu tun habe, freut mich eine nette, wenngleich auch meist langweilige Unterhaltung mit einem einsamen Gast. Aber bitte nicht, wenn der Laden brummt!

9. Der Flirter

Vor allen Dingen Bedienungen haben ein Problem mit ihm - dem Flirter. Er versteht einfach nicht, dass die Bedienung nett zu ihm ist, weil er Gast ist - und nicht, weil sie ihn persönlich attraktiv findet. Je später der Abend, desto zahlreicher werden die Flirter. Dann machen sie Komplimente, kritzeln Telefonnummern auf Bierdeckel und fragen, was die Bedienungen denn noch so machen würden heute Nacht. Die Antwort: Fertig arbeiten, heim gehen, schlafen. Keine Bedienung hat nach einer 8-Stunden-Schicht Lust, mit 8 besoffenen Sportstudenten ins Karma zu gehen. Glaubt mir das einfach.

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