Das kotzt mich an

9 Dinge, die jeden Künstler in Freiburg in den Wahnsinn treiben

fudder-Redaktion

Egal, ob es sich um Geld, nervige Kommentare oder die Behörden handelt: Als Künstler oder Entertainer gibt es eine Vielzahl an Dingen, die einem den allerletzten Nerv rauben. Was Kreative in Freiburg richtig ankotzt?



1. Die Bühnen fallen weg

Clubsterben, Location-Verwesung oder schleichender Lebens-Vortod: Das Phänomen, das Freiburg und viele andere Städte zur Zeit heimsucht, hat viele Namen. Jeder geschlossene Club, jede verwaiste Bühne und jede verschlossene kulturelle Stätte sind weggefallene Auftrittsmöglichkeiten und Chancen für Künstler aller Art. Du kannst noch so sehr an deiner Arbeit feilen: Wenn die Bühnen wegfallen, steht nur noch die WG-Küche zur Verfügung. Und, soweit ich informiert bin, kam da eher seltener eine Karriere zustande.

2. Es werden zu wenig lokale Künstler gebucht

Lokaler Künstler zu sein, hat seine Vorteile: Deine Stadt. Hier kennt und bucht man dich regelmäßig. Uhhhhhhh... Nein. Die Vorstellung, nur weil man ein "Local" ist, auch lokal gebucht zu werden, ist leider etwas romantisiert. Oft wird nicht lokal, teilweise nicht einmal regional, gebucht. Das nervt natürlich. Entweder weiß niemand, dass es eine lokale Künstlerszene gibt, oder diese werden nicht gebucht, weil angeblich die "Bekanntheit und der Pull" fehlen. Egal warum: Scheiße ist es trotzdem!

3. Künstler sollen umsonst auftreten

In Deinem E-Mail Postfach landet eine Anfrage. Ob Du nicht auftreten möchtest bei einem Event. Der Haken an der Sache ist offensichtlich, dass Du umsonst auftreten sollst. Es dient ja der "Exposure", also der Chance für Dich, Deine Arbeit einem komplett neuen Publikum vorzustellen.

Wenn Veranstalterinnen oder Veranstalter die Künstler einem großen und neuen Publikum präsentieren, das ist Exposure. Das kann sich auch wirklich lohnen, neue Fans und Gäste für zukünftige Events sind toll. Allerdings: Die 50 Personen in einer Bar? Das ist umsonst arbeiten... mit weit mehr Zeitaufwand als nur 25 Minuten Auftritt.

4. Künstler werden unfair bezahlt

Endlich: Bezahlte Auftritte! Es ist geschafft, als Künstler bist du endlich angekommen. Denkste. Ein Beispiel: Ein Auftritt von 25 Minuten. Gage: 150 Euro. Klingt gut, wenn man das auf den Stundensatz hochrechnet. Nur, wie schon gesagt, die eigentliche Arbeit sind weit mehr als diese 25 Minuten.

Vier Stunden jede Woche regelmäßig Proben. Vier Stunden Vorbereitungszeit am Tag der Show. Kostüme im Wert von einem sieben Tage Urlaub in Spanien. 19 Prozent Mehrwertsteuer, die es zu zahlen gilt. Die Liste an Dingen, die Deine Arbeit voraussetzt und prägen, ist sehr lang.

Es steckt weit mehr hinter der Angelegenheit als Veranstalter und das Publikum sehen. Es gilt, wie in jedem Job, dass Arbeit vernünftig bezahlt wird. Klar erscheinen Beträge im Bereich der mehreren hundert (oder tausend) Euro viel, niemand ist ein Goldesel! Allerdings sollten Booker und Veranstalter wissen, wie aufwändig die Arbeit als Künstler ist. Am Ende zählt eben nur: Fair bezahlt oder halb ausgebeutet?

5. Das Geld kommt unpünktlich

Kommen wir zum dritten Punkt der unheiligen Dreifaltigkeit der finanziellen Spirale: Die pünktliche Bezahlung. Was jede Person mit Festanstellung als grundsätzlich gegeben nehmen kann und wird, ist die pünktliche Auszahlung des Lohns. So wie das eben sein sollte.

Wenn du allerdings Künstler bist, dann sind die Zahlungsziele auf deiner Rechnung scheinbar nur so eine Art "Serviervorschlag" mit minimaler Bindungskraft. Es ist unglaublich, wie oft Künstler ihrem Geld hinterherrennen, hinterhertelefonieren oder glatt hinterhermahnen müssen. Und das, um nach getaner Arbeit, an das zu kommen, was – oft vertraglich zugesichert – zusteht.

Die Steigerungsform der späten Zahlung: Wenn offenstehende Forderungen den Wert eines besseren Gebrauchtwagens annehmen, während man selbst als Künstler der Privatinsolvenz entgegenschleift. Im selben Moment dürfen die Menschen, denen Du Geld für ihre Arbeit schuldig bist, noch auf ihr Geld von dir warten. Denn: Woher nehmen, wenn man selber nichts hat außer offenen Forderungen

6. Untereinander herrscht Zimt- und Zuckerzicken Krieg

Immer, wenn man denkt: "Eh, wir sind doch alle Erwachsene!", wird jemand um die Ecke springen und dich mit Schlamm bewerfen. #TrustAndBelieve

Es ist erstaunlich, wie sich Personen, die ja eigentlich alle im selben Boot sitzen, gegenseitig die Butter auf dem Brot nicht gönnen. Von kleinen Lästereien, über offenes Schlechtreden bis hin zum aktiven Versuch, Rufmord zu betreiben. Alles ist denkbar. Klar. Alle Künstler haben ein Ego, sonst würde man nie eine Bühne betreten. Manche Künstler scheinen aber das eigene Ego über alles und jeden stellen zu müssen.

7. Der Gang durch die Behörden ist anstrengend und aufwändig

Solltest Du schon einmal auf einer Bühne gestanden haben und musstest dafür Dinge selbst abklären, so kennst Du das Problem. Angefangen bei den kleineren Dingen wie Brandschutz- und Technikauflagen sind die Arme der behördlichen und bürokratischen Regulierungen sehr lang.

Plakatierungsverordnungen, die mit dem Lineal nachgemessen werden, Gema-Tarife, für deren Verständnis Du ein halbes Jurastudium brauchst, Datenschutzauflagen, welche dich wochenlang beschäftigen und Sicherheitsauflagen, die gefühlt auch das Pentagon schützen könnten.

Du weißt, Du hast es geschafft, wenn Du zu gewissen Behörden einen Direktkontakt mit regelmäßigen Ansprechpartnern hast. Wie ein gewisses Beuteltier es so passend formuliert hat: Beim Marsch durch die Behörden, wirst du zum Arsch durch die Behörden.

8. Die Leute bleiben lieber zu Hause

Dieser Punkt spielt natürlich auch seine Rolle für Punkt eins. Aber: Was ist in den Köpfen der Leute bitte los?

Als Künstler bedient man sich meist der sozialen Medien, um die Eigenwerbung voranzutreiben. Im Bestfall wächst die Fanbase mit der Zeit und Menschen mögen, was Du tust. Der Krux scheint nur: Egal, wo du auflegst oder selbst etwas auf die Beine stellst, siehst Du nie die Menschen, die Dich online zu ihrem Persönlichen "local hero" stilisieren. Wo zur Hölle sind die alle geblieben?

Zuhause, mit dem Bier aus dem Supermarkt in der Hand. Weshalb? Weil es ja billiger ist. Feiern, weggehen und generell Kunst und Kultur sind ja so teuer. Vor allem für Studierende/Auszubildende/Teilzeitjobber. Okay, aber die 150 Euro, für ein Last-Minute-Resale Ticket, für das nächstbeste Event – am besten noch über Viagogo gekauft – ist drin. Aber die acht Euro, um deinen "local hero" zu supporten einfach nicht. Ich verstehe es nicht.

9. Nicht-Konstruktive Kritik ist nervig

Liebe Menschen, die es bis zu Punkt neun geschafft haben: Wir als Künstler lieben unseren Job. Sonst würden wir ihn nicht machen, glaubt mir! Wir wissen ganz genau, dass wir etwas machen, was manche nicht gleich verstehen oder es einfach Scheiße finden. Trotzdem machen wir es. Wenn es gut läuft, können wir davon sogar leben.

Nichtsdestotrotz ist "Künstler oder Künstlerin" ein Job, der einem schnell die wahre Bedeutung des Wortes "Menschenhass" erklärt. Wir haben alle Sprüche, alle Bitten und alle Wünsche schon mal gehört. Wir haben die Kommentare gelesen und sind dem ständigen, unqualifizierten und nervigen Mist überdrüssig. Wir freuen uns immer über konstruktive Kritik oder ein Lob, wenn euch irgendetwas gefallen hat. Was wir nicht brauchen, sind Wünsche nach Liedern, die nicht zum Set passen oder die Frage, warum der Eyeliner heute "so komisch aussieht".

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