70 Häftlinge in Freiburg im Hungerstreik - wegen eines schwulen Kochs

Frank Zimmermann

Rund 70 Insassen der Justizvollzugsanstalt Freiburg verweigern die Nahrungsaufnahme. Angeblich, weil in der Gefängnisküche ein Homosexueller arbeitet. Das Justizministerium sucht fieberhaft nach einer Lösung:



Rund 70 Häftlinge in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Freiburg verweigern seit einigen Tagen die Essensaufnahme. Dies hat das baden-württembergische Justizministerium am Freitagnachmittag der Badischen Zeitung bestätigt. Genau definieren lässt sich die Gruppe der Hungerstreikenden nicht, einziges gemeinsames Merkmal ist offenbar, dass es sich überwiegend um Russlanddeutsche handelt.


"Wir behalten das natürlich ganz genau im Auge, auch die gesundheitliche Verfassung der Gefangenen", sagte Steffen Ganninger, Sprecher des Justizministeriums. Es gebe eine intensive Kontrolle des Zustandes jedes einzelnen Häftlings, auch durch Anstaltsärzte. Die Essensverweigerung werde für jeden einzelnen Gefangenen nach allen drei Tagesmahlzeiten erfasst. Einen Grund zur Besorgnis gebe es derzeit nicht.

Mit dem Hungerstreik begonnen hatten am 1. Mai zunächst 40 Häftlinge. Nach und nach wuchs die Gruppe an. Die Gründe für die Verweigerung der Nahrungsaufnahme liegen im Dunkeln. "Nach unserer vorläufigen Einschätzung könnte es sich um eine Machtdemonstration handeln", sagte Ministeriumssprecher Ganninger.

Gegenüber der JVA-Leitung gab die Gruppe an, sie protestiere dagegen, dass ein Homosexueller in der Anstaltsküche arbeite. Ein sicherungsverwahrter Häftling teilte der BZ indes mit, dass es ein Insasse in der Gefängnisküche mit der Hygiene nicht so genau nehme.
Mehr dazu:

[Foto: dpa]