7 Tipps, wie Du in Deinem Alltag weniger Müll produzierst

Gina Kutkat

In dieser Woche findet die Europäische Woche der Abfallvermeidung statt, das Motto lautet "Gib Dingen ein zweites Leben". Wie man mit ein paar Tricks selber weniger Müll produzieren kann, haben wir bei Freiburger Experten nachgefragt.

8,7 Kilo Müll produziert laut BUND jeder Deutsche und jede Deutsche pro Kopf in der Woche. Damit sind wir in Deutschland Europameister im Müllproduzieren. Das geht besser, denn es gibt für jeden ganz einfache Möglichkeiten, Abfälle zu vermeiden.


Seit dem 18. November und einschließlich bis zum 26. läuft noch die Europäische Woche der Abfallvermeidung. Die Aktion verfolgt ein Ziel: Der Abfall soll europaweit reduziert werden. Die Woche findet zum achten Mal in Deutschland und in 33 Ländern Europas statt und wird vom Verband kommunaler Unternehmen e.V. organisiert. Das diesjährige Motto lautet "Gib Dingen ein zweites Leben".

Die Rechnung ist eigentlich ganz einfach: Je mehr jeder einzelne und jede einzelne Müll vermeidet, desto weniger Abfälle produziert Deutschland. "Wenn man nicht im Kleinen irgendwo anfängt, kommt man nie zu etwas", sagt Michael Broglin, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg (ASF). "Wir haben nur eine Erde, die Ressourcen sind begrenzt. Wenn jeder bewusst damit umgeht, kann man was erreichen."

fudder hat Ideen gesammelt, wie jeder jetzt sofort Abfall vermeiden kann. Unterstützung gab es von Simone Pflaum, Nachhaltigkeitsmanagerin der Stadt Freiburg, und Michael Broglin von der ASF, der für bewusstes Einkaufen plädiert: "Man kann einiges tun, um Plastik im Alltag zu vermeiden. Dafür muss man kein Grüner sein. "

1. Reparieren statt wegwerfen

Der Laptop spinnt, das Smartphone-Display hat einen Sprung und das Fahrrad murrt: Warum nicht die Sachen reparieren, anstatt sich gleich etwas Neues anzuschaffen? In Freiburg gibt es für verschiedene Probleme unterschiedliche Läden, die eine Lösung bieten – vom Schuhmacher bis zum Schneider.

In Freiburgs offenen Werkstätten kann man selbst Sachen bauen und reparieren: Wer Mitglied beim Verein FreiLab wird, kann die Werkstatt in der Ensisheimer Straße 4 rund um die Uhr nutzen. Reparatur Cafés gibt es außerdem im Rieselfeld, im Grün und im Vauban. Weitere Infos dazu gibt es unter reparatur-initiativen.de. Wer sich berufen fühlt, eine Reparatur-Initiative zu starten, kann sich vom Netzwerk Reparatur-Initiativen beraten lassen.
2. Bewusstes Einkaufen

Einer Studie zufolge produzieren die Deutschen mehr Plastikmüll als viele andere EU-Bürger – konkret sind es nach einem Bericht der "Neuen Ruhr Zeitung" jedes Jahr 37 Kilo pro Kopf. Sechs Kilo mehr als der EU-Durchschnitt. "Plastikmüll lässt sich schon vermeiden, wenn man mit einer Stofftasche einkaufen geht", sagt Michael Broglin. "Wer bewusster einkaufen geht, zum Beispiel den Markt dem Discounter vorzieht, vermeidet Verpackungsmüll."

Seit April kann man in Freiburg zudem in einem verpackungsfreien Geschäft einkaufen: In der "Glaskiste" in der Moltkestraße 15 im Sedanquartier bekommt man fast alles, was es im normalen Supermarkt auch gibt – und das ganz ohne Verpackungen. Entweder bringt man einen sauberen Behälter mit oder kauft vor Ort einen neuen. Man wiegt sein Behältnis, füllt es mit Nudeln, Müsli oder Mehl und zahlt an der Kasse. "Das ist eine super Geschichte, es ist aber immer eine Frage des Geldbeutels", so Broglin.
3. Coffee-To-Go vermeiden – oder wiederbefüllbare Becher nutzen

Auch wer unterwegs ist, sollte essen und trinken. Doch es muss nicht der erstbeste Coffee-To-Go oder das dreifach eingepackte Sandwich vom Discounter sein. Wer gut plant, nutzt die gute, alte Brotdose für’s Mittagessen und wiederbefüllbare Flaschen für Getränke – oder den Freiburg Cup.

Anfang 2017 ist der Cup mit viel Rummel auf den Markt gekommen. Damit wollten Stadt und Abfallwirtschaft ASF den Müll in der Innenstadt verringern – laut ASF als erste deutsche Großstadt. Schon rund 100 Tage später stellte sich die Frage, wie erfolgreich er tatsächlich ist. Im Juni folgte dann eine ernüchternde Studie: Die Ökobilanz des Cups ist gar nicht so gut.

Fazit der Studie: Der Freiburg Cup wird nur zum Umwelt-Erfolg, wenn viele Leute ihn oft benutzen. Und besser als ein Pappbecher ist er allemal.
4. Lebensmittel nicht wegschmeißen

In Deutschland werden laut eines WWF-Berichts (Mai 2017)pro Jahr knapp 18 Millionen Tonnen Kilogramm genießbare Nahrungsmittel weggeworfen. Dabei lassen sich überschüssige Lebensmittel leicht vermeiden: In dem man seine Mahlzeiten plant, nicht hungrig einkaufen geht und seine Lebensmittel richtig lagert. "Bewusst einkaufen", sagt Michael Broglin. Das Mindesthaltbarkeitsdatum beinhaltet das Wort "mindestens" – man muss den Joghurt also nicht sofort wegschmeißen, wenn das Datum auf dem Deckel erreicht ist.

Wer einen Schritt weitergehen möchte, meldet sich auf der Plattform Foodsharing an, und verschenkt dort seine Essen, das er zu viel eingekauft hat. Mithilfe der App "Too Good To Go" kann man außerdem Restaurants in Freiburg suchen, die Resteboxen anbieten. Oder man schließt sich den Lebensmittelrettern an, die sammeln und verschenken, was Geschäfte nicht mehr verkaufen wollen.
5. Second Hand kaufen

Es muss nicht immer neu sein. Wer Klamotten oder Elektrogeräte aus zweiter Hand kauft, spart Ressourcen und vermeidet Müll. Sei es online über Kleiderkreisel, Ebay und schnapp.de oder lokal auf einem der zahlreichen Flohmärkte in Freiburg – Möglichkeiten gibt es genug. Immer wieder sieht man in Freiburg außerdem "Zu verschenken"-Boxen, in denen sich Bücher, Haushaltsgeräte und Krimskram befinden.
6. Support your local dealer

Jede Handlung wie der Online-Kauf eines Handys oder einer neuen Jeans trägt dazu bei, Land, Wasser und Materialien zu verbrauchen und Treibhausgase wie Kohlendioxid auszustoßen. Deshalb sollte man sich vor jedem Kauf fragen: "Brauche ich das wirklich"? Wenn trotzdem eine neue Anschaffung ansteht, ist es immer noch besser, den Einzelhändler in der Nachbarschaft zu besuchen statt den Online-Handel zu unterstützen.

7. Leih’ Dir was!

Leihen und tauschen statt selberkaufen: Dass das gut funktioniert, vergisst man im Alltag manchmal. Deshalb an dieser Stelle der Reminder: Lieber erst bei Freunden oder Nachbarn nachfragen, ob sie Leiter, Waffeleisen oder Bohrmaschine haben, bevor man etwas neu kauft. Oder die Plattform Pumpipumpe nutzen: Dahinter verbirgt sich ein Schweizer Verein, der Sticker anbietet, die man sich auf den Briefkasten klebt. Dadurch weiß der Nachbar, was er sich von einem ausborgen kann. Mehr als 70 Haushalte sind für Freiburg und Umgebung registriert. Auch auf nebenan.de kann man sich in der Nachbarschaft aushelfen, Essen teilen oder Hilfe anbieten. Einfach Postleitzahl eingeben und Kontakt zu den Nachbarn aufnehmen.
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