Vegan Chalking Night

5 Fragen an die veganen Aktivistinnen Hannah, Tabea und Lara

Carolin Johannsen

Sie wollen aufrütteln und auf Probleme aufmerksam machen: Drei vegane Aktivistinnen aus Freiburg und Riegel bemalen Freiburgs Straßen mit Kreide. fudder hat sie nach ihrer Motivation gefragt.

Sie sind jung und engagiert für die Zukunft. Lara Jablonski, Tabea Jablonski und Hannah Frost sind Aktivistinnen und nutzen ihre Freizeit, um für den Veganismus auf die Straße zu gehen. Vor einigen Wochen haben sie bei der Worldwide Vegan Chalking Night Freiburgs Straßen mit Botschaften bemalt.


Da jährlich rund 70 Milliarden Tiere geschlachtet werden und Tierhaltung einen größeren Anteil an Treibhausgas-Emissionen ausmacht als der gesamte Transport-Sektor, haben sich die drei Aktivistinnen ein Ziel gesetzt: Sie wollen aufrütteln und auf Probleme aufmerksam machen. Wir haben ihnen 5 Fragen zu ihrer Motivation gestellt.
Tabea und Lara Jablonski, beide 19 Jahre alt, sind Zwillinge und kommen aus Riegel am Kaiserstuhl. Nach ihrem Abitur 2018 machen die beiden gerade ein Gap Year. In ihrer Freizeit mögen beide Fotografie.

Hannah Frost ist 18 Jahre alt und geht in Freiburg zur Schule. Wenn sie nicht gerade als Aktivistin unterwegs ist, spielt sie Klarinette.

In eurer Freizeit seid ihr als Aktivistinnen aktiv. Wofür genau engagiert ihr euch?

Lara: Wir setzen uns für Tierrechte ein und geben den Tieren eine Stimme, die die Menschen verstehen können.
Tabea: Es geht uns darum, den Leuten näher zu bringen, wie sie Verantwortung für ihre Handlungen übernehmen können. In der heutigen Zeit mit dem Klimawandel darf man die Konsequenzen, die der eigene Lebensstil hat, nicht ignorieren.

Was für Aktionen macht ihr?

Lara: In Freiburg gibt es sehr viele verschiedene Aktionen, an denen wir teilnehmen. Zum Beispiel von Anonymous for the Voiceless, Peta, Freiburg Animal Save oder auch die "Fridays for Future"- Demonstrationen. Und natürlich die Vegan Chalking Nights, bei denen wir mitmachen. Wir sind aber nicht nur in Freiburg, sondern auch in anderen Ländern aktiv, zum Beispiel waren wir im Mai bei einer 24-Stunden-Aktion in Amsterdam.
Tabea: Dann gibt es noch den Official Animal Rights March, in Berlin zum Beispiel und jetzt demnächst die Demonstration zur Schließung aller Schlachthäuser.
Hannah: Bei den Aktionen werden unterschiedliche Sachen gemacht. Bei Peta zum Beispiel gibt es oft Aktionen, bei denen wir verkleidet sind, zum Beispiel als Fische mit einem Netz gefangen, oder als Kühe, denen die Kälber weggenommen wurden. Wir reden dann mit den Passanten, die stehen bleiben und erklären, was wir machen.
Tabea: Bei Freiburg Animal Save gibt es sogenannte Vigils, Mahnwachen vor dem Schlachthof. Mit Schildern halten wir die LKW-Fahrer an und nehmen von den Tieren im Transporter Abschied. Das ist das Letzte, was wir noch für sie tun können.
Lara: Die letzte Aktion an der wir teilgenommen haben, war eine Ampelaktion von Peta. Wir haben, wenn die Ampel rot war, mit Schildern auf der Straße gestanden. Da stand zum Beispiel bei einem Bild von einer Kuh "Ich bin keine Milchmaschine" oder "Go vegan for the planet" drauf. Die wartenden Autofahrer mussten dann natürlich hinsehen.

Wen wollt ihr mit euren Botschaften erreichen?

Hannah: Eigentlich wollen wir alle erreichen. Vor allem einzelne Leute, eher weniger die Politik. Wir glauben, dass man bei sich selbst anfangen muss, wenn man eine Veränderung will. Die Politik wird sich nicht ändern, wenn wir nicht anfangen.
Tabea: Deswegen sind es auch Aktionen, die wir auf der Straße machen, wo wir so viele Leute wie möglich ansprechen können. Es fängt halt bei uns in der Gesellschaft an.
Lara: Wir wissen, dass kein Mensch zu klein ist, um einen Unterschied zu machen.
Tabea: Vor allem richten wir uns natürlich an Nicht-Veganer.
Hannah: Aber wir richten uns auch an Veganer und zeigen, wie man aktiv werden kann.
Lara: Vegan leben ist das Mindeste, was wir tun können.

Wie reagieren die Leute?

Tabea: Die meisten Leute reagieren positiv, gerade in Freiburg sind die Menschen sehr offen für unsere Aktionen. Klar gibt es manchmal Ausnahmen.
Lara: So wie ich es erlebe, sind viele Leute interessiert und fragen oft nach, was genau wir machen. Die Leute bleiben stehen und wollen aufgeklärt werden. Das zeigt, dass das Interesse an dem Thema steigt.
Hannah: Und auch, wenn man kein positives Gespräch hat, dann haben wir immerhin zum Nachdenken angeregt. Darum geht es zum Beispiel auch beim Kreiden, dass wir einfach aufmerksam machen und zum Nachdenken anregen. Damit fängt es an, das ist der Grund warum wir das tun.

Warum und wie lange seid ihr selbst schon vegan?

Hannah: Ich bin bald zwei Jahre vegan und bin es wegen der Tiere geworden. Es gibt natürlich auch gesundheitliche und umweltfreundliche Gründe, aber von denen habe ich nichts gehört, bevor ich vegan wurde, also ich wusste vorher gar nicht, welche Auswirkungen Veganismus noch hat.
Tabea: Aktiv für die vegane Lebensweise habe ich mich im Januar 2018 entschieden. Es hat dann ein wenig gedauert, sich da reinzufinden. Der Hauptgrund war bei mir, dass ich gemerkt habe, dass wir etwas machen müssen und dass wir in der Gesellschaft in der wir hier leben, die Pflicht haben, etwas zu tun. So wie es jetzt ist, kann es nicht weitergehen.
Lara: Seit über einem Jahr ernähre ich mich pflanzenbasiert und seit einem Jahr lebe ich vegan. Erst habe ich angefangen, mich zu informieren und gemerkt, dass ich das unnötige Leid der Tiere nicht mehr unterstützen möchte. Ich habe mich dann nicht mehr von tierischen Produkten ernährt. Vegan wurde ich etwas später, dass ich also gar keine tierischen Produkte mehr konsumiere, also auch in Kosmetik oder Kleidung.
Tabea: Man lernt auch immer dazu. Je mehr man herausfindet, desto weniger kann man sich vorstellen, wieder zurückzugehen. Deswegen sind wir aktiv.

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