5 Antworten von Robino Zepf: Warum ein junger Freiburger eine Anti-Homophobie-Kampagne gestartet hat

Miriam Jaeneke

Als der italienische Nationalspieler Antonio Cassano in der vergangenen Woche zu Gerüchten über homosexuelle Mannschaftskollegen befragt wurde, antwortete er: "Ich hoffe nicht!". Und auch fern des Sports gibt es trotz schwuler und lesbischer Paare in Fernsehsendungen und offen homosexueller Politiker immer noch Diskriminierung. Deshalb hat der 18-jährige Freiburger Robino Zepf die Kampagne "Stop! Homophobie" gestartet.

Andere in deinem Alter zocken Computerspiele oder gehen klettern. Du hast „Stop! Homophobie“ ins Leben gerufen. Warum?



Robino Zepf
: Als ich mich im Oktober 2010 bei meinen Eltern geoutet habe, habe ich Stress mit Anwälten bekommen.

Eine Person aus meiner Familie hat es extrem schlecht aufgenommen und auch gefördert, dass es in der ganzen Familie nicht unbedingt besser aufgenommen wurde. Das war totaler Psychoterror und ging von Beleidigungen bis hin zu Morddrohungen. Irgendwann habe ich das nicht mehr ausgehalten und mit der Hilfe vom Jugendamt nach einer Wohnung gesucht. Ich will auch gar keinen Kontakt mehr mit denen, mit denen es so schlimm war.

Die Kampagne habe ich auch deshalb gestartet, weil Kristof Hering von DSDS, als er sich geoutet hat, auf Facebook extrem angegriffen wurde, vor allem von Jugendlichen. Da war ich mehr als geschockt.

Du willst mit Deiner Kampagne Homophobie vorbeugen und beenden. Wie ist das Feedback bisher?

Ich hätte im Leben nicht mit so einem Zulauf gerechnet. Ich bekomme auf der Facebook-Seite täglich mindestens zwei Nachrichten, wo drinsteht, 'Kannst du mir helfen? Ich brauch mal einen Tipp, meine Eltern nehmen es auch nicht so gut auf!'. Allein deswegen hat es sich schon gelohnt, um den Betroffenen, die auch homophobe Übergriffe, gerade in der Familie, erleben, zu helfen.

Was mir auffällt, es gibt ganz viele Jungs und Mädchen, die mir schreiben, 'meine Eltern sind so religiös, die möchten es nicht akzeptieren'. Zum Teil entscheiden sich die Eltern dann wirklich eher für ihren Glauben anstatt für ihr Kind, was ich schlimm finde.

Mir ist es wichtig, in der Zeitung präsent zu sein, in Magazinen, im Fernsehen, im Radio. Ich glaube, dass man so eher was erreichen kann, als wenn man sich nur auf eine Sache konzentriert, wie es die meisten machen. Die machen dann nur eine Plakatkampagne oder nur einen Online-Aufruf, aber mit meiner Kampagne kann ich, glaube ich, mindestens fünf Tropfen auf den heißen Stein geben.

Nimmt Homophobie deiner Meinung nach zu?

Ich finde, auf der einen Seite nimmt sie ab, auf der anderen aber gewaltig zu: Gerade die Älteren werden toleranter, und die Jugendlichen sind, je jünger, umso schlimmer. Das Thema wird vielleicht auch durch die Medien hochgepusht, gerade mit Filmen wie 'Traumschiff Surprise', was ich zwar auch lustig finde, aber es macht die Sache natürlich nicht besser. Und dann gibt es noch die ganzen Hip-Hop-Lieder, in denen beleidigt wird. Auch Rapper beleidigen, zum Beispiel mit „schwule Drecksau“.

Auf Facebook probiere ich, wenn jemand was Homophobes gepostet hat, denjenigen umzustimmen. Ich kommentiere 'Lasst sie in Ruhe, ist doch nicht schlimm, dass sie schwul sind'. Dann schreiben sie mir meistens, 'Warum, es gibt doch ganz viele Leute, die es nicht o.k. finden, und Gott hat das nicht so gewollt' und solche Sachen. Dann erklär ich ihnen wie einem Kind, dass das normal ist, dass man als Mann ja nicht unbedingt eine Frau lieben muss. Dass es Liebe ist und nicht immer nur um Sex geht. Dann schreiben sie meistens zurück, 'Oh cool, danke, das habe ich gar nicht so gesehen'.

Wie erklärst du dir die Angst und Ablehnung?

Man muss bedenken: Es ist erst 18 Jahre her, dass Homosexualität aus dem Strafgesetzbuch gestrichen wurde - und viele haben gar keinen Kontakt mit einem Schwulen oder einer Lesbe.

Bevor ich die Kampagne gestartet habe, habe ich eine Umfrage gemacht, bei der rauskam, dass viele den Anblick beispielsweise von einem schwulen Paar, das Hand in Hand läuft, nicht gewohnt sind und deswegen eher auf Abstand gehen. Das Drangewöhnen ist ganz wichtig, das möchte ich auch mit der Plakatkampagne erreichen.

Die Plakate zeigen eben zum Beispiel ein schwules Paar, wie es Hand in Hand läuft. Mir ist wichtig, dass sie 'normale' Menschen zeigen und nicht übertriebene Tunten. Denn dass Menschen mit denen ein Problem haben, kann ich verstehen, das ist wirklich sehr fremd für sie. Ich akzeptiere sie zwar total, aber sie machen jemandem wie mir, der sich nicht extrem weiblich verhält, das Leben schwer. Denn dadurch entstehen Vorurteile.

Einer, der in meiner Klasse war, möchte meine Kampagne zum Beispiel nicht unterstützen, weil er es lustig findet, wenn er mit Schwuchtel beleidigt wird. Wenn jemand die Homophobie eher fördern möchte, weil er Spaß dran hat, finde ich das überhaupt nicht toll.

Wie sieht deine Kampagne konkret aus?

Die Plakatkampagne setze ich mir als erstes Ziel, wenn alles klappt, startet sie im August, und zwar erst mal in Freiburg.

Zu Stop! Homophobie@Cinemaxx am 18. Juli dürfen sich Schulen mit Schülern ab zwölf Jahren - der Film ist ab zwölf - anmelden. Die Karten kosten 1,50 und die Einnahmen fließen direkt in die Kampagne. Zu sehen ist „Prayers for Bobby“. Der Film zeigt, dass Homosexualität ganz normal ist und vor allen Dingen, was es mit einem Menschen macht, wenn man ihn beleidigt und bedroht.

Dazu gibt es Infostände, zum Beispiel von der Aidshilfe, der Rosa Hilfe und meiner Kampagne. Wenn das Cinemaxx Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit hat und es den Schülern gefällt, würde ich den Film gerne einer breiten Masse zugänglich machen und eine Woche lang kostengünstig laufen lassen.

Das Cinemaxx ist super, die verzichten auf die kompletten Einnahmen und sponsern mich. Ansonsten finde ich bisher keine weiteren Sponsoren. Zwei Unternehmen haben ganz offen gesagt, 'Wir möchten so was nicht unterstützen', ein Unternehmen sagte: 'Wenn wir sagen, wir sind gegen Homophobie, verlieren wir ganz viele Kunden'. Aber ich möchte nicht nur ein Unternehmen, das 2000 Euro gibt, sondern viele, die vielleicht nur 100 oder 50 Euro geben, aber damit zeigen, 'Wir sind gegen Homophobie'. So kann man mehr Leute erreichen, die dadurch vielleicht kapieren, es sind so viele Unternehmen gegen Homophobie, vielleicht ist das doch ganz normal und ich denke da ein bisschen falsch.

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