Rechtsabbieger-Unfall

22-jährige Radlerin in der Heinrich-von-Stephan-Straße von Sattelschlepper erfasst und getötet

Carolin Buchheim (aktualisiert um 16.56 Uhr)

Eine Radfahrerin ist am Mittwochmorgen bei einem Unfall in der Heinrich-von-Stephan-Straße getötet worden. Die 22-Jährige wurde von einem Sattelschlepper erfasst, der in Richtung B31 abbiegen wollte.

Der Unfall ereignete sich nach Angaben der Polizei um kurz vor 9 Uhr. Radlerin und Sattelschlepper waren in Richtung Norden auf der Heinrich-von-Stephan-Straße unterwegs. Als der Fahrer des Sattelschleppers nach der Einmündung der Rehlingstraße nach rechts auf die Abbiegespur in Richtung B31 Richtung Donaueschingen fuhr, erfasste er die 22-Jährige mit der Front des Lasters. Sie kam zu Fall, wurde von den Rädern des Schleppers erfasst und starb noch am Unfallort.


"Es ist davon auszugehen, dass sie beim Fahrstreifenwechsel übersehen worden ist", sagt Polizeisprecher Frank Fanz. Der Fahrer, ein 63-jähriger Mann, war nicht alkoholisiert; seine Fahr- und Ruhezeiten werden von der Polizei im Rahmen der Ermittlungen noch überprüft. Am Sattelschlepper waren alle gesetzlich vorgeschriebenen Spiegel vorhanden und intakt.

Die Ermittlungsarbeiten der Polizei am Unfallort dauerten bis zum Mittag an. Die Heinrich-von-Stephan-Straße war zwischen 9 und 12.30 Uhr zwischen Basler Straße und Schnewlinstraße gesperrt; die Rehlingstraße konnte nicht mit dem Auto erreicht werden. Die Sperrung verursacht Staus auf den Ausweichstrecken in der Eschholzstraße sowie im Bereich Merzhauser-, Basler- und Günterstalstraße.
Die Polizei sucht Zeugen

Die Polizei bittet Zeugen des Unfalls, sich bei der Verkehrspolizei Freiburg unter Tel. 0761/8823100 zu melden.

Radspur auf der Straße

Die Heinrich-von-Stephan-Straße ist für Radler eine der Hauptrouten im Berufsverkehr. Dort ist eine Radspur auf der Straße eingerichtet. Das soll die Gefahrensituation Rechtsabbiegen für Radler eigentlich sicherer machen. Motorisierte Rechtsabbieger werden deutlich vor der Kreuzung zur Auffahrt in Richtung B31 über diese Spur hinweg in eine Abbiegespur geleitet. Der Unfall ereignete sich unmittelbar am Anfang dieser Spur.

2010 wurde die Heinrich-von-Stephan-Straße in ihrer aktuellen Fahrspurgestaltung fertiggestellt. "Es ist eine geradlinige, übersichtliche richtlinien- und regelkonforme Führung," sagt Frank Uekermann, Leiter des Garten- und Tiefbauamtes. "Diese Stelle ist kein Unfallschwerpunkt."

Johannes Bruns, Vorsitzender des Kreisverbands Freiburg des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) sieht das anders. "Deutschlandweit sind Führungsanlagen wie diese in der Diskussion", meint er. Gefährlich würden sie vor allem durch knappe Bemessung der Radspur. "Es wird immer nur mit Mindestmaß kalkuliert. Das macht die Radspur so schmal, dass sie im toten Winkel eines LKWs liegen kann."

In einer Onlinekarte auf http://www.besser-unterwegs-in-freiburg.de/ haben Freiburger Radlerinnen und Radler in den vergangenen Jahren Gefahrenstellen gekennzeichnet – die heutige Unfallstelle ist dort bisher nicht eingezeichnet. Lediglich die einige Meter weiter nördlich liegende Schnewlinbrücke ist markiert. Hier gab es in den vergangenen Jahren mehrere Unfälle, unter anderem zwischen motorisierten Verkehrsteilnehmern und sogenannten "Geisterradlern", die in falscher Fahrtrichtung auf dem Radweg unterwegs waren.

Die Zahl der Abbiegeunfälle jeglicher Art, also nicht nur zwischen Radlern und LKW, sondern auch zwischen allen Verkehrsbeteiligten, ist in Freiburg mit bisher 204 auf dem höchsten Stand seit 2012; einen tödlichen Abbiegeunfall gab es jedoch zuletzt 2013.

"2008 haben wir ein bundesweit renommiertes Büro beauftragt, sich die Radverkehrswegeanlagen anzusehen und deren Empfehlung weitestgehend umgesetzt", sagt Uekermann. "Außerdem haben wir gemeinsam mit dem Round Table Trixi-Spiegel organisiert und installiert."

Die runden Trixi-Spiegel sollen an Kreuzungen den Sichtbereich von Auto- und LKW-Fahrern nach rechts vergrößern und so für mehr Sichherheit für Radler sorgen. An der Ampel an der Heinrich-von-Stephan-Straße hängt keiner – dort soll eben gerade die frühe Trennung der Abbiegespur die Radler schützen.

Garten- und Tiefbauamt verteidigt die Straßenführung

Uekermann betont, dass die Sicherheit der Radlerinnen und Radler für die Verwaltung einen besonders hohen Stellenwert habe. "Aber selbst, wenn man alle Normen einhält, ist das kein Garant, dass nichts passiert."

Sowohl objektiv als auch gefühlt sei die Heinrich-von-Stephan-Straße für Radler jedoch riskant, argumentiert hingegen ADFC-Vorsitzender Bruns, gerade auch durch den intensiven Schwerlastverkehr. "Ich bin kein ängstlicher Radler, aber mir ist es dort zu gefährlich", sagt Johannes Bruns. "Ich meide sie und fahre Alternativrouten." Der ADFC habe sich im Rahmen des Radverkehrswegeplans dafür eingesetzt, westlich der Bahnlinie einen autofreien Parallelweg zu bauen.

Bruns schnelle Kritik an der Straßenführung hält Uekermann für voreilig. "Weder mir noch Herrn Bruns liegt zu diesem Zeitpunkt ein Unfallbericht vor."

Mehr zum Thema: