19-Jähriger aus der Ortenau wurde drei Tage lang wie ein Sklave gehalten

Marc Herwig & dpa

Ein 19-Jähriger hat die schlimmsten Tage seines Lebens hinter sich: Er wurde gekidnappt und drei Tage lang wie ein Sklave gehalten. Dabei wollte er eigentlich nur einen schönen Abend mit seiner Internet-Freundin verbringen.

Er wurde entführt, musste auf dem Boden schlafen, eine völlig verdreckte Wohnung putzen – und drei Tage lang wusste er nicht, ob er diesen Horror überleben würde. Ein 19-jähriger Mann ist im südlichen Schwarzwald entführt und drei Tage lang von seinen Peinigern gequält worden. Dann ließen ihn die Entführer wieder frei. Zwei Männer und eine Frau sitzen inzwischen in Untersuchungshaft. Weshalb sie den 19-Jährigen wie einen Sklaven hielten, war für die Ermittler am Dienstag noch völlig unklar.


Es hatte für den 19-Jährigen alles so romantisch begonnen. Im Internet hatte er eine junge Frau aus Spaichingen (Kreis Tuttlingen) kennengelernt. Der Kontakt wurde immer intensiver, im Juli wollten sie sich zum ersten Mal treffen. Mit dem Zug fuhr der Mann aus der Ortenau nach Spaichingen. Seine 19-jährige Freundin holte ihn am Bahnhof ab und nahm ihn mit zu einem Freund.

Dort begann die Leidenszeit des 19-Jährigen. Die beiden 20-jährigen Männer und die Frau drohten ihm mit Schlägen und zwangen ihn, die ganze Wohnung zu putzen. Kaum war er fertig, brachten sie ihn in eine zweite Wohnung und ließen ihn auch dort saubermachen. Zur Flucht habe das Trio seinem Opfer keine Chance gelassen, teilte die Polizei mit. Der 19-Jährige habe sich zunächst in sein Schicksal gefügt und keine Gegenwehr geleistet. Trotzdem sei er geschlagen und getreten worden. Übel zugerichtet habe er die erste Nacht schließlich in einer Ecke auf dem nackten Boden verbringen müssen.

Am nächsten Morgen zwang ihn das Trio dann in die Stadt. In einem Telefon-Shop musste er seinen Entführern ein Handy kaufen. Dann wurde er nach Tuttlingen gefahren, wo er einen Laptop kaufen musste. An eine Flucht habe der Mann selbst mitten in der Stadt nicht zu denken gewagt, sagte ein Polizeisprecher. „Er sah sich einfach total unterlegen und hatte Angst, dass es sofort wieder eine Gewaltorgie geben würde, wenn er sich wehrt.“ Doch obwohl er gehorcht habe, sei er wenig später wieder geschlagen und getreten worden. Die beiden Männer hätten ihn sogar mit dem Kopf nach unten über ein Brückengeländer gehalten und gedroht, ihn fallen zu lassen.

Nach einer weiteren Nacht auf dem Fußboden ließ das Trio den 19-Jährigen dann einfach wieder gehen. Durch die Schläge und Tritte sei er so schwer verletzt gewesen, dass er im Krankenhaus habe behandelt werden müssen, sagte der Polizeisprecher. Die psychischen Verletzungen seien allerdings längst nicht so schnell zu heilen, fügte er hinzu.

Als die Polizei die Entführer wenig später festnehmen wollte, waren die längst geflüchtet. Sie seien aber in den Wochen nach der Tat festgenommen worden. Die Tat hatte sich schon im Juli ereignet, aus Ermittlungsgründen sei der Fall aber erst jetzt öffentlich gemacht worden, sagte der Sprecher.

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