16 Tage lang Aktionen gegen die alltägliche Gewalt gegen Frauen

Carolin Buchheim

#ichhabenichtangezeigt - unter diesem Hashtag haben im Sommer 2012 mehr als 1000 Menschen ihre Erfahrungen mit sexueller Gewalt auf Twitter und Facebook geteilt. Ab Montag werden diese Statements in der PH-Mensa ausgestellt. Die Ausstellung ist Teil der 16 Tage dauernden Aktionstage "Stopp Gewalt an Frauen". Worum's dabei geht und welche Veranstaltungen es sonst noch gibt:



„Häusliche Gewalt, das gibt’s immer noch?“ – so beschreibt Martina Raabeck vom Freiburger Interventionsprojekt gegen häusliche Gewalt eine häufige Reaktion auf ihre Arbeit. Das häusliche Gewalt im wahrsten Sinne des Wortes alltäglich ist, zeigt die Polizeistatistik: Rund 1400 Fälle von häuslicher Gewalt hat es 2013 bisher in Freiburg gegeben. Rein rechnerisch heißt das: jeden Tag vier.


Das Interventionsprojekt ist eine von 23 Organisationen, die sich in diesem Jahr in Freiburg im Rahmen der Kampagne „16 Tage Stopp Gewalt an Frauen“ zusammengeschlossen haben. Das Ziel: Gemeinsam mit einem vielseitigen Programm zu informieren, sensibilisieren und wachzurütteln. Die Aktionstage sind Teil einer weltweiten Kampagne. Der 25. November ist der Internationale Tag „Nein zu Gewalt an Frauen“, der 10. Dezember der „Internationale Tag der Menschenrechte“. An den 16 Tagen dazwischen engagieren sich seit 1999 weltweit tausende von Menschen.

Gewalt gegen Frauen hat viele Facetten. Sie reicht von sexistischen Belästigungen über Ungleichbehandlung in Beruf und Gesellschaft bis hin zu sexueller und häusliche Gewalt oder der Verletzung elementarer Menschenrechte.

„Wir wollen Mythen zerstören“, sagt Tina Patzelt von Frauenhorizonte e.V. Mythen prägten noch immer das Bild von Opfern und Tätern. Opfern werde durch Umfeld und Strafverfolgungsbehörden oft noch immer Mitschuld an der Tat gegeben, etwa weil sie zu aufreizende Kleidung gewählt oder sich nicht ausreichend gewährt hätten. Täter seien in der allgemeinen Wahrnehmung Unbekannte, die im Dunkeln lauerten.

Tatsächlich sind die Täter  den Opfern in den allermeisten Fällen bekannt. Jede vierte Frau wird statistisch gesehen im Laufe ihres Lebens Gewalt durch den eigenen Partner oder eine ihr bekannte Person erleben.

Den Freiburger Aktivistinnen ist der Blick auf die unterschiedlichen Gewalterfahrungen von Frauen in den verschiedenen Regionen der Welt besonders wichtig. So wird die Vernetzung des Aktionsbündnisses mit Frauengruppen in Kenia, Indien und Kanada auch im Programm offenbar. In diesem Zusammenhang weist Jasmina Prpic von „Anwältinnen ohne Grenzen“ auch auf die politische Dimension von Gewalt gegen Frauen hin. Über den Film „Gefährliche Helfer“, der sexuelle Gewalt durch UN-Blauhelmsoldaten dokumentiert, sagt sie: „Es muss nicht nur auf Taten aufmerksam gemacht werden, sondern auch auf deren systematisches Vertuschen.“



Die Aktionswoche startet am Montag, 25. November, um 12 Uhr mit einem theatralischen Aktionsrundgang durch die Stadt, der auf dem Augustinerplatz beginnt. An den darauffolgenden 16 Tagen sollen unterschiedlichste Filme gezeigt, bei Vorträgen informiert und bei Diskussionsrunden debattiert werden. In der Stadtbibliothek gibt es einen Büchertisch. Auch Selbstbehauptungsworkshops für Frauen und Mädchen stehen auf dem Programm.

Eindrucksvoll ist die Ausstellung „#ichhabenichtangezeigt“, die von Montag an in der Mensa der Pädagogischen Hochschule gezeigt wird. Sie illustriert die auf Twitter und Facebook gesammelten Erfahrungsberichte  von  Menschen, die sexuelle Gewalt erlebt, diese aber nicht angezeigt haben. Die Aktionstage enden mit einem Abschlussfest im Artik. Die einzelnen Veranstaltungen werden von den verschiedenen Gruppen und Vereinen eigenständig durchgeführt.

Schöne Aktion am Rande: Während der Aktionstage engagieren sich auch Freiburger Gastronomen. Das Sedan Café, die Kantine im Vauban, Café Légère, Cafe Velo, Das Kartoffelhaus, Hänslers Obst- und Gemüselädele sowie das Crash und das Drifter's sammeln mit speziellen Aktionen Geld für Frauenhorizonte e.V. Das Drifter's etwa will die gesamten Garderobeneinnamen vom 29. November spenden.

Das vollständige Programm

    Veranstaltungshinweis  

Die beteiligten Gruppen & Institutionen

 
  • Feministische Geschichtswerkstatt Freiburg e.V.
  • Terre des femmes, Arbeitsgruppe Freiburg

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