1378 (km): Ballerspiel an der DDR-Grenze

Christoph Müller-Stoffels

Der Karlsruher Student Jens M. Stober hat ein Computerspiel entwickelt, das einem die Wahl lässt zwischen Todesschütze oder Grenzflüchtling an der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Wie das tatsächlich aussieht, weiß niemand so genau, denn noch vor der Veröffentlichung empörten sich manche Medien. Ein "widerwärtiges DDR-Ballerspiel" nannte es die Bild-Zeitung und kippte damit den Termin.



Eigentlich sollte das Spiel am 3. Oktober der Öffentlichkeit präsentiert werden. Stober hat von diesem Termin abgesehen, „da eine sachliche Diskussion im Augenblick nicht möglich ist“. Die Schuld dafür sieht er bei der Bild-Zeitung. Es stellt sich allerdings auch die Frage, wie mit Geschichte in Computerspielen umgegangen werden sollte. „1378 (km)“ – so heißt das Spiel in Anlehnung an die Länge der einstigen innerdeutschen Grenze, beruht auf der Ästhetik des Ego-Shooters „Half Life 2: Deathmatch“. Man kann sich entscheiden,ob man Flüchtling oder Grenzsoldat ist, ob man den Schießbefehl ausführt oder ob man ihn verweigert. Gewinnen könne man nur, so Stober, wenn man den Befehl verweigert. „Grenzanlagen, Todesstreifen und Schießbefehl machen die Brutalität des Spiels aus.


Nicht nur Bild, sondern auch Opfer und deren Angehörige haben gegen das Spiel protestiert. Es sei geschmacklos. Stober betont zwar, dass es „keineswegs meine Absicht war, jemanden zu verletzen“, meint aber auch, dass sich die Ereignisse so nachfühlen ließen. Eine Aufgabe, die Computerspielen mit Sicherheit immer mehr zukommt, weil sie sich auf besondere Weise  dazu eignen. Außerdem gehören sie zur Lebensrealität der Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Wobei Jugendliche das Spiel nicht in die Finger bekommen sollen. Altersfreigabe ist ab 18 Jahren.
Jens M. Stober aber ist sich sicher: „1378(km) wird kommen.“ Erst in einer Betaversion, Anfang Dezember dann soll eine endgültige Version im Rahmen einer öffentlichen Diskussion mit hochkarätigen Gästen an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe vorgestellt werden.

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