11 Momente, die vom SC-Aufstieg in Erinnerung bleiben werden

Matthias Eisele

Mike Frantz singt Hulapalu, Karim Guédé klaut die Schale, ein kalifornischer Schwabe grüßt die SC-Fans: Der SC Freiburg hat gegen Heidenheim ein denkwürdiges Heimspiel zelebriert. Wir haben 11 Momente gesammelt, die bleiben werden:



1. Adieu des Tages

Das letzte Heimspiel einer Saison bringt meist Abschiede mit sich: Dieses Mal sagen SC-Verteidiger Vegar Eggen Hedenstad und Hauptsponsor Ehrmann Adieu. Während der eine, die Molkerei Ehrmann, von den Fans für sechs Jahre Sponsoring Applaus bekommt, gibt's für den anderen, den Norweger Hedenstad, auch eine Umarmung von SC-Präsident Fritz Keller. Künftig spielt er für St. Pauli.

2. Rot-Weiß des Tages

Nordtribüne Rot-Weiß lautet das Festmahl, das die Fans vor Anpfiff servieren: Rot-weiße Plastikbahnen zieren die Stehränge beim Einlaufen der Mannschaft, darunter steht: "Klar, dass nicht nur wenn es aufwärts geht, rot-weiß an erster Stelle steht." Auch sonst präsentiert sich die Freiburger Anhängerschaft erstligareif – zumindest 99 Prozent davon (siehe Nr. 6).



3. Kalifornischer Gruß des Tages

Ein ganz besonders prominenter Aufstiegsgruß erreichte die Leser des Freiburger Stadionheftes: Kein Geringerer als US-Nationalcoach Jürgen Klinsmann schrieb dem SC-Magazin ein paar Zeilen und lobt darin die Arbeit im Breisgau: "Mir gefällt vor allem die Unaufgeregtheit, mit der der SC agiert." Für die erste Liga, so der gebürtige Schwabe Klinsmann, drücke er den Freiburgern jedenfalls die Daumen.

4. Seitenhieb des Tages

Die Tabelle der ersten Liga können auch die Freiburger Spieler und Fans lesen – beide kennen daher die (nur noch geringen) Chancen des VfB Stuttgart auf einen Klassenverbleib. Die badischen Fans freut’s. Sie singen am Sonntag mehrfach: "Wir steigen auf und Stuttgart ab."

Selbst Oberbürgermeister Dieter Salomon witzelt nach Spielende auf der Bühne hinter der Nordtribüne: "Nächstes Jahr findet das Baden-Württemberg-Derby zwischen Freiburg und Hoffenheim statt". Und SC-Kapitän und Ex-VfB'ler Julian Schuster sagt: "Ich finde Derbys immer schön. Aber nächstes Jahr gibt es wahrscheinlich eines weniger."

5. Song des Tages

Über Musikgeschmack lässt sich ja vortrefflich streiten. Aber eins muss man Mike Frantz lassen: Seit er auf der feucht-fröhlichen Pressekonferenz in Paderborn vor einer Woche das Lied "Hulapalu" von Andreas Gabalier anstimmte, scheint es im Freiburg-Kosmos kein anderes Lied mehr zu geben. Selbst in der Halbzeitpause am Sonntag lässt die Stadionregie das Lied laufen (""Ein Lied für einen unseren Spieler", kündigt Stadionsprecher Claus Köhn den Song an). Und auf der Bühne hinter Nord gibt Mike Frantz das Stück dann noch selbst zum Besten - zur Freude der Fans.



6. Prozentrechner des Tages

Christian Streich ist richtig sauer: "Die Mannschaft war traurig und erbost, weil nach 55 Minuten einige Leute mit Pfeifen anfingen", sagt der SC-Trainer auf der Pressekonferenz nach dem 2:0-Sieg – und fügt hinzu: "Ich bin maßlos enttäuscht über solche Leute, die pfeifen. Ich möchte solche Leute nicht im Stadion haben." Dabei handele es sich aber nur um ein Prozent der Anhänger, sagt Streich und fügt deshalb noch an: "Danke an die anderen 99 Prozent unserer Fans."

7. Trophäenklau des Tages

Da ist das Ding: Ein strahlender Julian Schuster kommt weit nach Spielschluss mit der Zweitliga-Meisterschale unterm Arm zu dem Häuflein geduldiger Reporter und erzählt: "Es hat mich sehr gefreut, dass die Jungs gleich gesagt haben, dass ich die Schale als Erster bekomme." Lange währt die Freude aber nicht. Denn von hinten schleicht sich Karim Guédé an und stibitzt seinem Kapitän die Trophäe. Der nimmt’s gelassen. "Der Karim darf das. Bei jedem anderen Spieler hätte ich mich gewehrt."

8. Ankündigung des Tages

Nils Petersen weiß, wie man die Fans glücklich macht – und kündigt am Sonntag an: "Vor einer Woche hieß unser Ziel Aufstieg, an diesem Wochenende war das Ziel die Meisterschaft – und jetzt ist das Ziel, dass ich noch die Torjägerkanone hole." Im letzten Spiel in Berlin muss er sich aber gehörig anstrengen. Kontrahent Simon Terodde traf am Sonntag doppelt und liegt ein Tor vor Petersen. Der verspricht: "Wenn ich die Kanone hole, widme ich sie den Fans, die uns so toll unterstützt haben."

9. Jubeltraube des Tages

Das gab es in Freiburg schon lange nicht mehr. Als die Fans nach der Übergabe der Meisterschale SC-Trainer Streich dazu aufzufordern, er möge doch bitte vor der Nordtribüne die obligatorische "Humba" singen, bekommen sie gleich die komplette Mannschaft: Das ganze SC-Team klettert über den Zaun und hinein in den Fanblock. "Mittendrin auf Nord, das hat riesig Spaß gemacht", freut sich Torhüter Alexander Schwolow.

10. Glücksbringer des Tages

Mit Bielefeld ist er vor einem Jahr als Meister der dritten Liga aufgestiegen, nun, als Meister der zweiten Liga, steigt Alexander Schwolow mit dem SC Freiburg in die erste Bundesliga auf. Einen besseren Glücksbringer scheint es für eine Mannschaft nicht zu geben. Aber was kommt dann? "Um die Reihe zu komplettieren, weiß ja jeder, was im nächsten Jahr kommen wird", sagt Schwolow – und schiebt ein "Nee, ist nur Spaß" hinterher. Man darf ja mal träumen.

11. Jubler des Tages

So, wie am Sonntag, hat man SC-Trainer Christian Streich noch nie gesehen: Hüpfend über den Rasen, die Meisterschale in die Höhe reckend und zwischen Fan-Trauben verschwindend - und ja, selbst singend sieht und hört man Christian Streich: "Nie mehr zweite Liga" – auch mit dem Mikro in der Hand gibt der SC-Coach auf der Bühne hinter Nord eine prima Figur ab.

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