1000 Zeichen Liebe: Der gestrige Tatort "Hydra"

Veit-Lorenz Cornelis

Heute morgen auf fudder: Redakteur Daniel Laufer schreibt, dass er den gestrigen Tatort albernen Fernsehschrott fand. fudder-Autor Veit-Lorenz Cornelis wollte sich das nicht gefallen lassen - und hat 1000 Zeichen dagegen geschrieben:



Sonntag, 20:15 Uhr: der Generationenvertrag eines Landes greift um sich. Jung und alt - Deutschland zieht sich für 90 Minuten zurück. Raus aus dem Alltag – willkommen im fiktiven Leben fiktiver Helden. Helden für alle: Vati sitzt auf dem Sofa und Mutti freut sich aus dem „Off“ über Dortmund: „Die haben Klasse!" 


Seit Jahren freut sich das Land über die, zugegeben, oft konstruierten, Räuber-und-Gendarm-Spiele. Die Charaktere wurden an Zeit und Willen des Volkes angepasst: aus Kommissar Bienzles Trenchcoat wurde Hartmanns Fair-Trade-Parka. Aus dem Alleinunterhalter Schimanski wurden Teams aus Kriminaltechnikern und Pathologen, aus einem Bankraub wurde globalisierter Menschenhandel. Der Blick Deutschlands verschärfte sich: soziale Probleme, wie der Dortmunder Extremismus, überlagern das Suchen-nach-dem-Mörder. Der Tatort wurde zu einem Stillleben der Gesellschaft.

Willst Du wissen, welche Themen Deutschland 1992 bewegt haben? Schau dir den Tatort an. Und nächsten Sonntag geht es weiter.

Mehr dazu:

Dieser Text ist eine Replik auf den Text des Kollegen Daniel Laufer: 1000 Zeichen Hass: Der gestrige Tatort "Hydra"