Barcamp

100 Freiburger diskutierten, "wie wir leben wollen"

Wulf Rüskamp

Das Thema Wohnen treibt die Freiburgerinnen und Freiburger um. "Wohnen in Freiburg – wie wir leben wollen!" war das Thema eines Barcamps im Historischen Kaufhaus – 100 Menschen kamen.

Die Einladung war nicht als Frage formuliert: "Wohnen in Freiburg – wie wir leben wollen!". Dennoch hatten die gut 100 Menschen, die ihr am Samstag ins Historischen Kaufhaus gefolgt waren, sie als Frage verstanden.


Und zwar als hoch aktuelle zur Wohnungsnot und zum geplanten Stadtteil Dietenbach. Dass es nicht zum gewohnten Schlagabtausch kam, hatte mit der Form der Veranstaltung zu tun, die vom Architekturforum ausgerichtet und von "Freiburg gestalten" mitorganisiert worden war.

Diese Gruppe steht für eine neue, offene und niederschwellige Diskussionsform, das "Barcamp": Jeder und jede können ein Thema einbringen, über das in kleinen Gruppen gesprochen wird; das Ergebnis ist eine Sammlung von Stichworten und Thesen, die im Internet veröffentlicht wird. Was daraus wird, ist offen: Es hängt davon ab, was die Menschen anschließend daraus machen. Zunächst einmal aber hat man darüber geredet, was viele Teilnehmer nach fünf Stunden als durchaus anregend empfanden.

Hinter dem Barcamp steht, wie einer der Organisatoren, Dejan Mihajlovic, sagt, die Grundidee, dass die Menschen miteinander über Fragen der Gesellschaft ins Gespräch kommen und sich dadurch selbst wahrgenommen fühlen – auch in dem, was sie zur Wohnungsnot und zum Stadtteil Dietenbach zu sagen haben.

Diskutieren mit "Martin" und "Rüdiger"

Dieses Bedürfnis bestand an diesem Nachmittag offenbar vor allem bei Architektinnen und Architekten: Sie machten fast die Hälfte der Teilnehmer aus. Vertreten war mit Baubürgermeister Martin Haag und Rüdiger Engel, Leiter der Projektgruppe Dietenbach, auch die Stadtverwaltung – beide freilich im betont egalitären Rahmen eines Barcamps nur als "Martin" und "Rüdiger". Die weitere Diskussion wird zeigen, was sie mit den vielen Wortmeldungen am Samstag anfangen werden.

Gleiches gilt auch für die wenigen Kritiker der Dietenbach-Pläne: In den Runden zeichnete sich eine klare Mehrheit ab, dass der neue Stadtteil von Menschen, die in Freiburg eine Wohnung suchen, für notwendig gehalten wird, aber dass viele auch überzeugt sind, eine Stadt, die sich dem Wachstum verweigert, falle in ihrer Entwicklung zurück: "Freiburg muss sich verändern, damit die Stadt so bleibt, wie sie ist", war einer der Sätze, die in zwölf Gesprächsrunden fielen und am Ende auf Protokollpostern standen. Ein anderer: "Es ist unsozial, eine Stadt abzuschließen und niemanden mehr reinzulassen."

Ein Fazit der Diskussionen zog an diesem Tag niemand, klar wurde aber, dass die Erwartungen an den neuen Stadtteil hoch sind: Bezahlbare Mieten, soziale Mischung, genossenschaftliches Bauen, gemeinschaftliches Wohnen, neue Wohnformen – so lauteten einige Stichworte.

Zudem äußerten viele den Wunsch, dass es, wenn der Bürgerentscheid, wie sie hoffen, für das neue Stadtquartier positiv ausgehe, die bürgerschaftliche Diskussion erst recht losgehen müsse.

Unter Umständen auch in Barcamps, deren lockere, freilich auch unverbindliche Form an diesem Tag behagte. Das aber, sagt Mihajlovic, hänge nicht vom Organisator ab, sondern müsse von den Bürgern in deren allmonatlich stattfindende Barcamps hineingetragen werden.
Mehr Infos zu den Barcamps unter freiburg-gestalten.de