10 Tipps vom Profi: Woran erkennst Du einen guten Anzug?

Andreas Braun

Egal ob Abschlussball oder Bewerbungsgespräch. Irgendwann brauchst Du ihn: einen guten Anzug. Aber was solltest Du bei der Auswahl und beim Kauf beachten? Wir haben uns mit dem Anzugexperten Benedikt Flügel unterhalten und 10 Tipps zusammengestellt.



1. Passt gut…

Ein Anzug sollte gut passen. Du denkst Dir jetzt sicherlich, "Was ist das für eine neue Erkenntnis?". Ganz so einfach, wie das klingt, ist es aber leider nicht. Denn wer schon mal in einem Kaufhaus oder einem Herrenmode-Geschäft war, stand sicherlich einem Meer aus Anzügen entgegen. "Der Anzugkauf beginnt schon vor dem Spiegel", sagt Benedikt Flügel. Du solltest Dir schon Zuhause Gedanken machen, welche Art Anzug Du gerne hättest. Im Geschäft oder beim Maßkonfektionär sollte Dir eine fachkundige Beratung zur Seite stehen. Doch Verkäufer heißen nicht umsonst so. Bevor Du Dich für einen Kauf entscheidest, sollte noch jemand anderes mitentscheiden. Am besten dafür geeignet ist ein Kumpel, der schon etwas Anzugerfahrung hat und ganz klar sagt, was gut und was eher nicht so gut aussieht

2....zu Deinem Körper

Nicht nur Frauen, sondern auch Männer sollten zu ihrem Körper und ihren Maßen stehen. Egal ob lange Arme, Sixpack oder Fässle. Auch wenn es vielen schwerfällt: der Anzug muss zum Körperbau passen und nicht der Körper zum Anzug.

3. Der erste Anzug sollte…

Nicht zu sehr auffallen. "Er darf gerne uniformeller sein", so der Experte. Besonders beliebt und schick ist Dunkelblau. Alternativ geht auch ein schwarzer Anzug. Dieser ist auf jeden Fall für alle Anlässe geeignet. Egal ob Opernbesuch, Ball, Hochzeit, Taufe oder Beerdigung. Mit einem ersten Anzug in Schwarz kannst Du eigentlich nichts falsch machen.

4. Als Farbtupfer…

Können Hemd, Socken, Krawatte oder Fliege dienen. Nur weil dein Anzug dunkel ist, heißt das noch lange nicht, dass die Kleidung dunkel und trist sein muss. Zugegeben: Fliegen sind heutzutage eher selten zu sehen, aber auch das kann ja den Reiz ausmachen. Egal, ob Fliege oder Krawatte, Du kannst ruhig kräftigere Farben nehmen. Seit einigen Jahren müssen Socken auch nicht mehr monoton Schwarz sein. Socken in kräftigen Farben, es müssen ja nicht gleich Justin Trudeaus Star Wars Socken sein, können ein echter Hingucker sein und lockern den Gesamteindruck wesentlich auf. Nicht zu vernachlässigen sind auch Gürtel und Schuhe. "Einen schlechten Schuh kann auch der schönste Anzug nicht mehr retten", meint Benedikt Flügel.

5. Fühle Dich in Deinem Anzug wohl

Ein Anzug ist auch ein Statement. Bekanntlich zählt ja der erste Eindruck – und den gewinnt man in der Regel mit den Augen. Deshalb solltest Du Deinen Anzug auch mit Überzeugung tragen und Dich dabei selbstsicher fühlen. Nicht der Verkäufer trägt den Anzug, sondern Du. Von daher wird ein ehrlicher Berater auch auf Deine Wünsche eingehen, zeitgleich aber auch versuchen, Dich vor modischen Fehlgriffen zu bewahren. Nicht immer musst Du einen Anzug nach Vorschrift tragen. "Die Lehrbuchmaße für Sakkoärmel sehen zum Beispiel vor, dass man die Manschettenknöpfe sieht und viele Menschen den Eindruck haben, dass die Ärmel viel zu kurz sind. So kurz sollten Anzüge aber eigentlich sein", doch auch gegen etwas längere Ärmel hat Benedikt Flügel nichts einzuwenden.

6. Hier sollte der Anzug gut sitzen

Der Anzug sollte möglichst überall sitzen. Tut er das nicht, erkennst Du das vor allem am Schnitt, also an den Schultern oder an der Taille. Doch auch hier gibt es je nach Modell Unterschiede: ob klassischer Schnitt, mit breiteren und gepolsterten Schultern oder italienisch, ein enger und aktuell modernerer Schnitt, der Anzug sitzt immer unterschiedlich. Natürlich sticht auch die Ärmellänge sofort ins Auge. Hier gilt der Rat des Experten: "Lieber einen Zentimeter zu kurz als einen zu lang".

7. Gute Qualität

Klar, dass die Qualität des Anzugs gut sein sollte. Doch wie erkennst Du, was gut und was schlecht ist? Als Laie ist das etwas schwierig, denn es gibt Anzüge aus einigen unterschiedlichen Materialien. Das sind unter anderem: Leinen, Baumwolle oder Mischgewebe. Was Du aber, sofern die Anzughose nicht aus Leinen ist, machen kannst ist: Zumindest die Hose in die Hand nehmen, die Finger zur Faust schließen und einmal mit den Fingern reiben. Ist die Hose danach sofort verknittert, scheint der Stoff nicht besonders hochwertig zu sein.

Auch die am Anzug angebrachten Etiketten dienen nicht nur als Preisschild, sondern können Dir auch etwas über das Material verraten. "Auf dem Etikett sollte zumindest S100 oder S110 stehen", empfiehlt Benedikt Flügel, "auch wenn diese Angaben leider nicht geschützt sind und jeder sie draufschreiben kann". Je höher die S Zahl ist, umso feiner und zarter sollte der Stoff eigentlich sein. S100 bedeutet also, dass 100 Meter des verwendeten Wollgarns 1 Gramm wiegen.

8. Made in Germany?

Ein guter Anzug muss nicht unbedingt "Made in Germany" sein. "Made in Europe" ist genauso gut. "Mir ist es wichtig, dass der Anzug unter menschlichen Bedingungen hergestellt wird. Deshalb lasse ich bei mir bestellte Anzüge nur in Europa nähen." Nicht nur die Arbeitsbedingungen in Nähereien in Europa sind besser als in Pakistan oder China, auch die Qualität stimmt hier. Benedikt Flügels Anzüge sind ein europäisches Produkt: "Ich nehme gerne italienische oder schottische Stoffe und lasse diese auch in Europa verarbeiten."

9. Bringe Zeit mit

Nicht nur das Aussuchen und Bestellen eines Anzugs dauert seine Zeit. Solltest Du ihn nicht im Laden kaufen, sondern einen eigens für Dich maßgefertigten Anzug bestellen, kann das schon mal ein paar Wochen dauern. "In der Regel dauert die Herstellung und der Versand eines Anzugs vier Wochen. Bei speziellen Sonderwünschen können das auch mal fünf sein. Deshalb sollte man den Anzugkauf rechtzeitig planen", rät Flügel.

10. Der Preis

Preislich gibt es nach oben theoretisch kaum eine Grenze. Wichtig ist nur, dass Du bereit bist, mehrere hundert Euro auszugeben. Doch nur, weil ein Anzug viel kostet, heißt das nicht, dass er lange hält. Oftmals sind die Materialien eines teuren Anzugs sehr fein und durch häufiges Tragen kann sich die Lebenszeit eines Anzugs schnell verkürzen. Von daher empfiehlt es sich, so Flügel, "lieber als Einstiegsmodell einen etwas "festeren" Anzugstoff vorzuziehen".
Benedikt Flügel ist Maßkonfektionär und betreibt seit einigen Jahren einen Showroom in der Kaiser-Joseph-Straße. Seine Kundschaft ist recht vielfältig und kommt aus Deutschland und der Schweiz. Abiturienten gehören ebenso dazu wie Geschäftsmänner.

Die Maßkonfektion zeichnet sich dadurch aus, dass der Anzug exakt nach den Maßen des Kunden und seinem individuellen Stil geschneidert und angefertigt wird.