10 Freiburger Straßennamen und was sie bedeuten

Joshua Kocher

Die "Colombistraße", die "Sedanstraße" oder die "Rempartstraße": Freiburg hat viele Straßen mit interessanten Namen. fudder-Autor Joshua Kocher hat die zehn wichtigsten rausgesucht:



1. Sedanstraße

Nach dem "deutsch-dänischen" und dem "preußisch-deutschen" oder "deutschen Krieg" trieb vor allem der "deutsch-französische Krieg" von 1870/71 eine Einigung zum norddeutschen Bund und später zum Kaiserreich voran.

Otto von Bismarck (deutschert Reichskanzler 1862-90) sah im Krieg gegen Frankreich die Chance, die nationale Einigung Deutschlands unter preußischer Führung herbeizuführen. Mit dem Sieg in der Entscheidungsschlacht bei Sedan am 2. September 1870 war schließlich das Ende der Kaiserherrschaft Napoleons III. in Frankreich besiegelt.

Sedan war in der Folge Nährboden für ein übersteigertes Nationalbewusstsein der Deutschen, was sich unter anderem in alljährlichen "Sedanfeiern" zeigt. Bei den Kapitulationsverhandlungen mit den Franzosen war, nebenbei bemerkt, General Moltke maßgeblich beteiligt, welchem die kreuzende Moltkestraße zubenannt ist.



2. Adlerstraße

Ein roter Adler auf goldenem Grund stellte das Wappenzeichen der Grafen von Freiburg, den Nachfolgern der Zähringer Stadtgründer, dar. Sie beherrschten die Stadt Freiburg und den Breisgau im 13. und 14. Jahrhundert.

Leider waren sie nicht sonderlich beliebt bei den Bürgern der Stadt und so kam es Mitte des 14.Jahrhunderts zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Bürgern und Adel. Also entschlossen die Stadträte im Jahre 1368, sich von den  Grafen freizukaufen und sich freiwillig den Habsburgern zu unterstellen.



3. Rempartstraße

Das französische Wort "Rempart" wird als Synonym für einen Burg- oder Schutzwall verwendet. Es bezeichnet somit die Befestigung einer Stadt mit aufgeschütteter Erde und steinverkleideten Mauern.

Auch wird es für die sogenannten "Kurtinen" benutzt, einem Wall zwischen zwei "Bastionen" (in neueren Anlagen von Türmen abgelöst). Die Rempartstraße verläuft hinter der Kurtine, die eine Bastei am späteren Holzmarkt ("Kaiserbastei") mit einer in der Nähe der heutigen Kollegiengebäude der Uni ("Kaiserinbastei") verband.



4. An der Mehlwaage

Die städtische Mehlwaage wurde 1607 erbaut und diente zum Wiegen, Taxieren und Lagern von Mehl. Der Erlös aus Weiterverkauf und Zoll floss dabei in die Stadtkasse. Von der Kaiser-Joseph-Straße kommend, muss das Gebäude ziemlich ansehnlich gewesen sein, der geschmückte Giebel ähnelte dabei dem am alten Rathaus.

Nach dem Abriss in den Jahren 1834/35 war zwar ein Neubau am Viehmarkt (heute Holzmarktplatz) geplant, wurde aber aufgrund der Abschaffung der Mehlzölle nicht vollzogen. Teile der alten Mehlwaage fand man später in den Fundamenten der Schwabentorbrücke wieder, was darauf hinweist, dass altes Abbruchmaterial der Mehlwaage hier wiederverbaut wurde.



5. Kaiser-Joseph-Straße

"Alles für das Volk, aber nichts durch das Volk" - so lautete wohl der Leitspruch Josephs II. Erzherzog Joseph von Österreich ging es in seiner Amtsperiode (1764-1790) als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, vor allem darum, einen zentralisierten österreichischen Staat zu errichten, nach dem Vorbild Frankreichs oder Preußens.

Dies benötigte eine radikale Umformung des Staates, was für Freiburg und andere Städte das Ende der kommunalen Selbstverwaltung bedeutete. Die futuristischen Reformen Josephs II., zu denen (im positiven Sinne) auch die Aufhebung der Leibeigenschaft und die Abschaffung der Folter zählten, gingen dabei meist etwas zu weit.

Auf der Rückreise eines Besuches beim französischen Königshaus 1777, kam Joseph II. durch Freiburg, was Anlass für die Benennung der Hauptgasse zwischen Martinstor und Karlskaserne war. Fortan hieß diese nämlich "Kaiserstraße".



6. Oberlinden

Der Sage nach existierte die Linde an der Straßengabelung bereits vor der Entstehung der Stadt selbst. Doch auch, wenn die Linde zwischenzeitlich wohl mindestens einmal neu gepflanzt wurde, so blieb doch der Name des ganzen Viertels, in Abgrenzung zu "Unterlinden".

Die heutige Linde steht dort wohl seit 1729 und überlebte sogar, wenn auch schwerverletzt, die Bombennacht vom 27. November 1944 – ein wahres Freiburger Urgestein also.



7. Rotteckring

Karl von Rotteck, der sich das Wort "Freiheit" als Leitmotiv seines Lebens nahm und von Kaiser Joseph II. in den österreichischen Adel aufgenommen wurde, erlangte 1789 die Professur für Weltgeschichte an der Uni Freiburg.

Als Vertreter der Universität erlangten seine mutigen Kammerreden in der Politik an Aufmerksamkeit, welche ihm zum Aufstieg zum Wortführer der liberalen Opposition verhalfen und einen Platz im badischen Landtag sicherten. Er gilt unter anderem als Begründer des südwestlichen "Liberalismus".



8. Colombistraße

Als Witwe des spanischen Generalkonsuls Don Antonio de Colombi y Payet ließ sich die wohlhabende Gräfin Maria von Colombi (1782-1872) in Freiburg am Karlsplatz nieder. In ihrem Auftrag erbaute der Freiburger Architekt Georg Jakob Schneider eine Villa im Stil der englischen Neugotik, die von einem prächtigen Park umgeben ist.

Sie und ihre Tochter starben jedoch beide innerhalb kürzester Zeit nach dem Einzug in die Villa. Das Anwesen wurde verkauft, das riesige Grundstück in Bauplätze aufgeteilt und durch die Colombi- und Rosastraße erschlossen. Das Schlössle dient seither als Dienststelle der Stadt, seit 1983 lässt sich darin das Museum für Ur- und Frühgeschichte bestaunen.



9. Bertoldstraße

Auch wenn bereits Bertold II. im Jahre 1091 die Siedlung Freiburg anlegte und Konrad I. dieser dann das Marktrecht verlieh (1120), ist die Bertoldstraße Bertold III. gewidmet, da die Vollendung Freiburgs zur Stadt unter seiner Herrschaft stattfand.

Die Zähringer waren ein Herzogsgeschlecht des hohen Mittelalters und gelten als die Gründerväter der Städte Freiburg, sowie Offenburg, Bern, Zürich oder auch Villingen. Unter ihrer Herrschaft entstanden um 1170 auch die planvoll angelegten Bächle, welche zur Brauchwasserversorgung, sowie zur Schmutzwasserentsorgung dienten und deren Wasser aus der Dreisam stammt.

Um 1200 begann man unter Bertold V. auch mit dem Bau des Freiburger Münsters, bevor die Zähringer im Jahre 1281 ausstarben und durch die unbeliebten Freiburger Grafen beerbt wurden.



10. Wallstraße

Im Bereich der Wallstraße lassen sich heute noch Wall und Graben der Festung Freiburg ausmachen. Die Seitenstraßen zur Straße hin steigen noch leicht an und fallen zur Altstadt hin wieder ab. Aus der Vogelperspektive ähnelte der Wall Freiburgs im 17. und 19. Jahrhundert einem Stern und bestand aus aufgeschütteter Erde mit gemauerten Außenseiten.

Quellen:
  • Peter Kalchthaler: Freiburger Wege. Straßennamen mit Geschichte (Band 1+2), Freiburg 1998
  • Peter Kalchthaler: Freiburger Biographien (Promo Verlag). Veranstaltungsprogramm zur 875-Jahr-Feier 1995, Freiburg 1995

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[Fotos: Joshua Kocher]