10 Dinge, die Du nur kennst, wenn Du am Bertoldsbrunnen wohnst

Sarah Bösch

Zu laut für Schlaf, die Straßen überfüllt, kein Grün: In der Innenstadt zu wohnen ist für viele das Schlimmste, was sie sich vorstellen können. Fudder-Autorin Sarah Bösch erklärt, warum es das Geilste überhaupt ist:



1. Shopping direkt vor der Haustüre

Wenn mir um 19:55 Uhr oder, schlimmer noch, kurz vor 10 Uhr einfällt, dass kein Tiramisu-Eis, Cola oder keine Abschminktücher mehr da sind, bleibt mein Herz erst einmal stehen. Aaarrgghhh, ich kann mich nicht abschminken! Ich kann doch nicht bis morgen... Bäääh, dann hängt mir das ganze schwarze Mascara-Zeugs ja im Gesicht. Nun, da ich am Bertoldsbrunnen wohne, bin ich in Nullkommanix bei Aldi, Edeka, REWE, Müller oder dm und kann diese lebensnotwendigen Artikel kaufen. Panikattacken und möglicherweise sogar Streit können so dezent vermieden werden.

2. Uni und Unibibliothek in Laufdistanz

Manchmal bin ich total unmotiviert und will mein geliebtes Bett einfach nicht verlassen. Und duschen will ich dann schon gar nicht. Aber, und das konnte ich schon des Öfteren beobachten, meine Motivation steigt in Anbetracht der Tatsache, dass die Uni und die Unibibliothek in Nullkommanix zu erreichen sind. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass mich auf dem kurzen Weg eh niemand sieht, da ist es auch egal, ob meine Haare frisch gewaschen, noch nass oder ungewaschen sind. Zur Not ziehe ich einfach eine Mütze auf und Jogginghose an, dann denken eh alle, ich gehe danach noch zum Sport.

Des Weiteren, und das ist ja wohl das Beste an der Sache, begegnen mir auf dem Weg viele Bäckereien, bei denen ich mir einen Coffee to go und einen kleinen Snack mitnehmen kann. Denn wer weiß das nicht: Kaffee am Morgen vertreibt Kummer und (Uni-)Sorgen! Und: Selbst wenn ich verschlafen habe, komme ich so noch einigermaßen püntklich zur Uni.

3. Ich will ins Bett!

Wenn ich bis morgens durch die Freiburger Clubs getourt bin, fühle ich mich oft kaputt und müde. Und kalt ist mir dann meistens auch noch. In diesen Momenten ist das Einzige, was ich mir wünsche, mein Bett.

An solchen Tagen ist es unfassbar praktisch, wenn man in der Innenstadt wohnt. Denn so bin ich (eigentlich) immer, egal, in welcher Bar, Club oder Disko ich zuletzt war, innerhalb weniger Minuten zuhause. Und, was mindestens genauso cool ist: Ich muss nicht nach passenden Straßenbahnen, Bussen oder Zügen suchen, die mich in Richtung Bett bringen.

4. Need to relax?

Wenn ich genug von der Uni und den Klausuren habe oder einfach nur eine Pause will, dann gehe ich an einen wunderschönen Ort, der sich ganz in meiner Nähe befindet: Der wunder-, wunderschöne Stadtgarten! Dort kann ich ein paar kleinere und größere Runden spazieren gehen, bekanntermaßen macht Bewegung ja einen freien Kopf. Anschließend kann ich mich auf einer der vielen Bänke niederlassen, um den friedlichen Enten auf dem kleinen Teich beim Schwimmen zuzuschauen, in lachende Kindergesichter zu schauen, ein Buch zu lesen, das ich eh schon immer mal lesen wollte, aber irgendwie doch nicht die Zeit dazu gefunden hatte oder aber ich mache einfach nur meine Augen zu und lausche den Geräuschen. Seeeeehr entspannend!

Abgesehen davon kann man im Stadtgarten bei schönem Wetter unheimlich gut Frisbee spielen oder gemeinsam mit Freunden grillen.

5. Das Münster

Klar, es sieht schön aus. Auch stolz kann man ein bisschen darauf sein, denn schließlich kommen so einige Menschen nur nach Freiburg ums "Münschter" anzuschauen und um danach einen leckeren Käsekuchen von Stefan zu kaufen.

Aber was noch viel, viel wichtiger ist: Das Münster ist meine Uhr! Ja, besser geht's nicht. Die Glocken läuten jede Viertelstunde. Um Viertel nach fünf einmal, um halb sechs zweimal, um dreiviertel sechs dreimal und um sechs schließlich sechs Mal. Sobald man diese Regelmäßigkeiten versteht und verinnerlicht hat, braucht man wirklich keine Uhr mehr!

6. Du bist nie alleine

In bestimmten Phasen des Jahres sitze ich tagelang am Schreibtisch. Ich lese, markiere, lese weiter, schreibe und wiederhole. Ein menschliches Wesen habe ich dann zuletzt vor gefühlten 200 Tagen gesehen. Unweigerlich kommt in solchen Phasen in meinem tiefsten Inneren das Gefühl der Einsamkeit auf. Erst leicht, dann immer stärker.

Oft packe ich dann meinen Laptop, die Bücher, die Textmarker und meine Brille einfach schnell in meine Tasche und los geht's! Direkt vor meiner Haustür befinden sich nämlich viele schnuckelige Cafés: Entweder ich trinke ganz gemütlich beim Starbucks einen Caffè Latte und beobachte ab und an vorbeilaufende Leute oder aber ich gehe zum UC Café und esse einen leckeren Thunfischsalat oder Flammkuchen. Dort kann ich das studentische Treiben beobachten, studentische Themen erlauschen und höchstwahrscheinlich läuft sogar ein netter Kumpel oder eine Kumpeline vorbei, der/die sich zu mir gesellt. Und schon ist Schluss mit der Einsamkeit!

7. No car, no problem

Mir liegen Themen wie Natur und Umweltschutz unheimlich am Herzen. Auch das ist ein Grund, warum ich am Bertoldsbrunnen wohne. Hier brauche ich nämlich kein Auto mehr, da (wie oben bereits erwähnt) alle wichtigen Locations in meiner Nähe sind. Falls ich aber doch einmal einen Termin außerhalb von der KaJo habe, bringen mich die vielen Straßenbahnen schnell in alle Himmelsrichtungen. Kürzere Wege lassen sich locker mit dem Fahrrad zurücklegen, hierbei tue ich sogar noch etwas für meine Fitness. Natürlich komme ich auch zu Fuß überall hin. Und, nicht zu vergessen: Die lästige Parkplatzsuche bleibt mir erspart!

8. Du brauchst keinen Regenschirm mehr

In Freiburg regnet es glücklicherweise nicht oft, aber wenn es dann einmal soweit ist, sind viele Freiburger für die neuen Bedingungen nicht vorbereitet. Auch ich vergesse meinen Regenschirm des Öfteren zuhause oder anderswo bzw. verliere ihn ganz. Wenn es dir genauso geht, solltest du dir ernsthaft überlegen, in die Innenstadt zu ziehen. Denn hier brauche ich keinen Regenschirm mehr! Das Prinzip ist ganz einfach: Wenn ich gaaaaaaaanz nah an den Häusern der KaJo entlang laufe, dann werde ich nicht nass, denn dort ist alles überdacht. Sehr praktisch!

9. Du wirst zum Wohltäter!

Seit ich am Bertoldsbrunnen wohne, bekomme ich immer wieder Anfragen von feierwütigen Freunden, die außerhalb wohnen, ob sie bei mir pennen können. Diese Freunde glauben den Nachhauseweg nicht mehr zu schaffen und sie haben noch keinen Plan, wo sie überhaupt schlafen sollen. Da liegt die Lösung auf der Hand: Zu mir sind es nur ein paar Schritte und zum Bahnhof haben sie es dann morgen auch nicht weit! In diesen Momenten kann ich meine soziale Ader zeigen und sie für die Nacht beherbergen. Sie werden mir ewig dankbar sein und es ist offensichtlich, dass mein Ansehen im Freundeskreis durch solche wohltätigen Taten unfassbar steigt!

10. Lovely music

Jeden Tag, egal ob es regnet oder schneit, sitzen und stehen kleine und große musikalische Talente in der KaJo, die von Herzen singen und den vorbeilaufenden Menschen auf diese Weise den Tag versüßen. Für die Passanten ist es eine nette Unterhaltung. Einige bleiben sogar stehen und wenn ihnen die Musik besonders gut gefällt, werfen sie sogar ein paar Münzen in den Korb.

Aber auch ich als Bewohner der Innenstadt profitiere unheimlich davon, denn wenn mein Fenster offen steht, höre ich jeden Tag schöne Gittarrenakkorde, Flötentöne und herausragende Stimmen. Außerdem brauche ich von nun an kein Radio mehr, weil ich mich von den angenehmen Stimmen der Menschen und der großartigen Musik unterhalten lassen kann. I like!

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[Foto: Rita Eggstein]