1 + 3 = Silbermond

Johann Schwarz

Erfolgreiche Popmusik lässt sich manchmal in ganz einfachen mathematischen Gleichungen beschreiben. So wie bei Silbermond. Die Band aus Bautzen stand gestern in der (nur mit 2000 Fans gefüllten) Rothaus Arena auf der Bühne. Unsere Autorin Johanna Schwarz hat nachgerechnet und kam auf folgende Gleichung: 1 + 3 = Silbermond.

Eine Zeit lang sah es so aus, als wären Silbermond auf dem Musikmarkt in das Schema des „1+3“ zu pressen: Eine Sängerin, gerne brünett, singt mal tiefsinnigere („Wir sind Helden“), mal erschreckend banale Texte („Juli“), wobei sich drei Jungs um sie scharen und unbeirrbar die Begleitmusik zu ihrem Gesang liefern. Im Fall der Band „Wir sind Helden“, die von der Musikpresse gerne als Prototyp dieser Formation gefeiert wird, spielt Sängerin Judith Holofernes gar selbst Gitarre. Die „langweiligen Epigonen“, wie der „Rolling Stone“ die an Aufbau und Konzept der „Helden“ angelehnten Gruppen einmal nannte, beschränken die Aufgaben der Sängerin hingegen auf Tanzen, Singen und teils ernüchternde Ansagen. Zitat Juli: „Hallo ihr! Wollt ihr mit uns rocken!?“ (Nein, wir sind gekommen, um mit euch Kürbissuppe zu essen.) Hauptsache 1+3, Hauptsache deutsch. Denn das ist das zweite Moment, das Gruppen wie „Wir sind Helden“, „Juli“ oder eben „Silbermond“, die am Mittwoch in der Freiburger Rothausarena gastierten, eint: Sie singen, wenn auch auf unterschiedlichstem Niveau, Popmusik in ihrer Muttersprache.


Nun muss man allerdings sagen, dass „Silbermond“ zu überraschen wissen: Denn nicht nur bedienen die vier aus Bautzen verschiedene Unterarten der populären Musik auf recht ansprechende Weise. Nein, sie kommen auch noch ähnlich sympathisch wie „Wir sind Helden“ daher. Und: Am Mittwoch zeigten sie zudem, dass es keiner randvollen Rothausarena bedarf, um für gute Stimmung an der Neuen Messe zu sorgen. Denn nur etwa 2000 Besucher hatten den Weg dorthin gefunden, was einmal mehr die Frage aufkommen lässt, wieso Bands, die in anderen Städten ähnlicher Größe Hallen füllen können, in Freiburg stranden müssen – trotz vorhandener Zielgruppe und Spitzenplätzen in den Albumcharts wie im Fall von Silbermonds aktuellem Silberling „Laut gedacht“.



An diesem Abend jedenfalls, konnte auch der angekratzte Gesundheitszustand der Sängerin nichts daran ändern, dass Freiburg sich hin und her gerissen fand zwischen sentimentaler Schmonzette à la „Sinfonie“ oder auch „Das Beste“, bei denen mit Handys und Taschenlampen gefuchtelt wurden, und erstaunlich Rockigem wie „Wenn die anderen“. Deutlich wurde dabei vor auch, dass im Fall von „Silbermond“ die drei männlichen Mitglieder weit mehr sind als die üblichen Statisten, ja, dass sie (wie zum Beispiel im Fall von Gitarrist Thomas) sogar weitaus mehr auf dem Kasten haben, als schnöde Akkorde zu schnödem Inhalt zu schlagen. Tja, wer hätte das gedacht, dass es ausgerechnet „Silbermond“ sind, die die Ausnahmeerscheinung der neuesten deutschen Welle verkörpern und am Ende doch was dran ist an den Zeilen der Band: „Heute gehen wir aus uns raus, wir wissen noch nicht wohin, es sind alle mit dabei und wir mittendrin … Wenn die am anderen Ende sind fangen wir erst an.“