Überblick

Zwischen Wiehre und Weingarten: Wie steht es um die Freiburger HipHop-Szene?

Jannik Grimmbacher

In der Freiburger Hip-Hop-Szene scheint sich einiges zu tun. Der Andrang zu Rap-Battles und -Konzerten ist größer denn je. Welche Leute stecken hinter den Veranstaltungen? Und wo steht Freiburger Rap im landesweiten Vergleich?

Der Südwesten hat so einige Städte auf der Hip-Hop-Landkarte. Bietigheim-Bissingen setzt gerade die Trends in Sachen Mainstream, Heidelberg pflegt sein historisches Erbe und richtet ein Hip-Hop-Archiv ein und Stuttgart gehört sowieso längst zu den Hauptstädten der Subkultur. Freiburg dagegen muss man auf der Karte lange suchen. Vertragen sich Schwarzwald-Idylle und Gegenkultur nicht? Oder fehlt in der "Öko-Hauptstadt" die Angriffsfläche für bittere Raps?


Alles Quatsch, die Szene sei viel aktiver und größer als man denkt, sagen Sergio und Suza. Die beiden sind schon länger im Freiburger Hip-Hop unterwegs, sowohl hinter dem Mic, als auch im Booking. Fudder hat mit ihnen gesprochen, um herauszufinden, was sie bewegt und um einen Überblick über wichtige Akteure und Veranstaltungen zu bekommen.

Den Anker auswerfen

Dass hier schon lange etwas siedete, zeigt zur Zeit der "Rap Anker" bei den monatlich stattfindenden Freestyle-Battles. Schon bei den ersten Turnieren Anfang des Jahres füllte sich das Artik im Nu. Es war, als hätte das Publikum nur auf ein regelmäßig stattfindendes Hip-Hop-Event gewartet, um dessen Pforte zu stürmen. Auch die Slots zur Teilnahme am Turnier sind schwer begehrt, immer wieder kommen neue Rapperinnen und Rapper hinzu. "Es ist ein tolles Gefühl, jedes Mal ein neues Gesicht zu sehen", erklärt Sergio Schmidt. Zusammen mit Dennis Rappich hat er den "Rap Anker" ins Leben gerufen. Mittlerweile ist die Veranstaltung die Freiburger Instanz im Battle-Rap schlechthin. Am Ende soll ein Mixtape mit Songs der Battle-Gewinner stehen: Das Anker-Tape.

Sergio entdeckte seine Faszination für Freestyle-Rap allerdings schon deutlich früher, 2015, um genau zu sein. Damals traf er auf einer Hausparty den Rapper Colossus MC. "Der hat da 15 Minuten straight gerappt", die Texte alle zum laufenden Beat improvisiert, "das hat mich richtig geflasht", erzählt Sergio und man merkt dabei, wie wegweisend dieser Moment gewesen sein musste. Mit Colossus und Dennis traf er sich von da an regelmäßig im Haus der Jugend in der Wiehre. Dort konnten sie in einem geschützten Raum üben, für den Auftritt vor Publikum seien sich viele noch "zu cool" gewesen. Einen Schwimmversuch (alternativ: Gehversuch) im Littenweilener KuCa später stand für Sergio und Dennis dann aber fest: Battlerap soll in Freiburg stattfinden. Öffentlich und regelmäßig. Der Hafen war angesteuert.

"To the Hip Hop and you don’t stop" – Wonder Mike

Ein gänzlich anderes Kollektiv mischt mittlerweile auch wieder in Freiburg mit: "Up Jump The Boogie". Die Herzen der Veranstalterinnen und Veranstalter schlagen für Oldschool Beats und Texte mit Message. Suza war bei der Gründung 2011 dabei. Sie lebt Hip-Hop. Schon mit 14 Jahren hatte sie ihren ersten Auftritt im selbstverwalteten Kulturzentrum Esperanza in Schwäbisch Gmünd. Allerdings gab es dort keine richtige Szene. Das änderte sich, als sie nach Stuttgart zog. "Da standen Turntables und Mics in jedem zweiten Keller", sagt sie und man kann sich ihre Begeisterung von damals wieder vorstellen.

Suza fing dort an zu freestylen, tourte bald auch zu Battle-Contests in ganz Deutschland und schaffte es beim "1 on 1 Freestyle Battle" als eine der ersten Frauen überhaupt unter die 16 besten MCs. "Damals gehörten wir noch einer Art Backpack-Rapper Generation an. Wenn irgendwo die Chance bestand, die Fahrtkosten beim Contest wieder zu gewinnen, ließ man sich nicht zwei Mal bitten", lässt Suza die Zeit Revue passieren. Als sie sich schließlich in Freiburg einfand, kam sie auch schnell unter Leute, die im Rap unterwegs waren. Der Freiburger DJ "Sirob", bürgerlich Robert, etablierte mit ihr 2011 die "Up Jump The Boogie" Partys.

Der Name, ein Zitat aus dem wahrscheinlich ersten kommerziell erfolgreichen Rap-Klassiker überhaupt: "Rapper’s Delight" der "Sugarhill Gang", gab auch gleich die musikalische Richtung vor: Classics, Oldschool, Boom Bap, aber auch viele junge Rapperinnen und Rapper konnten in diversen Cyphern ihre Lyrics zum Besten geben. Die Veranstaltungen gingen bis 2014, vor allem finanzielle Schwierigkeiten führten zum Aus der Partys. Doch Ende letzten Jahres setzten sich die beiden Urgesteine nochmal zusammen und holten sich zwei neue Seelen an den Tisch: Liz ("Miss Liz") und Sarah ("Sarah Sahara"). Zusammen wollen sie der Freiburger Partyszene wieder Rap beibringen. Die Zeit dazu sei reif, sagt Suza: "Man merkt, dass es hier mit Hip-Hop wieder aufwärts geht. Die Leute sind connected und haben Bock. Überall stößt man auf offene Ohren."
Nachdem das Kollektiv 2019 einige Hip-Hop-Partys und auch ein Konzert auf die Beine gestellt hat, begehen sie mit der für den 25. Januar geplanten Cypher im "Crash" eine neue Größendimension: Lakmann, T9 und viele weitere deutsche Rapgrößen und DJs sollen nicht nur den Abend, sondern die ganze Nacht hindurch Hip-Hop durch den Brustkorb pressen.



Die Erfolgsgeschichte

Als Traditioneller Hotspot für Freiburger Rap gelten die Viertel Haslach und Weingarten ("Hawaii"). Hier ist man dem ursprünglichen Spirit der Kultur vermutlich noch am Nächsten. Zwischen Platte und Jugendhaus spitten sich hier junge Menschen die Themen vom Herzen. Viele der Künstlerinnen und Künstler assoziieren sich mit dem Tag "Southwest79", eine Art Markenname, der auf die viel benutzte Metapher der Hip-Hop-Landkarte anspielt.

Aus dem Schoß dieser Gegend kroch auch der Rapper "Krime", Fudder zog mit ihm schon vergangenes Jahr um den Block, um die Orte hinter seinen Geschichten zu entdecken. Krime ist mittlerweile bei "385ideal" unter Vertrag, dem Label von Celo & Abdi. Neben Olexesh und Nimo ist Krime erst das Dritte Signing des Labels. Man darf also Großes hoffen. Und wenn das Interesse an, und der Zusammenhalt in der Szene stark bleiben, könnte Krime Recht haben, wenn er rappt, "jetzt kommt 79 auf Karte!"

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