Zwischen B31-Picknick und Stau

Joachim Röderer

Aktionstag auf der Schwarzwaldstraße gut besucht – Verkehrschaos durch Sperrung hält sich in Grenzen.

. Es war so etwas wie ein autofreier Sonntag auf der für fünf Stunden gesperrten B31-Stadtdurchfahrt zwischen Hilda- und Dreikönigstraße. Hunderte von Besucherinnen und Besuchern waren mit dabei. Redner forderten eine schnelle Verkehrswende. Vor allem der Transitverkehr müsse raus aus Freiburg. Der Aktionstag von "Parents for Future", an dem es im Vorfeld viel Kritik gegeben hat, sorgte erwartungsgemäß für Verkehrsbehinderungen, vor allem auf der Umleitungsstrecke durch die Talstraße. Die Länge der Staus blieb im Rahmen.

"Es richtig, dass es diesen Tag gibt", sagt die Freiburgerin Barbara Frey. Sie und ihre Freundin Elena Unewisse sitzen auf zwei Campingstühlen auf der rechten Fahrspur der Schwarzwaldstraße, vor sich einen Gugelhupf und eine Thermoskanne mit Heißgetränken. Es brauche eine neue Verkehrspolitik, sagt Barbara Frey, die selbst an der stark befahrenen Zähringer Straße wohnt. Mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer, Tempo 40 für Autos im ganzen Stadtgebiet. Der Autoverkehr sei zu viel, zu laut. Der für den Autoverkehr gesperrte Rotteckring habe doch gezeigt, was möglich ist: "Dort ist jetzt Platz für Begegnung." Elena Unewisse findet es wie ihre Freundin wichtig, dass der öffentliche Nahverkehr bis in die umliegenden Dörfer hinein verbessert und gescheit ausgebaut wird.

Jenseits des gesperrten B31-Teilstücks schiebt sich der Sonntagsverkehr Auto an Auto durch die Talstraße. Die Ampel beim Ganterknoten, wo die Quartiersstraße auf die B31 mündet, ist eingeschaltet, obwohl man sie während der Sperrung eigentlich nicht gebraucht hätte. Der Rückstau auf der B31 geht zu diesem Zeitpunkt zurück bis hinter die Ochsenbrücke. Das ganz große Verkehrschaos, das viele befürchtet hatten, bleibt aber aus.

"Wir haben extra einen Sonntag ausgewählt", sagt Mitorganisatorin Mascha Klein von den "Parents for Future". Erst wollte man den Aktionstag auf der Talstraße abhalten, das führte aber im Kreis der Klimagruppen auf geringe Resonanz. Als die Schwarzwaldstraße ins Spiel kam, ging das Interesse sprunghaft nach oben. Mascha Klein weiß, dass es vorab Kritik und teils bösartige Reaktionen in den sozialen Netzwerken gab. Es habe auch sachlich vorgetragene Gegenstimmen gegeben: "Wir werden da auch eine Antwort schreiben", sagt sie.

Auf der B31, so sagt Mascha Klein am Mikrofon zum Auftakt des Aktionstages, werde die gescheiterte Verkehrspolitik der letzten Jahrzehnte sichtbar. Mit dem Aktionstag gönne man den geplagten Anwohnern eine kleine Ruhepause. Es brauche eine nachhaltige Verkehrswende: "Die Politik der autogerechten Stadt ist längst überholt." Für die Bürgerinitiative "Statt Tunnel" gegen den Stadttunnel spricht Wilfried Telkämper, einst grüner Europaabgeordneter, der dann zur Linken wechselte: Dringend notwendig sei die Verkehrswende, damit die Klimakatastrophe nicht noch katastrophaler wird. Am Statt-Tunnel-Stand sind auch Ex-SC-Trainer Volker Finke, Solararchitekt Rolf Disch und seine Frau Hanna Lehmann mit dabei: "So ein Projekt wie den Stadttunnel können wir uns doch gar nicht mehr leisten", sagt sie.

Auf der gesperrten Straße haben zahlreiche Gruppierungen ihre Stände aufgebaut; die Naturschutzverbände Nabu und BUND, die Initiative für den Fußgänger- und Radentscheid, die Friedensliste, die BI gegen den Weiterbau der B31-West und die "Scientists for Future", die "Omas for Future", die "Teacher for Future" und viele mehr. Ganz am Ende des Sperrgebiets haben Anwohner der Dreikönigstraße einen kleinen Pop-up-Biergarten installiert, mit Bier vom Fass. Das Angebot wird dankbar angenommen – ehe dann knapp zwei Stunden später die Straße wieder geräumt ist und die Autos und Laster wieder zurück sind.