His2Go

Zwei Freiburger Studenten vermitteln Geschichte in einem Podcast

Maya Schulz

Sie studieren Geschichte im Master – und geben ihr Wissen alle 10 Tage an ihre Hörerinnen und Hörer weiter. Der Podcast His2Go zweier Freiburger Studenten ist aktuell unter den Top-15 der deutschen Geschichtspodcasts. Ein Interview.

Mit ihrem Podcast His2Go schreiben die Freiburger Studenten David Jokerst und Victor Söll seit Anfang 2020 Geschichte. Aktuell ist His2Go unter den Top-15 der deutschen Geschichtspodcasts. Die beiden studieren Geschichte im Master, Söll zusätzlich Französisch und Jokerst Englisch. Für ihre Podcastfolgen begeben sie sich abwechselnd auf Recherche und bereiten spannend für den jeweils anderen und für die Zuhörerinnen und Zuhörer auf, was die Weltgeschichte zu bieten hat. Maya Schulz hat die beiden Podcaster zu den Besonderheiten ihres Geschichtspodcasts und zum Aufnehmen in Corona-Zeiten befragt.


fudder: Woher kommt eure Geschichtsbegeisterung?
Söll: Mein Vater ist Geschichtslehrer und hat immer viele Geschichten erzählt. Mit meiner Familie war ich sehr viel unterwegs in Museen und in Gedenkstätten, außerdem bin ich zweisprachig aufgewachsen und habe auch schon als Kind einiges über die französische Geschichte erfahren.
Jokerst: Schon in meiner Kindheit und Jugend habe ich gerne Fantasy-Bücher und historische Romane, zum Beispiel von Klaus Kordon, gelesen. Meine Eltern haben sich auch sehr für Geschichte interessiert und mir das nahe gebracht.

"In jeder Folge überraschen wir uns gegenseitig mit einem Thema, daher ist es ganz wichtig, dass der andere vorher wirklich keine Ahnung hat, worum es in der Folge gehen wird."

fudder: Seid ihr schon seit jeher Podcast-Fans?
Jokerst: Ich höre tatsächlich immer Podcasts, wenn ich kann: im Bad, beim Kochen und Spazieren gehen. Manchmal True Crime, muss ich gestehen, vor allem aber Geschichtspodcasts.
Söll: Ich habe früher viele Geschichtspodcasts gehört und mich dann immer gefragt, ob man das selbst nicht besser machen könnte.

fudder: Welchen Anspruch habt ihr an euren Podcast?
Beide: In jeder Folge überraschen wir uns gegenseitig mit einem Thema, daher ist es ganz wichtig, dass der andere vorher wirklich keine Ahnung hat, worum es in der Folge gehen wird. Das Thema geheim zu halten, ist manchmal gar nicht so einfach, weil wir uns oft sehen und die Recherche viel Zeit einnimmt. Die Herausforderung für den Unwissenden ist dann, sich ein paar kniffligen Fragen zu stellen, die sich der andere überlegt hat. Das machen wir nicht, um einander bloßzustellen, sondern weil es uns Spaß macht.

Wir haben auch schon von Zuhörerinnen und Zuhörern gehört, dass es spannend ist, "gemeinsam" mit uns mehr über die jeweiligen Themen zu lernen. Wir wollen auf diese Weise klarmachen, dass auch Geschichtsstudenten nicht alles wissen und einfach die Freude an der Beschäftigung mit Geschichte wecken. Neben dem Spaß geht mit dem Podcast aber auch automatisch die Verantwortung einher, die historischen Ereignisse quellenbasiert akkurat darzustellen. In den meisten Folgen versuchen wir auch einen Gegenwartsbezug herzustellen, denn vieles, was sich in der Geschichte gezeigt hat – wie zum Beispiel Schuldzuweisung und Lügenverbreitung – ist auch heute noch genauso relevant. Die Aufarbeitung der Vergangenheit kann also einen unmittelbaren Einfluss auf die Gegenwart haben.

"Wir variieren immer zwischen drei verschiedenen Epochen: Antike, Mittelalter und Neuzeit"
fudder: Wie wählt ihr eure Themen aus?
Beide: Die Herausforderung hierbei ist auf jeden Fall nicht der Mangel an Ideen, sondern die Entscheidung für ein Thema. Wir wollen die Folgen abwechslungsreich gestalten und variieren daher immer zwischen drei verschiedenen Epochen: Antike, Mittelalter und Neuzeit. Wir haben beide eine ellenlange Liste mit Ideen und viele Themen-Einfälle bekommen wir durch Filme oder Bücher im Alltag. Aber auch das ein oder andere Uni-Seminar hat schon als Podcast-Inspiration gedient. Unser Ziel ist es, vielfältige Themen der Weltgeschichte zu besprechen und nicht nur eurozentristische. Außerdem bekommen wir Themenvorschläge von Zuhörern via Mail. Auch hier gilt es abzuwägen: Welches Thema können wir in der relativ kurzen Zeit einer Podcastfolge gut besprechen und welches ist einfach zu umfangreich? Es ist außerdem wichtig, die Konkurrenz im Blick zu behalten. Schließlich sollen sich die Podcasts nicht zu ähnlich sein und wir wollen kein Thema doppeln.

fudder: Wie viel Zeitaufwand steckt in einer Folge?
Beide: Wir bemühen uns, nicht zu kurzfristig mit der Vorbereitung einer Folge anzufangen. Die Recherche braucht auf jeden Fall zwei ganze Tage, die Aufnahme selbst ist dann ein "Onetake", den wir hinterher bearbeiten, was auch nochmal einige Stunden in Anspruch nimmt. Wir wechseln uns ab, das heißt: Einer macht immer alles und der andere hat zehn Tage Zeit, um sich auszuruhen. Ziemlich viel Zeit kostet es auch, die Literatur, die wir zur Recherche verwenden, anschließend auf unserer Website zu listen und unseren Instagram-Account zu betreiben. Bei all der Arbeit steht immer der Spaß im Fokus, sonst hat der ganze Zeitaufwand keinen Sinn, schließlich bekommen wir keine ECTS-Punkte dafür.

fudder: Wie liefen die Aufnahmen in der Corona-Hochphase?
Beide: Wir haben die Folgen per Online-Anruf aufgenommen, während jeder in seinem Zimmer saß. Es war natürlich eine Umstellung und wenn man sich persönlich trifft, machen die Aufnahmen viel mehr Spaß. Beim Telefonieren merkt man es häufig nicht, wenn der andere eigentlich noch etwas sagen will und realisiert oft erst bei der Bearbeitung im Nachhinein, dass man den anderen oft unterbrochen hat. Wir haben aber viel dazugelernt und bei erneuten Beschränkungen würde es definitiv keine Podcast-Pause geben.

fudder: Zu guter Letzt: Welches sind eure besten Einstiegsfolgen?
Jokerst: Meine Lieblingsfolge ist Folge 5 über die Mumie Juanita.
Söll: Folge 22 über den Diebstahl der Mona Lisa, keine Frage.
Der Podcast His2Go:

  • Wann? Alle zehn Tage, also immer am 10., 20. und 30. des Monats.