Mode

Zwei ehemalige Kaiser-Mitarbeitende eröffnen in der Rathausgasse einen Concept Store

Eyüp Ertan

Mit "FilotimoConcept Store" eröffnet in der Passage am Schwarzen Kloster ein neues Modegeschäft. Die beiden Inhaber sind ehemalige Kaiser-Mitarbeitende – und wollen in ihrem eigenen Geschäft die griechische Mode und das Zwischenmenschliche in den Vordergrund stellen.

Noch stehen Kartons in den Ecken, der letzten Feinschliff der Inneneinrichtung fehlt, doch an den gefüllten Kleiderstangen, der Kosmetik-Ecke und der schon jetzt herrschenden Modeboutique-Atmosphäre ist erkennbar: Freitagabend wird im Filotimo Concept Store in der Passage am Schwarzen Kloster in der Freiburger Innenstadt ein Pre-Opening-Event stattfinden, ehe am Montag die Türen des Modegeschäfts für alle öffnen werden.

Lisa Hartmann, 40, wird Filotimo gemeinsam mit ihrem Partner Robin Schäfer, 30, führen. Sie ist ehemalige Mitarbeiterin des Traditionsunternehmens Kaiser, hat sechs Jahre für das Unternehmen, das am 30. Juni seine Modehäuser schließen wird, gearbeitet. Robin hat seine Ausbildung bei Kaiser gemacht, war zuletzt aber für das Unternehmen Waschbär tätig.

Die beiden sind oft auf Kreta im Urlaub, Lisa, die einen griechischen Vater hat, ist auch sonst häufig in Griechenland. "Ich habe immer die Art der Mode, die Art der Produkte und die Art der Leidenschaft bewundert und gedacht – sowas fehlt in Deutschland", sagt sie. Bei der Kaiser-Schließungsankündigung habe sie sich gedacht: "Ich mache jetzt mein eigenes Geschäft auf."

Der Standort in der Passage am Schwarzen Kloster sei nicht der erste Ort gewesen, den die beiden anvisiert hätten, eine Immobilie in der Konviktstraße sei jedoch nicht zustande gekommen. 120 Quadratmeter Verkaufsfläche stehen auf zwei Etagen zur Verfügung, im Obergeschoss gehört noch eine 20 Quadratmeter große Terrasse dazu – "zum Kaffee trinken", so Lisa. Robin sagt: "Mir ist wichtig, dass die Stadt Freiburg interessant bleibt zum Einkaufen." Lisa pflichtet ihm bei und fügt hinzu: "Ich habe echt das Gefühl, dass es hier langsam ausstirbt in der Rathausgasse." Fast jeder zweite Laden sei inzwischen leer, "oder Du hast das Glück und bist Brillenträger", so Lisa mit einem Lachen und dem Verweis auf die vielen Brillengeschäfte in Freiburg.

"Die Liebe zur Ware, zum Zwischenmenschlichen – bei Kaiser war es wichtig, dass man engen Kundenkontakt hat" Lisa Hartmann
"Wir wollen die Liebe zum Detail zurückbringen", sagt Lisa. "Die Liebe zur Ware, zum Zwischenmenschlichen – bei Kaiser war es wichtig, dass man engen Kundenkontakt hat", sagt die ehemalige Kaisermitarbeiterin. Kundinnen und Kunden seien oftmals zur Mittagspause zum Quatschen vorbeikommen. Deshalb sagt sie: "So eine Einrichtung ist mehr als nur ein Geschäft, vielmehr eine Anlaufstelle. Das möchten wir weiterführen." Im Vordergrund stehe nicht, etwas loszuwerden, "sondern den gesamten Menschen zu sehen und einzukleiden, wie er darauf Lust hat – und nicht zu verkleiden", sagt Robin.

Eine Zielgruppe möchten die beiden nicht hervorheben. "Zielgruppen sind out", sagt Lisa. "Wir möchten jeden, der Spaß an Mode hat, an Mode interessiert ist und Wert auf Nachhaltigkeit legt, erreichen", fügt Robin hinzu. Die Ware werde gänzlich in Griechenladen produziert – ein Besonderheitswert im Vergleich zu den großen Namen der Modebranche sei zudem, dass die meisten Stoffe in Italien eingekauft würden.

Stoffe aus Italien, Produktion in Griechenland

Die Herkunft der Produkte ist den beiden wichtig, die Lieferketten ihres Sortiments würden sie bei den Herstellen erfragen – sie wissen aber auch, dass sie ab einem gewissen Punkt den Herstellerangaben vertrauen müssen. Trotzdem sagt Robin: "Ich habe das Gefühl, dass bezüglich der Bio-Baumwolle oftmals Greenwashing betrieben wird. So viel Bio-Baumwolle, wie auf dem Markt angeboten wird, kann es eigentlich gar nicht geben."

Mit Filotimo möchten Lisa und Robin eine Lücke schließen: Griechische Mode, griechische Labels seien in Deutschland nicht zu finden. "Viele stellen sich unter griechischer Mode einfach nur Leinenhemden vor", sagt Lisa – dabei sei diese vielfältiger. Robin fügt hinzu, dass es für beide keinen Sinn ergeben hätte, eine Boutique mit den großen Markennamen zu eröffnen, schließlich könne man diese weiterhin bei den großen Kaufhäusern in der Freiburger Innenstadt shoppen.

"Den Kaffee, diese Bindung vergisst Du nie." Lisa Hartmann
Und der Geschäftsname? Eine präzise Übersetzung des griechischen Begriffs gebe es nicht, mit der Beschreibung "Freund der Ehre" käme man jedoch am ehesten an den Wortsinn, so Lisa. "Du trinkst mit jemanden einen Kaffee", erzählt sie,"und hast mit dieser Person Streit. Aber den Kaffee, diese Bindung, vergisst Du nie." Ab Montag können Kundinnen und Kunden selbst entscheiden, welche Form von Bindung sie zu Filotimo aufbauen möchten.