Vorreiterinnen

Zum Muttertag: 5 starke Mütter in der Geschichte Freiburgs

Celine Hog

Sie sind Vorbilder, Vorreiterinnen und waren ihrer Zeit voraus: Fünf Freiburgerinnen, die in der Vergangenheit Großes geleistet haben. Zum Muttertag möchte fudder mit diesem Text an sie erinnern.

Sie lieben uns bedingungslos, noch vor unserer Geburt: Unsere Mamas. Und auch, wenn die Situation vieler Mütter heutzutage noch von Ungerechtigkeiten überschattet wird, hat sich die Situation der Frauen und Mütter in den letzten Jahrzehnten eindeutig gebessert. Das kommt nicht von irgendwo, im Lauf der Geschichte gab es immer wieder Vorreiterinnen, die maßgeblich zur Verbesserung der Stellung der Frau und somit der Mutter beigetragen haben. Nutzen wir den diesjährigen Muttertag also, um nicht nur unseren eigenen Mamas Danke zu sagen, sondern auch denen, die neben ihrem Muttersein zu Lebzeiten Beachtliches geleistet haben und ihrer Zeit voraus waren.

Käthe Vordtriede

Die am 2. Januar 1891 in Hannover als Blumenthal geborene jüdische Journalistin und Schriftstellerin genoss eine gute Ausbildung an einer höheren Mädchenschule. Auf die Hochzeit 1910 mit Gustav Adolf Vordtriede folgte sechs Jahre später bereits die Trennung, die Käthe Vordtriede als alleinerziehende Mutter zweier Kleinkinder zurückließ. 1923 folgte ein Umzug nach Freiburg, wo sie als erste weibliche Lokalredakteurin der SPD-Zeitung "Volkswacht" tätig war. Ihre Ressorts waren Politik, Soziales und Kultur und mit ihrer Anstellung zählte sie zu einer der wenigen Journalistinnen der Weimarer Republik.

Käthe Vordtriede schrieb des Weiteren für "Die Weltbühne" und kandidierte erfolglos für den Landtag der Republik Baden. Auf Grund ihrer jüdischen Herkunft wurde ihr nach 1933 ein Berufsverbot erteilt, zusätzlich wurde sie mehrmals im "Basler Hof", dem Sitz der Freiburger Gestapo, verhört und sogar für kurze Zeit in Schutzhaft genommen. Im Lauf der Jahre verlor sie zudem noch ihre Wohnberechtigung und floh nach Beginn des zweiten Weltkriegs in die USA zu ihren bereits emigrierten Kindern und Familienangehörigen. Ihr Werk "Mein Leben in Deutschland vor und nach 1933" wurde später bekannt und in Freiburg widmete man ihr das denkmalgeschützte Vordtriede-Haus in der Freiburger Gartenstadt.

Gerda Liehr

Gerda Liehr wurde am 19. April 1899 in Troppau geboren und zog 1925 für die Approbation ihres Medizinstudiums nach Freiburg. Noch im gleichen Jahr brachte sie ihr erstes von insgesamt drei Kindern zur Welt. Schon zwei Jahre später eröffnete Gerda Liehr ihre eigene Praxis in Freiburg, in die 1931 auch ihr Ehemann eintrat. Nachdem 1939, zu Kriegsbeginn, ihr Mann eingezogen wurde, führte sie die Praxis allein weiter und kümmerte sich, mit Hilfe eines Kindermädchens, um den Nachwuchs. Tragischerweise erkrankte sie an Scharlach, weshalb der Betrieb der Praxis erst mit der Rückkehr ihres Ehemannes wieder voll aufgenommen werden konnte.

Dass Frauen überhaupt Ärztinnen werden und studieren konnten, war damals noch gar nicht so lange möglich. 1899 immatrikulierte Freiburg als erste Hochschule Deutschlands auch Frauen. Johanna Kappes kämpfte damals zusammen mit dem Verein "Frauenbildung-Frauenstudium" aus Freiburg für eine gleichwertige Zulassung von Studentinnen. Mit einer Petition an das zuständige Ministerium in Karlsruhe hatte die Medizinstudentin schließlich Erfolg und ebnete so den Weg für zahlreiche weitere Frauen.

Mathilde Otto

Am 18. Dezember 1875 wurde die Frauenrechtlerin und Politikerin Mathilde Otto in Oberweiler geboren. Nachdem 1918 das Wahlrecht für Frauen in Kraft trat, kandidierte sie im Landtag in Karlsruhe und als Stadtverordnete im Freiburger Bürgerausschuss, beides mit Erfolg. Später stieg sie zur ersten und einzigen Stadträtin Freiburgs in der Weimarer Republik auf und war dort von 1922 bis 1926 unter weiteren 17 Stadträten tätig. Ihr Engagement in der Sozialpolitik war groß und sie sorgte beispielsweise für eine Reform der Sozialordnung Freiburgs, in der seither alle Ämter in männlicher und weiblicher Form genannt werden. Auch damals spielte Gendern also eine Rolle in der Gleichberechtigung.

Zudem gründete Mathilde Otto 1925 mit weiteren Frauen die Schwesternschaft St. Elizabeth mit dazugehöriger Geburtsklinik, einem Erholungshaus für Frauen nach der Entbindung. Vier Jahre später gründete sie ein Heim für mittellose Mütter des Mittel- und Arbeiterstands im Mutternhaus der Schwesternschaft, welches uns heute als St. Elizabeth Krankenhaus bekannt ist. Mit 57 Jahren starb Mathilde Otto an Krebs und hatte bis dorthin keine eigenen Kinder zur Welt gebracht, setzte sich ihr Leben lang allerdings für notleidende und alleinstehende Mütter ein.

Edith Picht-Axenfeld

Die Pianistin, Cembalistin und Organistin Edith Picht-Axenfeld wurde am 1. Januar 1914 in Freiburg geboren, studierte allerdings vielerorts, etwa in Basel und Berlin, unter anderem nahm sie sogar Unterricht im Orgelspiel bei Albert Schweizer. 1936 heiratete sie den Religionsphilosophen Georg Picht, mit dem sie im Lauf der Ehe sieben Kinder bekam. Edith Picht-Axenfeld war Professorin an der Hochschule für Musik in Freiburg als Klavierdidaktikerin und setzte sich viel mit zeitgenössischer Musik auseinander. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde sie, wegen ihrer jüdischen Herkunft, teilweise mit einem Auftrittsverbot belegt. Bis zu ihrem Tod lebte sie mit ihrem Mann auf dem Birklehof in Hinterzarten, nahe Freiburg.

Elisabeth Rothweiler

Elisabeth Rothweiler, mit Mädchennamen Eichelberger, wurde am 27. Juli 1894 in Freiburg geboren. Die Politikerin und Lehrerin galt zu ihrer Zeit als Frauenvorbild. Seit 1914 unterrichtete sie in Donaueschingen im Schwarzwald und spendete Frauen und Müttern in Einzelgesprächen während des ersten Weltkriegs Trost. 1919 folgte ihre Heirat, aus der zwei Söhne hervorgingen, und ihr Eintritt in die Politik nach dem frisch erworbenen Stimmrecht der Frauen. Elisabeth Rothweiler setzte sich für politische Aufklärung von Frauen ein und wurde mit 27 Jahren Mitglied des Donaueschinger Bürgerausschusses.

Nach der Ermordung des damaligen Finanzministers wurde sie nicht abgeschreckt, sondern hielt eine aufsehenerregende Rede im Sternensaal. 1936 verfügten die Nationalsozialisten, Rothweiler solle ihre Tätigkeit als Lehrerin aufgeben und sie galt als "politisch unzuverlässig". Nach dem zweiten Weltkrieg kümmerte sie sich um vertriebene, wohnungssuchende und bedürftige Menschen und wurde 1956 in den Gemeinderat der CDU gewählt. Für ihre Tätigkeiten wurde ihr später das Bundesverdienstkreuz verliehen.

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