Zehn Jahre Sub Culture - die Geschichte

Markus Hofmann

Happy Birthday, Sub Culture! Freiburgs Hosentaschenmagazin und Szene-Plattform feiert am morgigen Samstag in der Brauerei Ganter seinen zehnten Geburstag (am Sonntag gibt's ein Video auf fudder). Markus und Christian haben die beiden Sub-Culture Gründer Christian Gimbel (Foto links) und Thorsten Leucht gefragt, wie sich ihr Heftle und die Freiburger Szene in den vergangenen zehn Jahren gewandelt haben. Eine Retrospektive.



Über die Anfänge:

Christian: In den 90er Jahren hat es in der Szene richtig geboomt - sei es in den Clubs oder in den Off-Locations. Musik wurde jeden Tag neu entdeckt, alles hat sich unglaublich schnell verändert. Es war eine Menge los, wir hatten alle Hummeln im Arsch.

Thorsten: Es war ein bisschen Goldgräberstimmung zu dieser Zeit. Es bewegte sich was.

Christian: Wir haben damals dann gemerkt, dass hier in der Region ein Medium fehlt, das die Informationen bündelt und sammelt. Das Internet gab es damals noch nicht, alle Informationen waren verstreut, hauptsächlich in Form von Flyern. Wir wollten das in einem einzigen Medium bündeln, damit die Leute nicht alles einzeln einsammeln müssen.

Über die Sub-Culture-Gründer:

Thorsten: Bei der ersten Ausgabe waren wir noch zu sechst: Boris Susanj, Alexander Purkart, Ferdi Nevely (DJ Acoma), Peter Spille (Groover S.), Christian und ich. Das war die Gründerkonstellation. Am Anfang war das ein Hobby. Aber irgendwann hat das nicht mehr funktioniert. Wir mussten versuchen, das Heft als Business mit dem entsprechenden Zeitengagement umzusetzen. Geblieben ist der harte Kern: Christian und ich.



Christian: Unser redaktionelles Spektrum ergab sich auch dadurch, dass jeder sein eigenes Talent und seine eigenen Erfahrungen eingebracht hat. Einer war DJ, einer war für das Booking zuständig, einer hatte mehr mit Veranstaltungen zu tun, einer hatte produziert, einer war Graphiker.

Über Sub Cultures Konzept:

Thorsten: Es gibt in vielen Szenen Aktivisten, denen wollen wir eine Plattform bieten - sei es in der Musik, im Sport oder im Kino. Wir sind ein Magazin von der Szene für die Szene. Uns ist es außerdem wichtig, dass wir die regionalen Veranstalter supporten, dass wir die regionalen DJs supporten und auch die Stadt Freiburg nach außen repräsentieren: Hier in Freiburg passiert was, bei uns im Magazin steht alles drin. Damit wollen wir auch das zum Teil unberechtigte Genörgel, in Freiburg sei nichts los, verstummen lassen.

Christian: Der Integrationsaspekt, verschiedene Szenen zusammen zu bringen, hat auf jeden Fall auch eine große Rolle gespielt. Wir wollen niemanden ausgrenzen. Uns kann niemand nachsagen, wir stünden in einer bestimmten Ecke. Sonst hätte man schnell einen Teil der Leserschaft gegen sich. Schließlich sind es nicht nur die Geschäftskontakte, die wir bedienen müssen und befriedigen wollen, sondern auch die Leser.

Über die Sub-Culture-Zentrale:

Christian: Am Anfang ist das Heft bei Boris in Betzenhausen in einem Hochhaus entstanden. Auch die anderen haben von ihrem Home Office aus agiert, es gab noch keine Zentrale. Dann haben wir unser erstes Büro in einem Komplex in der Baslerstraße bezogen. War eigentlich ganz schnuckelig, aber irgendwann saßen wir uns gegenseitig auf dem Schoß, weil das Büro zu klein war. Das ganze wurde uns auch etwas zu spießig, das Büro hatte einen gewissen Versicherungsmaklercharakter. Wir sind dann in die Oberwiehre in die Nägeleseestraße umgezogen. Dort hatten wir stolze 70 Quadratmeter mit Toilette über dem Hof. Heute nennen wir das ein bisschen spöttisch den Hasenstall, weil es irgendwann ebenfalls eng wurde. Ende 2004 sind wir endlich hier in Zähringen am Komturplatz gelandet. Wir sind von 70 Quadratmetern auf stolze 190 gewachsen - auf drei Etagen verteilt.

Über die musikalischen Wurzeln:

Thorsten: Natürlich sind wir mit der Technowelle ans Tageslicht geschwappt. Aber wir hatten bereits in der zweiten Ausgabe das ZMF auf dem Titelbild. Wir wollten die DJ- und Dancemusik immer in allen Facetten darstellen und keinesfalls in irgendeine Technoecke gedrängt werden.

Christian: Das Konzept spiegelt sich auch in unserem Franchisekonzept mit den anderen Ausgaben in den anderen Städten wider. Sub Culture lässt sich auf die regionalen Bedürfnisse ein, die unterscheiden sich halt in Stuttgart, Ulm und Freiburg. Sub Culture sollte immer ein Spiegel der regionalen Clubkultur sein.

Über die prägenden Clubs der Anfangszeit:

Thorsten: Die Mutter der elektronischen Musik war das Oktan in Emmendingen. Es war nicht von vornherein konzipiert als Technoclub, wurde dann aber immer progressiver und tranciger. Man hat gemerkt: Die Leute sind immer empfänglicher für die elektronische Variante. Eine zweite Brutstätte war das Unverschämt, das später Divino hieß. Die hatten schon zu frühen Zeiten Westbam und andere DJ-Urgesteine eingeladen

Christian: Die haben dort damals auch die Space Night veranstaltet, die in ähnlicher Form auch in Frankfurt lief. Das war deko-technisch total abgefahren. Man kam rein und lief durch einen mit Folien und Tüchern abgehängten Gang. Alle waren verkleidet. Bernd Winkler, der Clubbesitzer, saß in einem Schweißeranzug an der Kasse, alles war industrial, schräg und großstadtmäßig.

Warum Freiburgs Nachtleben im Laufe der Jahre großstädtisch geworden ist:

Christian: Verglichen mit der Einwohnerzahl ist das musikalische Angebot umfangreich. Man kann jede Woche seinen persönlichen Musikgeschmack in irgendeiner Location ausleben.

Thorsten: Dann gibt es Paradebeispiele wie das Kagan, über das man sagen kann: Wenn mein Cousin aus Berlin da ist, kann ich mit dem dorthin. Oder das Konzept Dine & Dance im Karma.

Christian: Man merkt es auch daran, dass die Leute wählerischer geworden sind, weil das Angebot recht anspruchsvoll geworden ist. Die Leute sind vielleicht mehr verwöhnt als in anderen Kleinstadtregionen. Manche Kommentare von Partyleuten hört man sonst nur von übersättigten Großstadtleuten. Trotzdem können wir stolz darauf sein, was sich hier entwickelt hat, welche Künstler hier gespielt haben. Man hat sich hier auch immer an Frankfurt, Köln oder Berlin orientiert und wollte im Ländle so ein Großstadtfeeling erzeugen.



Warum Freiburgs Nachtleben nicht großstädtischer geworden ist:

Thorsten: Ganz klar: Sperrzeiten!

Christian: In Stuttgart und anderen Städten ist das schon lange Geschichte - in Freiburg sind wir da weit hintendran. Die Jungs in den anderen Städten machen sich zum Teil lustig darüber, dass das hier so praktiziert wird.

Thorsten: Außerdem fehlt ganz klar ein Plattenladen in Freiburg - als Kommunikationsplattform und Treffpunkt, wo man sich als DJ austauschen kann, und wo der lokale Plattenverkäufer die Möglichkeit hat, das lokale Musikgeschehen ein bisschen voran zu bringen und zu steuern. Auswärtige DJs können es kaum glauben, dass wir ihnen keine Adresse nennen können, wo sie Samstagmittag hingehen können.

Über Interessenkonflikte als Herausgeber eines Magazins, Veranstalter und DJ:

Thorsten: Wir haben es in den 10 Jahren ganz gut geschafft als Neutrum dazustehen. Keiner kann uns nachsagen, dass wir das Haus- und Hofmagazin des Veranstalters X zu sein. Wir kommen mit allen sehr gut zurecht.

Über die Zukunft:

Christian: 2003 sind wir das Headquarter von Sub Culture geworden und haben die Namensrechte erworben. Neben der Stuttgarter Ausgabe sind wir die älteste. Wir sind bestrebt, dass immer mehr Ausgaben dazu kommen. Aktuell haben wir acht Ausgaben, bis August wird es voraussichtlich zwei weitere geben, so dass wir eine Auflage von etwa 200.000 monatlich erreichen. Dann wären wir von der Auflage her Deutschlands Pocket Magazin Nummer 1. Unser Ziel ist es, dass wir irgendwann bundesweit flächendeckend sind.

Mehr dazu:

  • Christian Gimbel (31) und Thorsten Leucht (34) sind Gründer und Geschäftsführer von Sub Culture


Die Party:

Was: 10 Jahre Sub Culture Freiburg (mit DJ Hell, Knee Deep, Adam Beyer, DJ Stylewarz u.a.)
Wann:
Samstag, 20. Mai, 21 Uhr
Wo:
Freiburg, Brauerei Ganter

Galerie - Alte Sub-Culture-Cover:

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.