Spiritualität

Yoga-Kolumne (1): Hi, ich hoffe Du bist okay?

Janina Roeseler

Janina Roeseler ist Yogalehrerin in Freiburg – und am liebsten auf ihrer Matte in einem Studio. Da das aktuell nicht geht, schreibt sie auf, wie wir jetzt einen klaren Verstand und ein ruhiges Gemüt behalten können.

Ich hoffe es geht Dir okay in diesen ungewissen Zeiten von Social Distancing und Selbstisolation! Was für eine Aufgabe, die uns da gerade erreicht! Mich holt sie ganz schön aus meiner Komfortzone heraus. Aber genau da liegt natürlich auch mein Potential für Veränderung und Wachstum. Und Deins! In der Komfortzone ist bekanntlich noch keiner erwacht.

"Das hier ist gerade weitaus größer als einzelne Egos und Befindlichkeiten."

Es ist mir sehr schwer gefallen, als eine Yogaschule nach der anderen ihre Türen vorerst zumachen musste. Es ist das erste Mal in sechs Jahren meines Unterrichtens, dass ich nicht diverse Male die Woche vor einer Gruppe stehe und teile, was ich liebe und wovon ich überzeugt bin. Aber das hier ist gerade weitaus größer als einzelne Egos und Befindlichkeiten. Ich glaube, dass wir die Ausbreitung und sowohl die wirtschaftlichen als auch gesellschaftlichen Folgen von COVID-19 nur durch Solidarität, Fürsorge, Verständnis und ganz viel Mitgefühl füreinander tragen können, um am Ende gestärkt aus diesen Zeiten hervorzugehen.
Janina Roeseler

Janina ist ursprünglich ein Nordlicht, hat sich nach ihrer dreijährigen Weltreise aber in Freiburg niedergelassen und will hier auch nicht mehr so schnell weg. Sie ist mit Herz und Seele Yogalehrerin bei Yoga Jetzt und im Ommm Yoga. Janina hat mal was mit Marketing und Business studiert und ist bei Zündstoff für den Onlineshop und die PR zuständig.

Für fudder schreibt Janina ab jetzt regelmäßig eine Yoga-Kolumne, in der sie uns hilft, mit uns selbst in der Quarantäne klarzukommen, unseren Körper und Geist gesund zu halten und somit einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.
Web: janinaroeseler.com

Aber hey, mit sich alleine zu sein, kann echt anstrengend sein! Gerade, wenn man schon vor Corona emotional aufgewühlt und nicht ganz stabil war. Aber Distanz schafft auch Nähe! Wir schätzen wieder, was wir für selbstverständlich erachtet haben. Skype und Co. sei Dank, dass wir auch in Zeiten von Social Distancing in Kontakt stehen können.

"Aber diese Zeit ist ein so kostbares Geschenk, das wir nicht aus den Augen verlieren dürfen und nicht unausgepackt in der Ecke stehen lassen sollten!"

Wenn es einem jedoch schon unter normalen Umständen schwer gefallen ist, gegenwärtig und entspannt zu sein, zum Beispiel wenn man alleine im Raum sitzt, durch den Wald spaziert oder jemandem zuhört, dann ist das bewusst bleiben in Momenten, in denen etwas "schief läuft" oder wir mit schwierigen Situationen konfrontiert werden, die mit drohendem oder aktuellem Verlust einhergehen, umso herausfordernder. Hinzukommt, dass ein Großteil von uns schlichtweg verlernt hat, alleine zu sein. Klar, dass dann die Aussichten einer mehrwöchigen Ausgangssperre bedrohend wirken.

Aber diese Zeit ist ein so kostbares Geschenk, das wir nicht aus den Augen verlieren dürfen und nicht unausgepackt in der Ecke stehen lassen sollten! Sich intensiv nach innen zu wenden und zu überprüfen, welche positiven Veränderungen aus jedem von uns jetzt heraus entstehen dürfen, hilft das, was ist, anzunehmen und optimistisch in die Zukunft zu blicken.

Nur drei Mal Nachrichten checken pro Tag

Nach fast einer Woche in meinem Zimmer bin ich an dem Punkt angekommen, wo ich in die Akzeptanz der Situation gegangen bin und ich fühle mich sehr ruhig und friedlich. Natürlich verfolge ich weiterhin die Nachrichten rund um COVID-19, aber nicht mehr 1736 Mal am Tag sondern nur noch drei Mal. Ich bleibe im Vertrauen und versuche durch gezieltes Handeln (#stayathome) die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und durch einen gesunden Lebensstil mein Immunsystem zu stärken, um andere weiterhin auf ihrem Weg begleiten zu können. Bei all der Sorge und Angst, die ich in den letzten Tage auch gespürt habe, freue mich sehr darüber, dass Mutter Erde nun endlich aufatmen und sich regenerieren darf.

Keine Frage, es werden schwierige Zeiten auf uns alle zurollen und es kommt nicht mehr darauf an, welche Menschen wir sein wollen, sondern welche Menschen wir sind. In diesem Sinne: Informiere Dich bei verlässlichen Quellen, bewege Dich, ernähre Dich ausgewogen, hilf anderen und vielleicht ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, um eine eigene Meditationspraxis aufzubauen? Wenn nicht jetzt, wann dann? Eben!

Ich hoffe Du weißt, dass Du nicht alleine bist und alles gut wird!

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