Polizeikontrolle

Wurde ein Freiburger Vater Opfer von Racial Profiling?

Manuel Fritsch

Ein Vater bringt seinen Sohn in den Kindergarten und wird von der Polizei kontrolliert, eine halbe Stunde lang. Die Familie führt das auf seine schwarze Hautfarbe zurück, die Polizei schweigt bislang.

Racial Profiling, die Kontrolle einer Person aufgrund ihrer Hautfarbe, ist in Deutschland verboten. Immer wieder wird jedoch beklagt, dass Menschen mit dunkler Haut ungleich häufiger Kontrollen ausgesetzt sind als Menschen mit augenscheinlich mitteleuropäischer Herkunft. Bei dem Fall eines Freiburgers, der Anfang August vor dem Kindergarten seines Sohnes in Haslach von der Polizei kontrolliert wurde, scheint es schwer vorstellbar, dass seine Hautfarbe keine Rolle gespielt haben sollte.


Chakirou Dedjinou hat seinen fünfjährigen Sohn gerade in die Kita in Haslach gebracht. Er kommt aus dem Kindergarten, schwingt sich auf sein Fahrrad – und prompt stoppt eine vorbeifahrende Polizeistreife, so berichtet er den Vorfall. Die Beamten bitten ihn, abzusteigen und den großen Kinderanhänger, der hinten am Fahrrad hängt, auszuleeren. Die Beamten kontrollieren den Ausweis und die Seriennummer des Fahrrads – ohne dass für Dedjinou ein Grund ersichtlich ist.

"Einen vernünftigen Verdacht hat es nie gegeben." Jasmin Hartmann
"Das war zur normalen Kinderbring-Zeit, direkt vor dem Kita-Eingang", berichtet seine Frau Jasmin Hartmann der BZ. Zwei Eltern hätten sie am Tag darauf angesprochen und gefragt, was da denn los war. Dedjinou rief gleich während der Kontrolle seine Frau an, damit sie mit den Beamten spreche – ihr gehört das Rad, sie ist als gebürtige Deutsche besser mit der Situation vertraut als der in Benin geborene Dedjinou. Die Beamten erklärten, sie wollten kontrollieren, ob das Fahrrad geklaut sei. "Ich habe ihnen erklärt, dass es mein Fahrrad ist, habe die Marke genannt und wann ich es wo gekauft habe", erzählt Hartmann, "einen vernünftigen Verdacht hat es nie gegeben."

Kontrolle vor den Augen anderer Eltern soll eine halbe Stunde gedauert haben

Sie dachte, mit ihren Erklärungen sei die Sache erledigt. Stattdessen musste ihr Mann sich nun noch ausweisen und das Fahrrad umdrehen, damit die Beamten die Seriennummer überprüfen konnten. "Das hat eine halbe Stunde gedauert", sagt Hartmann. Und alles vor der Kita ihres Sohnes, vor den Augen der anderen Eltern. Diese hätten ihr erzählt, dass das Verhalten der Beamten unmöglich gewesen sei. Sie hätten Dedjinou geduzt – er habe die Beamten gesiezt. Insgesamt seien die Beamten unfreundlich gewesen.

"Im Freundeskreis meines Mannes ist es nicht die erste solche Kontrolle." Jasmin Hartmann, Ehefrau
"Ich finde das eine Sauerei", sagt Hartmann: "Am helllichten Tag vor allen Eltern gedemütigt und kontrolliert zu werden. Aber das ist Realität hier. Im Freundeskreis meines Mannes ist es nicht die erste solche Kontrolle." Wenigstens habe ihr Kind nichts davon mitbekommen.

Vor einem Kindergarten dürfte keine Ausnahmeregelung gelten

Dedjinou ist dunkelhäutig. Dass seine Hautfarbe etwas mit der Kontrolle zu tun haben könnte, liegt nahe. Zwar ist das generell verboten, doch gibt es einige Situationen, in denen die Hautfarbe bei einer Kontrolle eine Rolle spielen darf – und zwar wenn sie Teil eines Motivbündels ist. Das kann beispielsweise sein, wenn etwa "der Drogenhandel in bestimmten Parks und Straßen klar erkennbar in den Händen bestimmter Ethnien" ist, wie Christian Rath unlängst in der BZ erklärt hat. Das könnte in Freiburg etwa am Stühlinger Kirchplatz der Fall sein. Vor einem Kindergarten in Haslach aber dürfte diese Regel kaum greifen. Ein Motivbündel, von dem die Hautfarbe des kontrollierten Vaters nur ein Teil gewesen ist, sollte dort schwer auszumachen sein.

Daher haben Hartmann und Dedjinou bei der Polizei eine Beschwerde eingereicht. Dort wurde die Angelegenheit ans Beschwerdemanagement weitergeleitet und ist – so der aktuelle Stand vom Dienstag – auch nach drei Wochen noch in Bearbeitung, weshalb die Polizei noch nichts zu dem Vorfall sagen möchte.