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Worauf man beim Laufen in der Gruppe achten sollte

Christian Engel

Lauftreffs bringen viele Vorteile mit sich: Man kann ein wenig quasseln und sich gegenseitig pushen – dennoch birgt Laufen in der Gruppe auch Gefahren: Wir haben Freiburger Läufer und Expertinnen begleitet und nach Tipps gefragt.

Ob es regnet oder schneit, vom Himmel runterbrutzelt, als hätte Petrus seinen Bunsenbrenner ausgepackt, windet oder nieselt: Matthias Treffeisen geht jeden Mittwoch und jeden Samstag raus auf die Strecke. Und nicht allein. Stets begleiten ihn fünf bis acht Laufbegeisterte rund um den Tuniberg, wenn der 55-Jährige zum Gruppenlauf bittet.


Bereits seit 1999 bietet der TV Tiengen einen Lauftreff an. Matthias Treffeisen war von Anfang an dabei. Er hatte nach einer Meniskusverletzung die Fußballschuhe an den Torpfosten gehängt, etwas Neues ausprobieren wollen. So war er zum TV Tiengen gekommen, zur Laufgruppe, deren Leitung er kurz nach ihrer Gründung auch schon übernahm.

Leichter den inneren Schweinehund überwinden

Das Schöne am Gruppenlaufen formuliert Matthias Treffeisen so: "Man hat jemandem, der einen mitzieht, wenn man mal nicht so gut drauf ist und eigentlich am liebsten gar nicht erst laufen würde." Laufgruppenzwang sozusagen. Was den Vorteil hat, seinen inneren Schweinehund zu überwinden und in die Sportschuhe zu steigen, weil man einen fixen Termin hat, eine Verpflichtung. Andererseits birgt diese Motivation auch gefahren. Davon kann Zsuzsanna Zimanyi berichten.

Die Sportpsychologin, die am Olympiastützpunkt in Freiburg ihren Fachbereich leitet, spricht die körperliche Grenze eines jeden an. Die ist je nach Fitnessstand bei jedem natürlich anders. Der eine kann 30 Minuten in lockerem Tempo laufen gehen, der andere rattert zwölf Kilometer in der Stunde runter. Jeder hat seine eigene Belastungsgrenze. Diese kann er nach oben versetzen, eben durch Training. Geht er allerdings deutlich zu weit über die Grenze – und das auch noch zu häufig, ohne die richtige Regeneration, ohne genügend Pausen zwischen den Einheiten –, kann ihm das schaden: körperlich, etwa durch Verletzungen; mental, etwa durch Motivationsverlust – wem bitte macht es Spaß, sich unbezahlt ständig so zu schinden?

Ähnliches Niveau innerhalb der Laufgruppe ist wichtig

Das bedeutet fürs Laufen in der Gruppe: Hier besteht die Gefahr, dass zu viele unterschiedliche Leistungsniveaus versammelt sind, die jedoch alle in einem gemeinsamen Tempo unterwegs sind. Dem einen kann es deutlich zu langsam sein, dem anderen deutlich zu schnell. Während der eine unterfordert ist und sich langweilt, überfordert sich der andere und verliert die Lust. "Daher", sagt Zsuzsanna Zimanyi, "ist es absolut wichtig, das ähnliche Niveau innerhalb einer Laufgruppe zu haben." Oder aber eine größere Laufgruppe teilt sich während des Laufs in verschiedene Kleingruppen auf. "Das ergibt sich meist von selbst", sagt die 32-Jährige, "dann findet jeder sein Tempo."

In Tiengen haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten im Endeffekt sechs, sieben verschiedene Routen herausgebildet, die die Gruppe um Matthias Treffeisen abwechselnd läuft, je nach Lust und Laune. Mal geht’s hoch auf den Tuniberg, mal hinein in den schattigen Mooswald, wenn die Sonne zu arg knallt. "Die meisten Routen verfügen über zusätzliche Schleifen, die man drehen kann oder nicht", erzählt der Laufgruppenleiter. "Die Schnelleren etwa laufen die Schleife, die etwas Langsameren nicht, aber am Ende kommen wir doch wieder zusammen und laufen den Rest gemeinsam. So kommt jeder auf seine Kosten."

Ziele setzen ist auch für Läufer wichtig

Auf die Kosten kommen: Sportpsychologin Zsuzsanna Zimanyi nennt das "Ziele". Dies müsse jeder für sich definieren. Warum laufe ich überhaupt? Will ich abnehmen? Will ich trainieren, damit ich im Mannschaftstraining besser mithalte? Will ich einfach nur meine Gesundheit fördern, einen langen Bürotag mit Bewegung abschließen? "Wer dieses Ziel klar für sich formuliert hat", sagt Zsuzsanna Zimanyi, "findet auch leichter die Laufgruppe, die zu ihm passt."
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Die zentrale Frage sollte laut Zimanyi lauten: Fühlt es sich gut an, in dieser Gruppe mitzulaufen? Wer etwa zu häufig und zu sehr unterfordert ist, könnte sich schnell langweilen, bräuchte vielleicht eine flottere Truppe. Andererseits kann der- oder diejenige ja nur einen Ausgleich suchen, eher die Geselligkeit, die Gespräche während des Laufens, die für ihn oder sie in dem Moment wichtiger sind als die sportliche Ambition. Daher rät Zsuzsanna Zimanyi jedem, ein Selbstgespräch zu führen, ruhig häufiger zu reflektieren, um herauszufinden, ob man Laufen geht zu seiner selbst willen, also weil man es selber möchte und sich dabei gut fühlt, oder ob man Laufen geht aufgrund eines externen Einflusses, eines Drucks von außen (zum Beispiel: Meine Partnerin findet mich zu dick, ich muss abnehmen).

Achtsamkeit und Gruppendynamik

In der Laufgruppe von Mirjam Barnicol etwa sind die Ziele klar definiert, sie heißen: langsam laufen. So langsam, dass man noch Spaß daran hat. Im vergangenen Jahr kam der 54-Jährigen, die eigentlich Stepptanz unterrichtet, die Idee, nachdem sie Jogger beobachtet hatte: "Warum sehen beim Joggen so viele Menschen so mies gelaunt aus?", fragte sie sich. Ihr Fazit: Weil es den meisten nicht Spaß macht.

Ihrer Meinung nach bleiben die meisten motiviert, wenn das Lauftempo angemessen ist, in ihren Augen also lieber langsam als schnell, Achtsamkeit ist das Stichwort. Das eine Stichwort. Gruppendynamik das andere. Mit zwei oder drei Leuten geht sie am liebsten auf die Strecke, weil dann die Wahrscheinlichkeit höher ist, die möglichst gleichen Leistungsniveaus zu vereinigen. "Und weil eine Gruppe hilft, dass man überhaupt rausgeht."

Laufen in der Gruppe helfe auch, Stress zu reduzieren, sagt Sportpsychologin Zsuzsanna Zimanyi. Die Läufer können sich mit den anderen Teilnehmern austauschen, ihren Frust von der Seele reden – das allein hilft manchmal ja schon, seinen Wutstau aufzulösen. Außerdem helfe es bei schlechter Laune, zu einer Gruppe zu stoßen, die gute Laune verbreitet. Das hebt die Stimmung – außer man zieht die anderen zu sehr runter.

Von guter Stimmung in der Gruppe kann Matthias Treffeisen auch berichten. "Die steckt an, wenn es bei einem selbst mal nicht so gut läuft." Die Stimmung stimmt selbst dann noch, wenn es mal regnet oder schneit, vom Himmel runterbrutzelt, als hätte Petrus seinen Bunsenbrenner ausgepackt, windet oder nieselt.

Info:
  • Wer am Lauftreff von Matthias Treffeisen mitmachen möchte, kann ihn kontaktieren unter matthias.treffeisen@online.de, Termine und Aktuelles finden sich hier: Turnverein TV Freiburg-Tiengen von 1928 e.V. - Lauftreff
    Web: tvtiengen.de
  • Eine Auswahl von Lauftreffs in Freiburg findet ihr auf den Homepages Lauf-Treffs im Postleitzahl-Gebiet 79xxx (Freiburg) (lauftreff.de) und Lauftreffs in Freiburg, Joggen Online (joggen-online.de)

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